Vegetationsökologie Tropischer & Subtropischer Klimate / LV-TWK (B.8)
 
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TWK Fauna Teil 1 ...

Bemerkungen zum Verhältnis Mensch - Tier
Bedeutung von Mega-Herbivoren
Landschaften mit hoher Artendiversität der TWK
Link 4
   
 

Abb. rechts - vorne :-) : Warzenschwein -
Phacochoerus aethiopicus in Burkina Faso (bei Ouagadougou)
Hauptfeinde der wehrhaften Warzenschweine sind Löwen, Leoparden, Hyänen und Hyänenhunde, die jedoch grossen Respekt vor ihnen haben und sie nur selten angreifen.

  Fotos oben - Copyright © 2003 Harald Kehl
ACHTUNG: Diese Seite ist unvollständig und gehört noch nicht zum Internet-Auftritt.

Sie wird von grossen
und kleinenTieren handeln ...
Dieser Teil der LV wird zurzeit für das Internet vorbereitet.

Bitte haben Sie noch etwas Geduld!
   
Einige Vorbemerkungen zum Zusammenleben von Menschen und Tieren
 
 
  • Wenn oben auch von kleinen und grossen Tieren die Rede ist, so wird doch der Schwerpunkt der hier folgenden Ausführungen bei den sogenannten "Grossen Tieren" liegen, welche für die Vegetationsökologie der "Trockenen und Warmen Klimate" (aber auch für die dort lebenden Menschen) eine besondere Rolle spielten und spielen.

  • Die Bedeutung der grossen Pflanzenfresser für die heute existierenden Gras- und offenen Landschaften der trockenen und warmen Klimate ist gut untersucht, dagegen ist sie für die weit zurückliegende Landschaftsgeschichte nur wenig bekannt. Es existieren jedoch viele Hypothesen zur Verbreitung und zum scheinbar rätselhaften Verlöschen der Makro-Herbivoren während bzw. zum Ende der letzten Eiszeit.

    Von Bedeutung ist einerseits die auffallende Gleichzeitigkeit des verstärkten Auftretens des Menschen seit etwa 30.000 BP (und seiner Durchsetzungsfähigkeit) und dem Verlöschen grosser Säugetiere zum Ende der letzten Eiszeit und andererseits eine erhebliche Konkurrenz zwischen den vierbeinigen und zweibeinigen Säugern.

  • Es kann heute als gesichert gelten, dass Menschen schon sehr früh einen starken Einfluss auf die Populationen grosser Säugetiere hatten. So zeigen neuere Untersuchungen, dass bereits der Homo erectus vor etwa 370 000 Jahren (d.h. lange vor den Neandertalern und dem Homo sapiens sapiens) die Grosswildjagd kannte.

    • Vgl. Dietrich Mania (2004) Die Urmenschen von Thüringen.- Spektrum der Wissenschaft.- Oktober 2004: 38-47.
 
Overkill - und Klima - Hypothese:
 
 

"Ungeachtet der primitiven Waffen des Frühmenschen - Messer, Äxte und Speerspitzen aus Stein - und der gewaltigen Populationen grosser, kraftvoller Tiere, die ausgerottet wurden, ist das Beweismaterial gegen den 'edlen Wilden' [des Paläo-, Meso- und Neolithikums, Anm. Verf.] erdrückend. Gegen Ende der Eiszeit hatten die Menschen ganz eindeutig Techniken des Massenmords [vgl. Anmerkung] entwickelt [besonders aber in der Neuzeit, vgl. unten die Hinweise zur fast 'gelungenen' Ausrottung des nordamerikanischen Bisons], die weit über die Befriedigung ihres Nahrungsbedarfs hinausgingen.

An mehreren, über die ganze Welt verstreuten Orten [Afrika, Asien, N-Amerika] haben die Paläontologen die Umstände rekonstruiert, unter denen Grosstiere in Flussbetten gejagt wurden, aus denen sie nicht entkommen konnten; die obenauf liegenden Tiere wurden geschlachtet, die darunter befindlichen nicht angerührt. An einer Fundstelle in der Sowietunion lässt sich aus Überresten schliessen, dass im Verlauf einer einzigen Jagd fast 1 000 Wisente mit mindestens 270 Speeren mit Feuerstein- und 35 mit Knochenspitzen getötet wurden. Eine andere Technik dürfte die Treibjagd mit Feuer gewesen sein, bei der absichtlich gelegte Brände die Aufgabe hatten, die Beute den wartenden Jägern in die Arme zu treiben.

Alle Tiere - gefährliche Raubtiere ebenso wie friedliche Pflanzenfresser - haben heute eine derartige Scheu vor dem Menschen, dass es schwerfällt, sich eine noch nicht allzu lang zurückliegende Zeit vorzustellen, in der sie die instinktive Angst vor menschlichen Jägern noch nicht kannten.
" (Chorlton 1985)

Anmerkung: Die Verwendung dieses Begriffes ist moralisierend, unterstellend und unzulässig für das Verhalten von Menschen in "vorgeschichtlicher" Zeit. Hier sollte wohl eher von - nachweislich sehr seltener - Massentötung gesprochen werden. Im Gegensatz zu den Massentötungen von Bisons mit höchst effektiven Feuerwaffen aus purem Vergnügen (siehe folgende Bemerkungen), dienten die Tötungen von Bisons (oder anderer grosser Jagdtiere) durch z.B. Indianer in N-Amerika dem Nahrungserwerb. Die infrage stehenden und oben beschriebenen - Jagdmethoden, z.B. das Treiben der Herde z.B. in Schluchten, war vermutlich für den Jäger wesentlich ungefährlicher als das Herauslösen einzelner grosser Tiere. Und was die Massentötung von Bisons (Buffalos) in historischer Zeit in N-Amerika aus Jux angeht, sollte bedacht werden, dass vor dem Eintreffen des "zivilisierten weissen Mannes" noch etwa 60.000.000 Bisons die Prairien bevölkerten, und dass "... with the immigration of white settlers into the prairies of North America, the bison's numbers dwindled to a fraction of their original numbers, and - at one point - neared extinction."

  • Vgl. Windson Chorlton (1985) Der Planet Erde - Eiszeiten.- Time-Life Bücher, Amsterdam. (Trotz der unzulässigen moralischen Bewertungen, eine durchaus immer noch brauchbare, populärwissenschaftliche Zusammenstellung - Absätze und Hervorhebungen durch den Verf.)

  •  Neuere Untersuchungen bestätigen zwar die "Overkill-Hypothese", geben aber u.a. zu bedenken, dass vermutlich das Zusammentreffen von Klimawechsel und menschlichem Einfluss zum Verlöschen vieler grosser Säugetiere geführt hat.
    Vgl. Sie dazu:


    • Stuart et al. (2004) Pleistocene to Holocene extinction dynamics in giant deer and woolly mammoth.-
      Nature 431, 684 - 689
      (07 October 2004)

      Abstract in Nature anschauen
      [date of access 21.02.05]

    • Barnosky et al. (2004) Assessing the Causes of Late Pleistocene Extinctions on the Continents.-
      Science, Vol 306, Issue 5693, 70-75 (01 October 2004)
      Review in Science-Online anschauen
      [date of access 04.11.05]

    • Steadman et al. (2005) Asynchronous extinction of late Quaternary sloths on continents and islands .-
      PNAS, Vol. 102, No. 33, 11763-11768 (August 16, 2005)
      Abstract in:  Proc. Natl. Acad. Sci. U. S. A. (PNAS) - Online
      [date of access 04.11.05]


    • Trueman et al. (2005) Prolonged coexistence of humans and megafauna in Pleistocene Australia.-
      PNAS, Vol. 102, No. 23, 8381-8385 (June 07, 2005)
      Abstract in:  Proc. Natl. Acad. Sci. U. S. A. (PNAS) - Online
      [date of access 04.11.05]


    • Surovell et al. (2005) Global archaeological evidence for proboscidean overkill.-
      PNAS, Vol. 102, No. 17, 6231-6236 (April 26 , 2005)
      Abstract in:  Proc. Natl. Acad. Sci. U. S. A. (PNAS) - Online
      [date of access 04.11.05]

    • Cardillo et al. (2005) Multiple Causes of High Extinction Risk in Large Mammal Species.-
      Science, Vol 309, Issue 5738, 1239-1241 (19 August 2005)
      Review in Science-Online anschauen
      [date of access 04.11.05]

    • Paul S. Martin (2005) Twilight of the Mammoths - Ice Age Extinctions and the Rewilding of America.- University of California Press. $29.95, £18.95 0-520-23141-4
      [date of access 16.06.06]

    • Thomas Jeier (2008) Das große Buch der Indianer - Die Ureinwohner Nordamerikas.- Ueberreuter Verlag, Wien (304 Seiten, 350 Fotos und Landkarten, 24.95 €).
      Besprechung in DeutschlandRadio-Kultur
      [date of access 11.03.08]

In Bezug auf die auch heute noch aussergewöhnlich zutrauliche - und deshalb nach ihrer Entdeckung arg dezimierte - Tierwelt der Galapagosinseln schrieb Charles Darwin: "Daraus lässt sich schliessen, wieviel Unheil das Erscheinen eines neuen Raubtiers in einem Land anrichten kann, solange die dort heimischen Geschöpfe keine Instinkte gegen die Künste oder Kräfte der Fremden entwickelt haben." (zit. von W. Chorlton 1985: 73)

In Europa, in Asien, in Afrika und in N-Amerika (siehe unten!) überlebten die Populationen vieler grosser Säugetiere die immer stärker werdende Bejagung nicht und verschwanden schliesslich, andere wurden immer weiter zurück gedrängt. Ein Prozess, der übrigens auch in der Gegenwart unvermindert anhält.

"Die erste Welle des Aussterbens traf Afrika vor rund 60 000 Jahren - ungefähr um die Zeit, als die letzte grosse Eiszeit des Pleistozäns sich ihrem Höhepunkt näherte [und der Homo sapiens sapiens begann, sich erfolgreich in NO-Afrika und SW-Asien auszubreiten, Anm. des Verf.]. Im Verlauf der folgenden 20 000 Jahre verschwanden rund 40% der Grosssäuger dieses Kontinents, darunter Riesenpaviane und -schweine, geweihtragende Giraffen, langhörnige Riesenbüffel, Säbelzahnkatzen und dreizehige Pferde. Ähnliches passierte in Eurasien. In Europa verschwanden ungefähr 50% der Grosssäuger, darunter das Mammut , das Wollnashorn , der Höhlenbär und der Höhlenlöwe . Auch das allmähliche Aussterben dieser Arten vollzog sich in einem Zeitraum von ungefähr 20 000 Jahren."
(aus Windson Chorlton 1985)

Nach Angaben von  Jeffrey A, McNeely (2000), Leitender Wissenschaftler des IUCN (International Union for Conservation of Nature and Natural Resources) waren die spätglazialen bis frühholozänen (15.000 - 12.000 BP) Aussterberaten grosser Säugetiere auf Kontinenten, die Menschen nun - postglacial - erreichten, besonders hoch. So starben in Nordamerika 70% und Südamerika 80% aus. Australien, das von Menschen vor 60.000 - 40.000 Jahren erreicht wurde, verlor danach sogar 87% aller grossen Säugetiere (hier Beuteltiere bzw. Marsupialier). Auch hier trifft sicher die o.g. Bemerkung Darwins zu.

Weitere Informationen zu Ausrottungen und ihre Ursachen finden Sie detailliert bei Erich Hobusch (1986) Das grosse Halali - Eine Kulturgeschichte der Jagd und der Hege der Tierwelt.- Militärverlag der DDR.
(vermutlich nur noch antiquarisch zu bekommen)

Aus heutiger Perspektive gehörte der Mensch in weiten Teilen der nördlichen Hemisphäre zu jenen Neobiota, den quasi "invasive aliens", mit hohem Verdrängungspotential (und einschneidenden Folgen für die dort heimische Fauna bzw. der damaligen autochthonen Biodiversität).

Wenn auch verschiedentlich behauptet wird, viele grosse Säugetiere besonders N-Europas hätten die Klimaveränderung wegen der ausklingenden letzten Kaltzeit nicht überlebt (sogen. "Klima-Hypothese"), so ist doch eher unwahrscheinlich, dass diese Arten - wo sie doch in ihrer Entwicklungsgeschichte bereits viele Glaziale und extremere Interglaziale (d.h. Warmzeiten) auf ihren unterschiedlichen Kontinenten überlebt hatten - nun plötzlich wegen der neuen Erwärmung ausgestorben waren.

Neben vereinzelten, völlig absurden und wissenschaftlich unhaltbaren Theorien zur Erklärung des viele Jahrtausende andauernden Verlöschens der Grosssäuger (vgl. z.B. die 'Iron-Grain-Impact-Idee' von Richard Firestone and William Topping, Berkeley Lab  [date of access 04.11.05], U.S. Department of Energy, Berkeley, California), wurden dem Rätsel des Artensterbens viele Konferenzen gewidmet.

Im Jahre 1965 fand das erste grosse wissenschaftliche Symposium zu diesem Thema an der National Academy of Sciences in Boulder, Colorado, statt. Obwohl neuere Untersuchungen scheinbar keinen Zweifel daran lassen, dass der jagende und sich immer stärker ausbreitende Mensch die eigentliche Ursache ist, konnten direkte "Beweise" nicht gefunden werden. Wahrscheinlich würde dies auch allzu sehr am Selbstbildnis des Menschen rütteln. Im Zweifel gilt halt: in dubio pro reo.

Fast man alle Argumente zusammen, muss wohl davon ausgegangen werden, dass das Zusammenwirken von relativ schneller Erwärmung (obwohl nicht ungewöhnlich), der postglaziale Wegfall weiter Gras- und offener Waldlandschaften, aber besonders die bereits lange vorher erfolgte Entwicklung koordinierter und damit höchst wirkungsvoller Jagdtechniken des Homo sapiens sapiens (in Europa „Cro-Magnon-Menschen“ genannt) zur Ausrottung der grossen Säugetiere geführt hat. Da sich der moderne Mensch erfolgreich in NO-Afrika entwickelte und erst danach Europa und Asien eroberte, wird die zeitliche Versetzung der Aussterbewellen auf den o.g. Kontinenten gut verständlich.

[Die Abbildungen wurden der Website von Gerhard Bigell, Eiszeit-Bilder, entnommen] [date of access: 04.10.04]

   
In "vorgeschichtlicher" Zeit ausgestorbene Tiere:
   
 

Ausgestorbene Tiere der nördlichen Hemisphäre (soweit bis April 2003 bekannt):

  • Das Wollnashorn (vgl. Abb. Icon für Grafikrechts - Schulterhöhe ca. 200cm) - Coelodonta antiquitatis (500 000 ? bis ca. 20 000 ? - ) wurde bereits vor 70 000 Jahren gejagt. Es verschwand vor etwa 20 000 Jahren, als der Zeitpunkt der höchsten Vereisung gerade vorbei war (und nicht erst vor 10 000 Jahren, wie verschiedentlich behauptet wird).




  • Der Höhlenlöwe (vgl. Abb. Icon für Grafikunten) - Panthera leo speleata (900 000 ? bis ca 6 000 ?) - wurde nachweislich vor etwa 47 000 Jahren gejagt (Rosendahl 2004). Die letzten Höhlenlöwen lebten angeblich noch im antiken Griechenland.





  • Das Mammut (vgl. Abb. Icon für Grafikrechts unten - Schulterhöhe 350-400cm) - Mammonteus spec. - wanderte vermutlich vor etwa 2 bis 2,5 Millionen Jahren nach Europa ein und starb mit dem Ende der letzten Vereisung aus (in N-Amerika vor etwa 11200 Jahren, das kleine Wollmammut Sibiriens aber erst vor ca. 4000 Jahren), und es hatte - ausser dem Menschen und evtl. der Säbelzahnkatze - keine weiteren Feinde.



  • Die Säbelzahnkatze (nicht Tiger! vgl. Abb. Icon für Grafiklinks unten ) - in Amerika Smilodon und in Europa Megateron (von 20 bis 30 Millionen Jahren bis ca. 40 000 Jahren in Europa und ca. 14 500 Jahren in N-Amerika). Mit den riesigen oberen Eckzähnen konnten sie selbst grosse Tiere wie Rhinozerosse und Elefanten töten. Sie hatten vermutlich - ausser dem Menschen - keine Feinde.












  • Europäischer Wildesel (Equus hydruntinus), im frühen Holozän verschwunden (vor 10 000 bis 9 000 Jahren)
  • Riesenhirsch (Megalocerasus giganteaus), im frühen Holozän verschwunden (vor 10 000 bis 9 000 Jahren)
  • Höhlenbär (Ursus spelaeus), im frühen Holozän verschwunden (vor 10 000 bis 9 000 Jahren)

  • Waldelefant (Elephas palaeloxodon), im frühen Holozän verschwunden (vor 30 000 bis 20 000 Jahren)
  • Waldnashorn (Dicerorhinus kirchbergensis), im frühen Holozän verschwunden (vor 30 000 bis 20 000 Jahren)
  • Steppennashorn (Dicerorhinus hemitoechus), im frühen Holozän verschwunden (vor 30 000 bis 20 000 Jahren)

    Eine Liste, der in N-Amerika zum Ende der Eiszeit ausgestorbenen Tiere finden Sie hier Externer Link [date of access: 04.10.04]
   
   
   
In "historischer" Zeit ausgestorbene Tiere:
   
  Ausgestorbene Tiere der nördlichen Hemisphäre - zwischen dem 17. und 20. Jahrhundert verschwunden:
  • Das Wisent (Bison bonasus) - ca. 1919
  • Das Wildpferd bzw. Tarpan (Eqeuus ferrus) - ca. 1800
  • Der Auerochse (Bos primigenius) - ca. 1627

    (Angaben ohne Abb. aus Externer LinkBunzel-Drüke etal. 2001)

Einen Überblick zur Externer LinkBedeutung von Gross-Herbivoren in prä-historischer und historischer Zeit auf die Naturlandschaften Mitteleuropas (inkl. vieler Abbildungen) bieten Margret Bunzel-Drüke, Joachim Drücke und Henning Vierhaus -

- Datei, 9 Seiten, 309K -  [date of access: 03.10.04]

 
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Bedeutung von Mega-Herbivoren
   
 

Die grossen Herbivoren haben in allen Steppen- und Savannen-Landschaften eine überragende Bedeutung für die Ausformung des Landschaftsbildes. Einerseits hat dies mit den grossen Nahrungsmengen der oft riesigen Herden zu tun, die diese Tiere zum Überleben benötigen, andererseits aber auch mit den von ihrer schieren Körpergrösse ausgehenden mechanischen Fähigkeiten und Einflüssen. Die Populationsgrösse ist - in der Regel - eng gekoppelt mit dem Nahrungs- und Wasserangebot.

In den tropischen Gebieten begrenzt vermutlich das Wasserangebot die Populationsgrösse, wogegen in den temperaten Steppen die Wintertemperaturen mit dem geringen Nahrungsangebot sowie quasi die - während der günstigen Jahreszeit erworbenen - Fettreserven die jeweiligen Populationsstärken bestimmen.

Für die Gross-Herbivoren beider Klimagebiete trifft zu, dass auch der Besatz von Prädatoren die Populationsgrösse regulieren kann. Da dies in der Gegenwart nachweislich in den temperaten und tropischen Graslandschaften so ist, muss dies in der Vergangenheit ähnlich gewesen sein.

Aktuell wurde z.B. bzgl. Verhältnis von Prädatoren (Wölfe) und Herbivoren (Wapitis, das sind nordamerikanische Rothirsche) im Yellowstone Nationalpark nachgewiesen, dass mit der Auswilderung hier ausgerotteter Wölfe (weil auch für Besucher gefährlich), die vorher ausgebliebene Regeneration der Baumvegetation wieder einsetzte.

Für Ökosystematiker wenig überraschend, konnte dies zurückgeführt werden auf den Rückgang der Herbivoren, welche den aufkommenden Jungwuchs der Bäume sofort konsumiert hatten. "Die Lebensbedingungen zahlreicher weiterer Tierarten haben sich ebenfalls verändert, angefangen beim Kojoten und dem Rotfuchs, dem Grizzly und dem Biber bis hin zum Kolkraben und den Sinvögeln." (vgl. "Wieder Wölfe im Yellowstone-Park", Jim Robbins 2004: 24-29)

Andererseits muss wohl davon ausgegangen werden, dass die Ausrottung der Gross-Herbivoren (Mammut, Elephant, Nashorn bis Wisent) mitsamt der Prädatoren (z.B. Löwe, Leopard, Hyäne etc.) erst zu den - jedenfalls potentiell - geschlossenen Wäldern Mittel- und West-Europas geführt hat. Es ist durchaus möglich, dass eher halboffene Landschaften entstanden wären.

In diesem Kontext sind selbst die sogenannten "potentiell natürlichen" Waldlandschaften (!?) Mittel- und West-Europas bereits das Produkt weit zurück liegenden menschlichen Eingriffs.

Die landschaftsgestaltende Wirkung von domestizierten Herbivoren ist hinlänglich dokumentiert. In Mittel- und West-Europa sind jene Waldformationen bekannt, welche das Vorbild der englischen Parklandschaften abgaben. Die Reichweite und die Fressgewohnheiten der Tiere waren entscheidend für den Habitus vieler Wälder noch bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts.

Die mediterranen mosaikartigen Gebüschformationen Macchie und teilweise auch Phrygana sind nichts anderes als Produkte ständiger Beweidung. Die Arten dieser Vegetationstypen sind in aller Regel hoch resistent gegen Beweidung als Folge einer über viele Jahrtausende wirkenden Selektion und Evolution. Ebenso wie in den Savannengebieten Afrikas oder Prairien N-Amerikas war der Beweidungsdruck auf die Vegetation lange vor dem Erscheinen des Menschen ein wesentlicher Parameter dieser Ökosysteme.

   
 

Vegetationsgeschichte und Fauna, Externer Link"Die Grosstierfauna Europas und ihr Einfluss auf Vegetation und Landschaft", von Axel Beutler. [last date of access: 29.08.06]

  • Ein langer Artikel (ohne Abbildungen und Tabellen für das Internet) aus der Schriftenreihe Natur- und Kulturlandschaft Heft 1, S. 51-106, Höxter 1996. "Aber Vorsicht, auch diese gestutzte Version ist, die nötige Aufgeschlossenheit vorausgesetzt, in der Lage, Weltbilder nachhaltig zu stören bzw. zurechtzurücken." (Axel Beutler).

  • Zitat: "Vieles deutet darauf hin, dass bereits das Verschwinden zahlreicher mitteleuropäischer Grosssäugerarten im Spätwürm und im frühen Holozän anthropogen war. Jedenfalls setzten die Aussterbevorgänge bereits vor etwa 30.000 Jahren ein, lange vor den gravierenden klimatischen Veränderungen. Weltweit fällt auf, dass enge Beziehungen zwischen Aussterbevorgängen bei der Megafauna und dem Vordringen des modernen Menschen zu bestehen scheinen (Etwa bei den weltweit zu beobachtenden Aussterbevorgängen von Rüsseltieren, (...)."

  • Zitat: "Der geringe Unterschied zwischen der europäischen Kaltzeit- und Warmzeitfauna überrascht vor allem deshalb, weil es im Eem etwa ein bis zwei Grad wärmer, in der Würm etwa fünf bis zehn Grad kälter war als heute (...). Ausserdem war das Klima im Eem wahrscheinlich etwas milder, im Würm hingegen wesentlich trockener und kontinentaler als heute (...). Wie wir im weiteren sehen werden, haben bzw. hatten jedoch die meisten europäischen Grosstiere eine sehr breite ökologische Amplitude. Damit verschoben sich zwar Verbreitungsgrenzen, es änderte sich aber kaum etwas am europäischen Arteninventar."

  • Zitat: "»Natürlich« beherbergte Europa eine ausserordentlich vielfältige Grosstierfauna, mit Elefanten, Nashörnern, Flusspferden, Wildschweinen, Pferden, Eseln, Kamelen, Grosshirsch, Wildrindern, Moschusochse, Wildziegen, Wildschaf, Gemsen und Antilopen, Säbelzahntiger, Löwe, Leopard, Hyänen, Bären, Wölfen und Dhole. Viele dieser Arten waren unter ähnlichem Klima wie heute auch in Mitteleuropa vertreten (...)."

  • Zitat: "Bereits im jüngeren Mittelpleistozän (Holstein-Interglazial, vor etwa. 260.000 Jahren v. Chr.) Thüringens machten Grosstiere den weitaus grössten Teil der Beute eiszeitlicher Jäger (H. erectus bilzingslebensis) aus: 2/5 entfielen auf Elefanten, Mammute, Nashörner und Rinder, 1/5 auf Hirsche, 1/5 auf Bären und Biber, und in das letzte Fünftel teilen sich die verschiedensten Tiere, vom Höhlenlöwen bis zum Fisch (...). Zu den Beutetieren der Bilzingslebener zählten im einzelnen Steppenmammut (Mammuthus trogontherii), Europäischer Elefant (Elephas namadicus), Steppen- und Waldnashorn (Dicerorhinus hemitoechus und D. kirchbergensis), Waldwisent (Bison schoetensacki), Wildpferd (Equus spec.), Wildschwein (Sus scrofa), Rot- und Damhirsch (Cervus eiaphus und Dama dama), Biber (Castor fiber), Riesenbiber (Trogontherium) und Bär (Ursus arctos), aber auch Löwe (Panthera speiaea) und Wolf (Canis lupus). Sehr wahrscheinlich jagten diese Menschen bereits mit Hilfe des Feuers (...), und brieten bereits ihre Nahrung. Nach neueren Datierungen lebten diese Menschen in der Holstein-Warmzeit (Mindel-Riss-Interglazial), vor etwa 260.000, vielleicht auch 280.000 Jahren (...)."
 
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Landschaften mit hoher Artendiversität trockener und warmer Klimate
   
 

"The world's greatest diversity (over 40 different species) of ungulates (hoofed mammals) is found on the savannas of Africa. The antelopes are especially diverse and including eland (Taurotragus oryx pattersoni), impalas, gazelles oryx, gerenuk, and kudu. African buffalo (Syncerus caffer = Wasser- odern Kaffernbüffel, vgl. Abb. rechts), wildebeest, hartebeest (Alcelaphus buselaphus), plains zebra (z.B. Equus grevyi), rhinos, giraffes (z.B. Giraffa camelopardalis reticulata), elephants, and warthogs are among other herbivores of the African savanna. Up to sixteen grazing and browsing species may coexist in the same area. They divide the resources spatially and temporally; each having its own food preferences, grazing/browsing height, time of day or year to use a given area, and different dry season refugia.

   
 

The species-rich herbivore trophic level supports a diverse set of carnivores, including cats (lions, leopards, cheetahs, servals), dogs (jackals, wild dogs), and hyenas.

Most herbivorous mammals of the open savannas are herd animals, often organized into groups of females and their young with a single dominant male and groups of bachelor males.

   
 

In South America a distinct savanna fauna is not well-developed. The capybara, the large semi-aquatic rodent, is associated with the llanos, but is found elsewhere and in other vegetation types as well. Indeed, few if any neotropical mammals are restricted to the savannas. The highest diversity of mammals is found in the dry or seasonal forests. Similarly, most bird species are not restricted to savanna-type habitats.

Termites are especially abundant in the tropical savannas of the world, and their tall termitarias are conspicuous elements of the savanna landscape. These detrivores are important in soil-formation; their termitaria provide shelter for other animals; and they are the beginning of the food chain for anteaters (endemics of the Neotropical zoogeographic province) and aardvarks and pangolins (Ethiopian endemics)."

   

"Grazing subclimax:

Large mammals such as the elephant open woodlands by debarking the trees and by knocking them over. This opens the woodland to grass invasion and attracts a variety of grazing animals, including zebras, wildebeest, and the diverse antelopes of the Ethiopian province. Grazers will both eat and trample tree seedlings, inhibiting the regrowth of the woodland. Only well-armed species of shrubs and trees can establish themselves in the clearings, leading to thickets of thorny acacias. Protected in the thicket, some acacias and other thorny trees will grow to mature specimens.

Overgrazing:

if a grass savanna is overgrazed, patches of bare ground will be created. The grassland will not longer carry a ground fire and invasion by trees becomes possible. The bare ground will suffer from increased evaporation and a dry microhabitat quickly develops. Well-armed, drought-resistant species like the acacias tolerate both grazing and drought, so again an acacia savanna can become established."

Source Text oben: Externer Link http://www.radford.edu/~swoodwar/CLASSES/GEOG235/biomes/savanna/savanna.html  
[date of access: 03.10.04]

   
 

"The Externer Link North American bison  [date of access: 03.10.04] is herbivorous, feeding mainly on grass. They make seasonal migrations of hundreds of miles to find the best feeding areas, which vary with the season. At Marineland, their main diet consists of hay, grain (corn, oats, and barley), and water. They are also supplied with a salt block and minerals."

Source Text oben: Externer Linkhttp://www.marinelandcanada.com/educational/wildlife/buffalobison/
 [date of access: 03.10.04]

Schätzungen gehen davon aus, dass vor der Ausbreitung der Europäer auf dem nordamerikanischen Kontinent, etwa 60.000.000 Bisons die Prärien bevölkerten. Als Folge des massenhaften Abschusses bzw. der Ausbeutung dieser wertvollen Ressource durch übermässige und masslose Jagd der Tiere durch die weissen Siedler war die Zahl der Bisons 1889 auf zwischen 500 bis 800 Tiere gefallen und die Art zeitweise sogar von der Ausrottung bedroht. (vgl. auc Externer Linkh Bison History)  [date of access: 10.07.04]


Abb.
rechts oben mit amerikanischem Bison (=Externer Link Bison bison auch Externer LinkBos bison), fälschlich oft Buffalo genannt (im Unterschied übrigens zu europäischem Bison bzw. Wisent = Externer LinkBison bonasus auch Externer LinkBos bonasus): Copyright © 2000-2003 by Externer LinkD. J. Gabbard
 [date of access: 03.10.04]

   
  In den Steppen der Mongolei leben Steinböcke und Gazellen, Saiga-Antilopen (Saiga tatarica)
   
   
   
  Vgl. auch Externer Link Säugetiere Afrikas von Peter v. Sengbusch, Uni-Hamburg, Biologie [date of access: 03.10.04]
 
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