Vegetationsökologie Tropischer & Subtropischer Klimate (LV 1998-2016)
 
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Trockene Mittelbreiten - die Pampa Argentiniens ...
Die Pampa S-Amerikas  
Weide- und Getreidewirtschaft der Trockenen Mittelbreiten
Grossbetriebliche Getreidewirtschaft
Extensive Weidewirtschaft
Typische Merkmale des Ranching
 
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Die Pampa S-Amerikas
   
 

Die Ausprägung der gemässigten Klimazone in der südlichen Hemisphäre des Zonobioms VII nach Walter (1968) bzw. Trockenen Mittelbreiten nach Schultz (2000) ist nur in S-Amerika (Argentinien) von Bedeutung. Auch diese liegen in der aussertropischen Westwindzone. Verglichen mit den euroasiatischen Steppenlandschaften und den Prärien N-Amerikas treten sie jedoch flächenmässig weit zurück.

Schultz (2000, S. 356) gibt ausserdem zu bedenken, dass wenigstens die heutige (nord-)östliche Pampa (von Walter als "Baumlose Gras-Pampa" sowie "Trockene Prosopis caldenia - Gehölzzone" bezeichnet) klimatisch zu den Immerfeuchten Subtropen gehört und wohl erst durch anthropogenen Einfluss ihre Waldvegetation verloren hat. Sich auf Henning (1988) berufend, betont Schultz: "Es ist ungeklärt, ob dieses Gebiet, das heute überwiegend landwirtschaftlich genutzt wird, ursprünglich Waldland oder Grassteppe war."

Lediglich die, in der Abb. links (von Walter, 1968) als Larrea - Strauchwüste ausgewiesene Fläche, wird von Schultz (2002, S. 162), als "Wüste und Halbwüste" und die "Patagonische Zwergstrauch-Halbwüste" als zu den "Grassteppen" gehörend beschrieben.

Die heutige (baumlose) Gras-Pampa Argentiniens kann wenigstens potentiell zu den Langgrassteppen gezählt werden. Walter & Breckle (1991, S. 394) erwähnen die Reise von Charles Darwin 1833, bei welcher er auch die Pampa bei Buenos Aires kennen lernte. Darwin erwähnte damals, dass in der Umgebung von Buenos Aires, wegen der starken Beweidung, die hohen Pampasgräser bereits verschwunden waren.

"Die heutige Pampa wird von Grossgrundbesitzern (Estancieros) vorwiegend als Weideland, aber auch zunehmend als Ackerland genutzt. [...] Die ursprüngliche Grasvegetation aus sehr harten Gräsern war für die europäischen Viehsorten kein geeignetes Futter. Deshalb hat man mit der Zeit die gesamte Pampa fast restlos umgepflügt und zunächst als Ackerland genutzt ..." (Walter & Breckle, ibid)

   

Abb. oben: Vegetationskarte von Argentinien Es wurden nicht alle Formationen genannt bzw. farblich hervorgehoben.

(Nach Cabrera, aus Walter 1968 bzw. Walter & Breckle 1991, S. 394, stark verändert)

Rechts unten auf der Abb. oben sehen Sie das bis zu drei Meter hoch werdende Pampasgras. Das Gras wird von USDA-NRCS als hoch invasiv charakterisiert.
[date of access: 13.12.05]

Cortaderia selloana (Pampasgras) externe Abb. [date of access: 13.10.04]

Heinrich Walter, der das Gebiet besucht hat, schreibt: "Insgesamt muss man also festhalten, dass die Rekonstruktion der ursprünglichen natürlichen Pampavegetation nicht leicht ist.

Über 80% des Ackerlandes und die Weideflächen mit 60% des Viehbestandes von ganz Argentinien entfallen auf das Pampagebiet. Es ist heute der landwirtschaftlich wichtigste Teil dieses Landes, in dem 2/3 der Bevölkerung wohnen. Von der ursprünglichen Vegetation sind nur kleinste Reste geblieben."
(Walter & Breckle, 1991, S. 397)
 
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Weide- und Getreidewirtschaft der Trockenen Mittelbreiten
(Aus: Schultz 2002, S. 176-178, hier tw wörtlich übernommen)
   
Grossbetriebliche Getreidewirtschaft:
   
 

Wichtigste Marktfrucht ist der Weizen. Der Anbau erfolgt durch Grossbetriebe auf sehr grossen Schlägen (Grossflächenbewirtschaftung), unter Einsatz von Maschinen-Grösstaggregaten mit minimalem Arbeitseinsatz (kapitalintensive, arbeitsextensive Bewirtschaftung). Mit dieser Organisationsform einer hochgradig kommerzialisierten und mechanisierten grossflächigen Produktion konnten die Erzeugungskosten des Weizens so weit gesenkt werden, dass sich der Getreideanbau im Wettbewerb mit der früher in den Steppen und Prärien viel häufigeren extensiven Weidewirtschaft weithin durchsetzen konnte.

Der heutzutage in den Steppengebieten (teilweise auch der Subtropen) erzeugte Weizen leistet einen beträchtlichen Beitrag zur Ernährung der Menschheit (auch weit abgelegener Erdteile). [vgl. Sie dazu jedoch auch die Folgen dieser Anbaumethoden und ihre Begleiterscheinungen! - Anm. Autor der Website]

Möglich wurde dies durch einige natürliche Vorteile, nämlich die hohe Bodenfruchtbarkeit, die hohe Sonneneinstrahlung und das weithin flache Gelände, das den Grossmaschineneinsatz und damit die grossbetriebliche Bewirtschaftung begünstigt.

In den Grenzgebieten des Regenfeldbaus muss allerdings, sofern nicht auf trockenresistente Nutzpflanzen wie

Panicum milliaceum (Hirse) | externe Abb.: [date of access: 13.10.04]
Arachis hypogaea (Erdnuss) | externe Abb.: [date of access: 13.10.04]
Cicer arietum (Kichererbsen) | externe Abb.: [date of access: 13.10.04] oder
Sesamum indicum (Sesam) | externe Abb.: [date of access: 13.10.04]

ausgewichen wird, das Dry-Farming-System (Trockenfarmsystem) angewendet oder künstlich bewässert werden. Beim Dry-Farming schalten die Betriebe für einzelne Jahre Schwarzbrachen (Bracheflächen ohne Pflanzenbewuchs) ein, was die Verdunstung reduziert und somit Wasserreserven im Boden entstehen lässt. Hiervon profitieren die Kulturen des nachfolgenden Jahres.

Je nach Niederschlagsdefiziten sind solche Brachen für jedes zweite, dritte oder vierte Jahr nötig. Entsprechend verändern sich die Flächenanteile der Brachen an den Anbauflächen von 50% über 33% auf 25%. (....).

Anstelle von Schwarzbrachen können bedeckte Brachen, beispielsweise Viehweiden aus flach wurzelndem Klee, angelegt werden. Nach mehreren Jahren erhöht sich auch unter ihnen der Wasservorrat im Boden.

 
   
   
Extensive stationäre Weidewirtschaft und Wildbewirtschaftung:
   
 

Abb. rechts: Gras-Pampa Argentiniens

Extensive Weidewirtschaften werden in den Trockengebieten der Erde in Form einer (halb-)nomadischen Viehhaltung oder eines stationären Ranching betrieben. Die Erstere ist die Nutzungsform Altweltlicher Trockengebiete von den Wüsten bis zu den Steppen bzw. Savannen.

Ihre Hauptverbreitung liegt heute in den Tropisch/subtropischen Trockengebieten (...). Das Ranching ist hingegen die moderne, vollständig kommerziell ausgerichtete Form einer extensiven Weidewirtschaft, die von europäischen Siedlern in Amerika und Australien entwickelt und von dort in einige Gebiete der Alten Welt (z.B. südliches Afrika) übertragen wurde.

Die Verbreitungsschwerpunkte liegen in den Kurzgrassteppen der mittleren Breiten und der Subtropen (...).

Das Ranching steht, wie der Nomadismus, in Konkurrenz mit dem Ackerbau und ist dabei, ähnlich wie jener, meist unterlegen gewesen. Demzufolge ist es nach und nach in immer trockenere Räume abgedrängt worden: Der Ackerbau wird im Allgemeinen wettbewerbsfähiger, sobald die jährlichen Niederschläge eine Produktion an Grünmasse pro Flächeneinheit und Jahr ( = Weideertrag, pasture yield) ermöglichen, die eine mittlere Besatzdichte (Viehbesatz, mean stocking density) von bis 40 GVE (Grossvieheinheiten) pro 100 ha Weidefläche zulassen würde.

 
   
   
Typische Merkmale des Ranching:
   
 
  • Extrem grosse Betriebsflächen von 500 bis 100.000 ha. Die Einheiten sind umso grösser, je weniger die Flächen hergeben. Die grössten Betriebe liegen dementsprechend in den trockensten Gebieten.
  • Meist Rinderhaltung. In den trockensten Gebieten auch Schafhaltung (z.B. Karakul-Schafe in Namibia); gelegentlich in Verbindung mit Wildbewirtschaftung (z.B. Bisons in Nordamerika ..).
  • Häufigstes Verkaufsprodukt sind Schlachttiere (in der Regel von einer einzigen Tierart oder -rasse).
  • Dem Vieh stehen ausschliesslich oder überwiegend Naturweiden zur Verfügung. Ergänzend mögen besser geeignete Futtergräser ausgesät werden.
  • Die Beweidung erfolgt kontrolliert auf grossen eingezäunten Koppeln. Die scheinbar endlosen, schnurgerade gezogenen Stacheldrahtzäune sind oftmals das einzige oder zumindest das auffälligste Zeichen dafür, dass in den durchweg weitläufigen, relativ naturbelassenen Gebieten überhaupt eine Nutzung in Form des Ranching erfolgt.
    [in diesem Zusammenhang soll auf die
    "Politische Geschichte des Stacheldraht - Prärie, Schützengraben, Lager" von Olivier Razac (2003) z.B. für die Prärie-Indianer, oder die Aborigines in Australien aufmerksam gemacht werden]
  • Hohes Risiko durch dürrebedingten Futtermangel.
  • Viehbesatz, Arbeits- und Kapitaleinsatz sowie Betriebsertrag sind, bezogen auf die Fläche, extrem niedrig (nur beim Nomadismus ist die Flächenproduktivität noch geringer). Sehr hoch ist demgegenüber die Arbeitsproduktivität.
  • Hoher Kapitaleinsatz (Investitionsaufwand) für die Einrichtung einer Ranch."
  • Folgende Aspekte sind zu berücksichtigen:

    • Die Tragfähigkeit einer (carrying capacity) einer Weide erreicht ihre Obergrenze, wenn natürliche Ressourcen geschädigt werden. Die optimale Besatzdichte ergibt sich aus der möglichen nachhaltigen oberirdischen Primärproduktion, der Belastkeit des Bodens für Erosion und Verdichtung.

    • Beweidungsdruck kann zu einer Selektion (selektive defoliation) der Arten führen, was eine Änderung der Steppenflora zur Folge haben kann
      (vgl. Abb. rechts!).

      Arten, welche von dem Vieh gemieden werden, können sich besser ausbreiten. "Entsprechend kann sich der Futterwert der Pflanzenproduktion und damit die Weideleistung erheblich verringern."

    • Bodenverdichtung kann bei zu vielen Tieren pro ha zu starkem oberflächlichem Abfluss (overland flow), zu geringer Infiltration (ground water recharge) und Erosionen (z.B. gully erosion) führen. Diese Effekte verstärken sich, wenn Bodenversiegelung (crusting) durch Splash-Effekte von Regentropfen dazu kommt.

    • Wildtierbewirtschaftungen (Bisons in N-Amerika, Guanokos in Patagonien) lassen oft die o.g. Probleme weniger stark auftreten. Wenn auch die kurz- bis mittelfristigen ökonomischen Nachteile vorhanden sein dürften, so sollten doch die langfristigen ökologischen Vorteile überwiegen.

      (
      Text - tw leicht gekürzt und verändert - aus J. Schultz 2002: "Die Ökozonen der Erde.- 3.Aufl., Ulmer UTB 1514, S. 176-179, Abb. aus H. Walter 1968: Vegetation der Erde in ökophysiologischer Betrachtung.- VEB Gustav Fischer Verlag, Jena, S. 620)
 
bei Jahresniederschlägen von beträgt die Anzahl der Rinder pro 100ha
< 250 mm 3 bis 5
250 bis 500 mm 5 bis 16
500 bis 750 mm 16 bis 50
   
  Tab. oben: Rinder - Besatzdichten in den westlichen USA, in Abhängigkeit von Jahresniederschlägen.
  (aus Schultz 2002, Tab. 11.1, S. 179)
   
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© Harald Kehl - TU-Berlin - Institut für Ökologie



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