Vegetationsökologie Tropischer & Subtropischer Klimate / LV-TWK (B.8)
 
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Vegetationsdynamik - Degradation & Regeneration ...

Degradation des Tropischen Regenwaldes
Regeneration des Tropischen Regenwaldes
  Ausgangsbedingungen bestimmen Regenerationsfähigkeit
Literatur und Hyperlinks zum Thema
   
   
  "Clearings in the Amazon increase the flammability of the forest.
Sunlight penetrates into the understory, warming and drying the forest floor, which is normally protected by the dense canopy.
Selective logging, permitted on some protected forest land, also produces breaks in the canopy and increases fire risk."
(Photograph Copyright Lucia Enriconi, Miami Museum of Science)
Source: Earth Observatory - NASA
 
 
Degradation des Tropischen Regenwaldes
   
 
 
   

Wie aus Anmerkungen in bisherigen Kapiteln hervorgeht, unterliegt der Immergrüne Tropische Regenwald einem zunehmenden Bewirtschaftungsdruck.

Durch

Abholzung und
Brandrodung
sowie
Fragmentierung als Folge
landwirtschaftlicher Nutzung findet eine
schnelle Reduzierung dieser tropischen Waldformationen statt.

 
Weltweit sind über die Hälfte aller Tropischen Regenwälder bereits degradiert.
 
In W-Afrika ist der "Ausverkauf" der küstennahen Regenwälder nahezu abgeschlossen. Die Waldflächen der Elfenbeinküste und Nigerias sind auf etwa 10% ihrer ursprünglichen Fläche geschrumpft.
 

"Jahr für Jahr geht tropischer Regenwald von der dreifachen Fläche Bayerns [d.h. 3x > 70.000 km²] verloren [*1]. Besonders rasant ist die Waldvernichtung in Süd- und Mittelamerika, Westafrika und grossen Teilen Süd- und Südostasiens vorangeschritten. Relativ unberührt sind demgegenüber noch die riesigen Regenwälder Zentralafrikas, wenngleich auch dort in den zugänglichen Randzonen der Holz-Raubbau bereits seine Spuren hinterlässt." (Peter Körner im Spektrum der Wissenschaft, 1995, S. 124, in einer Rezension des Sammelbandes "Der zentralafrikanische Regenwald. Ökologie, Geschichte, Gesellschaft, Wirtschaft" (1993) von Michael Bollig und Doris Bünnagel, Hrsg.).

*1: Flächenangaben zum noch vorhandenen und jährlichen Verlust des Tropischen Regenwaldes variieren in der Literatur erheblich. Der von Myers (1993, zit. von Schultz 2000, S. 493) genannte jährliche Verlust von 150.000 km² (= 2% der noch exitierenden Regenwälder) ist die am häufigsten genannte Zahl. Angaben zum noch vorhandenen Tropischen Regenwald liegen zwischen 7.5 Millionen km² und 6.5 Millionen km². Basierend auf Angaben des Global Forest Resources Assessment 2000 der FAO [date of access: 16.09.05] beträgt die potentielle globale Gesamtfläche der Tropischen Regenwälder 14.68 Millionen km², wovon jedoch bereits über 50% mittlerweile zerstört sind (siehe oben!).

 
Die Ursachen des zunehmenden Bewirtschaftungsdruckes mit der Folge der Degradierung der Tropischen Regenwälder sind vielfältig. Eine wesentliche Rolle spielen Armut und u.a. wirtschaftliche Entwicklungen vieler tropischer Länder. Hohe Auslandsverschuldungen und vorgeschlagene bzw. aufgebürdete Strukturanpassungsmassnahmen von Weltbank und IWF zur Erwirtschaftung von Devisen haben z.B. oft dazu geführt, die ureigenen natürlichen Ressourcen der Tropischen Regenwälder zu plündern. Hinzu kommen Profitsucht internationaler Konzerne und der rasant steigende Konsum von Holzprodukten, neuerdings besonders SO-Asiens.
 
Der Politologe Peter Körner im SdW 1995 (siehe oben!): "An der raubbauartigen holzwirtschaftlichen 'Inwertsetzung' des Tropenwaldes sind seit der Kolonialzeit bis heute deutsche Unternehmen wesentlich beteiligt, darunter die Karl Danzer Furnierwerke in Zaire."
 
Auf bereits realisierte und mögliche nachhaltige Bewirtschaftschaftungsformen des Tropischen Regenwaldes wurde bereits eingegangen.
 
Vgl. Sie dazu die Anmerkungen zur Vereinbarkeit von Ökologie und Ökonomie
 
   
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Regeneration des Tropischen Regenwaldes
   
  Beispiel für die Regeneration eines im 18. und 19. Jahrhundert zerstörten Regenwaldes in Australien (Pumby Brush am Webbers Creek, Australien, NSW - Tocal Homestead Complex, 2 Std. nördlich von Sydney). Angenommene Vegetationsentwicklung nach Unterschutzstellung in den 90er Jahren.
   
 
   
  Source: Pumby Brush rainforest, CB Alexander Agricultural College, Tocal (Australia, NSW) (Abb. verändert)
[date of access: 29.10.05]
 
 

 

Ausgangsbedingungen bestimmen die Regenerationsfähigkeit und -dauer:
   
 

Generell ist zu unterscheiden zwischen

  • A) grossflächig entwaldeten Landschaften der Immerfeuchten Tropen, in denen die Böden bereits stark verarmt, ausgetrocknet, verschlämmt und häufig degradiert sind und
  • B) mosaikartigen Öffnungen des Immerfeuchten Tropischen Regenwaldes, in deren unmittelbarer Nachbarschaft das Artenspektrum des primären Regenwaldes noch vorhanden ist sowie
  • C) Landschaften mit mosaikartig vorhandenen Regenwaldresten, z.B. in unzugänglichen Tälern, häufig in Landschaften mit hoher Reliefenergie.

A: Die Wiederbewaldung durch natürliche Sukzession in grossflächig entwaldeten Landschaften über eine lange Kette von Sukzessionsstadien mit Sekundärwäldern hin zu einem mehrstöckigen Tropischen Regenwald kann vermutlich mehrere Jahrhunderte in Anspruch nehmen. Dies wird auch vor dem Hintergrund verständlich, dass natürliche Feuer in diesen Vegetationen ebenso häufig auftreten wie in den Savannen der Sommerfeuchten Tropen. Vor dem Hintergrund einer vieltausedjährigen Vegetationsgeschichte ist davon auszugehen, dass selbst als irreversibel geschädigte Flächen nach geraumer Zeit wieder jene Biodiversität aufweisen werden, die heute für Immergrüne Tropische Regenwälder so charakteristisch ist.

Abb. rechts: Grossflächig entwaldete Landschaften mit extremen Erosionen und mosaikartigen Resten des Tropischen Regenwaldes in Madagaskar.

Wegen der übermässig ansteigenden Bevölkerung und der notwendigen Nahrungsmittelproduktion sind jedoch Landschaften, die grossflächig jeder Nutzung entzogen werden undenkbar. Daher sind auch hier kleinflächige, gartenbauartige landwirtschaftliche Nutzungen mit extensiver Bewirtschaftung einzuführen. Dazu können z.B. lokale Aufforstungsmassnahmen, die stark geregelte Weidewirtschaft und der Feldbau mit bodenerhaltenden Massnahmen Anwendung finden. Auch können agroforstliche, silvo-pastorale oder agro-silvo-pastorale Nutzungssysteme implementiert werden. Dazu sind standortgerechte Arten einzusetzen.

Jegliche grossflächige agro-industrielle Nutzung wird den besonderen thermo-hygrischen Bedingungen dieser Klimazone mit ihren hoch fragilen Böden nicht gerecht (Weischet. & Caviedes 1993).

B: Auch wenn mosaikartige Öffnungen des Tropischen Regenwaldes bereits zu einer Erhöhung der Waldbrandgefahr führen und auch zu einer erheblichen Störung von Nahrungsketten, so stellen sie doch im Hinblick auf die Nutzung die sinnvollste Möglichkeit für Agro-Forestry dar.

Wie bereits erwähnt, sind Immerfeuchte Tropische Regenwälder keinesfalls homogen, sondern mosaikartig von Bestandeslücken durchsetzt. Pionierphasen, Aufbau- und Reifephasen mit mosaikartigen Öffnungen gehören zur Dynamik in Primärwäldern (Gap-Phase-Dynamik). "Bis zur endgültigen Wiederherstellung des Waldes vergeht aber trotzdem sehr viel mehr Zeit als bei der Schliessung der Kronenlücke an der Umsturzstelle [grosser Bäume]" (Schultz 2000: 511).

C: Landschaften mit mosaikartig vorhandenen Regenwaldresten bieten die günstigsten Möglichkeiten für die Wiederausbreitung des Regenwaldes. Oft sind in den inselartig übrig gebliebenen Waldresten (wenn sie denn nicht zu klein sind) all jene Arten präsent, die auch zum Bestand der ursprünglichen Primärwälder gehören. Bezüglich Landwirtschaft gilt das Gleiche wie unter A) genannt.

Wiederaufforstungen mit dem Ziel der Entwicklung netzartiger Strukturen zur Verbindung der insel- und mosaikartig vorhandenen Waldreste sind hier zu realisieren, um den Artenaustausch über Struktur- und Funktionseinheiten zu ermöglichen.

 
  Mögliche Massnahmen zur Unterstützung der Regenwald-Regeneration:
   
 
  • Beendigung aller Pläne zur Zertifizierung von Tropenholz aus Primärwäldern
  • Kompletter Boykott von Holz aus Primärwäldern in Europa und Nordamerika
  • Unterstützung von Initiativen für fairen Handel lokaler Gemeinden mit anderen Waldprodukten
  • Wenn es sich nicht vermeiden lässt, in Sekundärwäldern erzeugtes Holz kaufen
  • Die verstärkte Kontrolle des illegalen Holzeinschlags und eine Verschärfung der Gesetze politisch einfordern
  • Anstatt in Holz in andere Waldprodukte investieren, die echte wirtschaftliche Alternativen für die traditionelle Bevölkerung darstellen
  • In Wiederaufforstungsmassnahmen von entwaldeten Gebiete investieren
    (aus: Rettet den Regenwald e.V., Hamburg, 2004)
 
 
 
Literatur zum Thema:
 
  • Vareschi, V. (1980) Vegetationsökologie der Tropen.- Ulmer, Stuttgart, 293 S..
  • Whitmore, T.C. (1990, 1993) An introduction to tropical rainforests of the Far East.- Clarendon Press, Oxford, 226.pp. (dt. Übersetzung: Tropische Regenwälder: Eine Einführung.- Spektrum Akad. Verlag, 275 S.)
  • Dann, G. & Th. Greenaway (1995) Regenwald - Eine Reise in den artenreichsten Lebensraum der Erde - die tropischen Wälder Mittel- und Südamerikas, Afrikas, Asiens und Australiens.- Gerstenberg-Verlag, Hildesheim. ISBN 3-8067-4460-2 64 S., 12,90 € (kurze populärwissenschaftliche Einführung zur Pflanzen- und Tierwelt)
 
Hyperlinks zum Thema:   [date of access: 29.10.05]
 
 
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© Harald Kehl - TU-Berlin - Institut für Ökologie



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