Vegetationsökologie Tropischer & Subtropischer Klimate / LV-TWK (B.8)
 
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TU-Berlin > Fakultät VI > Institut für Ökologie > Fachgebiet Ökosystemkunde - Pflanzenökologie
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Mangroven der Immerfeuchten Tropen bis Subtropen ...

Verbreitung von Mangroven weltweit     Abbildung
  Generelle Bedingungen
  Mangrovenzonierung (Salzgehalte am Standort)
  Querschnitte durch verschiedene Mangrovenzonen
  Mangrovenarten - eine Zusammenstellung
Mangrovenzerstörung und Bewirtschaftung
Übernutzung durch Shrimpsfarmen
Nachhaltige Bewirtschaftung
Hyperlinks und Literatur zum Thema

Tea-Mangrove = Pelliciera rhizophorae
Neotropis, Panama, Isla de Coiba
Copyright © ANDONI CANELA
Source: http://www.acmphoto.com

 
 
Verbreitung von Mangroven
 
Generelle Bedingungen:
 
 

Mit "Mangrove" wird eine Immergrüne Gehölzformation (Busch bis Wald) aus unterschiedlichen Pflanzenfamilien und -Gattungen im Gezeitenbereich der Tropen und teilweise Subtropen beschrieben, die alle einen ähnlichen Habitus und oft ähnliche Vermehrungsstrategien aufweisen. Charakteristisch sind die Wurzelbildungen (Stelzwurzeln, Luftwurzeln und Atemwurzeln) als Anpassung an die sauerstoffarmen Substrate ihrer Standorte. Mangrove-Arten zeichnen sich durch eine hohe Salzverträglichkeit aus und gehören zu den obligaten Halophyten . Hauptverbreitungsgebiete sind Uferzonen im Mündungsbereich von Flüssen. Bei allen Arten handelt es sich um mehrjährige Gehölze.

Mangrovenbestände lassen i.d.R. eine deutliche Zonierung vom flachen zum tieferen Küstenwasser und in Abhängigkeit von den Salzgehalten des meistens schlickigen Bodens erkennen.

Einige Arten können bis 40 m hoch werden. Normalerweise werden nur 10 bis 15 m erreicht. Bei den Mangrove - Wäldern handelt es sich um Gezeiten-Halo-Amphibiome. Die Mangrove kann - mit Einschränkungen (siehe unten!) - als azonale Vegetation bezeichnet werden.

Dazu schreiben Walter & Breckle (1984, S. 168): "Die Mangroven sind Wälder, die in der äquatorialen und tropischen Zone an den Meeresküsten im Gezeitenbereich wachsen, d.h. sie werden bei Hochwasser (Flut) überflutet, so dass nur die Kronen der Bäume aus dem Meerwasser herausragen, während bei Niedrigwasser (Ebbe) der Boden im Bereich der Mangroven und ein Streifen davor frei von Wasser sind. Dieser einzigartige Wechsel vollzieht sich zweimal am Tage. Man muss deshalb die Mangroven als ein Gezeiten-Halo-Amphibiom bezeichnen, das sich von den dauernd nassen Halo-Helobiomen, den Salzsümpfen, unterscheidet."

Vgl. die Abbildung "Querschnitte durch Mangrovenzonen ..."

Ökologisch muss unterschieden werden zwischen

Flussmündungsmangroven, die sowohl unter dem Einfluss des salzigen Meerwassers, als auch des süssen Flusswassers stehen [d.h. entlang sedimentreicher Ströme, in Ästuarien und Deltas],

Küstenmangroven, die an allen tropischen Küsten wachsen, die vor starkem Wellenschlag geschützt sind (brandungsgeschützt, also in Buchten [oder Lagunen] oder hinter vorgelagerten Korallenriffen [oder hinter Sandbänken und Landzungen]),


Riffmangroven, die sich auf den auftauchenden Korallenriffen ansiedeln (und eine sehr geringe Bedeutung haben).

"Die Mangrove ist an warmes Wasser gebunden [ist also nie im Bereich kalter Meeresströmungen anzutreffen] und verträgt keinen Frost. Die typische Mangrove gehört zu den obligaten Halophyten und wächst in Brackwasser, dessen "Konzentration etwa 35 ‰ beträgt, was einem potentiellen osmotischen Druck von 25 atm entspricht." (Walter 1973:, S. 88)

Vgl. Sie dazu die Tabelle "Potent. osmotischer Druck der Mangroven-Arten ...".

"Die optimale Entwicklung erreicht die Mangrove um den Äquator in Indonesien, Neu-Guinea und auf den Philippinen. Mit zunehmender Breite verarmt sie immer mehr, bis schliesslich nur eine Avicennia - Art übrig bleibt. Die äussersten Vorposten findet man bei 30 ° Nord und 33 ° S (E-Afrika), bei 37-38 ° S (Australien und Neuseeland) und bei 29 [28] ° S in Brasilien sowie 32 ° N auf den Bermuda - Inseln". (Walter 1973, S. 88) An der Pazifikküste S-Amerikas reicht die Mangrove "nur bis 4° südl. Breite – der kalte Humboldtstrom verhindert dort eine weitere Ausbreitung nach Süden." (Source: Naturräume Lateinamerikas - Von Feuerland bis in die Karibik, Universität Innsbruck) [date of access: 23.10.05]

Man unterscheidet die artenreichere östliche Mangrove an den Küsten des Indischen sowie den Westküsten des Pazifischen Ozeans und die artenärmere westliche Mangrove an den Küsten Amerikas und der Ostküste des Atlantischen Ozeans."

Vgl. Sie die Abbildung "Weltweite Verbreitung der Mangroven ..."

Zu den häufigsten Mangroven zählen:

  Avicennia germinans  (Schwarze Mangrove - hauptsächlich Neotropis)
  Avicennia marina  (Graue Mangrove - hauptsächlich Paläotropis)
  Laguncularia racemosa  (Weisse Mangrove - W-Afrika, N- und S-Amerika)
  Rhizophora mangle (Rote Mangrove - hauptsächlich W-Afrika, N- und S-Amerika)
  Rhizophora mucronata  (Asiatische Mangrove - O-Afrika, Indi. Ozean, W-Pazifik
  Sonneratia alba   (Apfel-Mangrove - hauptsächlich Paläotropis)

Mangrove mit einem begrenzten Areal:

  Pelliciera rhizophorae (Tea-Mangrove - Pazif. Küste - Costa Rica bis Kolumbien u. Galapagos Inseln)

Vgl. Sie die Aufzählung "Liste mit Mangrovenarten und jeweils kurze Beschreibung dazu ..."

Wenn auch weitgehend Einigkeit darüber herrscht, dass die Mangrovenarten der Alten Welt extrem überwiegen, so ist doch deren Zahl sehr umstritten. Walter & Breckle 1984: 171 nennen 26 östliche und 10 westliche Arten. Von Chapman (1975: 17) werden z.B. für die Alte Welt 60 Arten angegeben ("The Salinity Problem in General ...", in: Poljakoff-Mayber, A. & J. Cale, eds., "Plants in Saline Environments". - Ecological Studies 15, p. 17).

Die UNESCO (1986) bestätigte sogar 65 Arten als "true mangroves all over the world" und der Botanische Garten der University of California, Los Angeles (UCLA) nennt 110 Arten.

Die Unsicherheiten rühren daher, dass oft nicht klar entschieden werden kann, ob vor allem landseitig (d.h. am unmittelbaren Rand der Gezeiten-Halobiome) siedelnde und salztolerante Arten nicht mehr oder schon zu den Mangroven zu rechnen sind.

  • Das artenreichste Gebiet der östlichen Mangrove (alle Angaben nach Walter & Breckle 1984: 171) liegt im Raum Burma - Neu Guinea mit 24 - 26 Arten, es folgen nach Westen
    • Indien mit 23 Arten,
    • Ceylon mit 18,
    • Madagaskar und Ostafrika mit 8 und im Osten die
    • Philippinen und Vietnam mit 22,
    • Australien mit 20,
    • Taiwan mit 11,
    • Korea mit 6 und das südlichste
    • Japan mit 1 Art (Kandelia - siehe unten!).

      Wichtige Gattungen sind Sonneratia, Rhizophora, Ceriops, Avicennia und Bruguiera. Wenige Arten dieser Gattungen kommen auch in der westlichen Mangrove vor.
      Schmidt (1969: 417) beschreibt diese Gattungen als häufig "tropisch kosmopolitisch", da sie durch Meeresströmungen von Kontinent zu Kontinent verbreitet werden.

  • An den Ufern von S-Amerika und der Karibik sowie an der atlantischen Küste Afrikas findet man die sehr artenarme westliche Mangrove mit Rhizophora mangle (seltener Rh. racemosa, Rh. harrisonii), Avicennia germinans = A. nitida (seltener A. schauerinana), Languncularia und Pelliciera rhizophorae (nur E-Pazifik), während Conocarpus erecta schon zu den Brackwasserarten gehört.

    Vgl. die Abbildung "Weltweite Verbreitung der Mangroven ..."

"Entlang der grossen Flussläufe (z.B. Amazonas) dringen Mangroven nur soweit ins Landesinnere vor, wie der Unterstrom an salzigem oder brackigem Wasser reicht [...]. Die Mangrove besiedelt bereits festes Land, beschleunigt allerdings den Prozess des Landzuwachses beträchtlich. Diese Eigenschaft kann dazu führen, dass sich ein neuer Küstenstreifen bildet und parallele Mangrovengürtel sich kilometerweit ins Land hinein erstrecken. Gezeitenmässig schwankt der Wasserspiegel stark. Bei Flut ragen nur die Baumkronen aus dem Wasser, bei Niedrigwasser ist der Boden frei zugänglich.

Mangrovenküsten sind also tropische Marschenküsten und entsprechen dem Küstentyp der vorrückenden, aufgebauten Küste. Als Pioniervegetation verankern sich ihre stelzartigen, undurchdringlichen Wurzelsysteme im weichen Schlick. Bei auf- und ablaufenden Gezeiten verfängt sich der Schlick in den Wurzelsystemen. Bei Ebbe bezeichnet eine horizontale Linie aus grünem Blattwerk den Wasserhöchststand."
(Source: Naturräume Lateinamerikas - Von Feuerland bis in die Karibik, Universität Innsbruck) [date of access: 23.10.05]

Wie häufig bei Übergängen von Lebensräumen (hier Land - Wasser) sind die Ökosysteme artenreich, in dem Fall auch noch recht produktiv (Schmidt 1995). Die Mangroven sind bedeutsam für den Küstenschutz, als "Kinderstube" des Meeres und auch als Holzquelle.

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  Abbildungen. oben (kombiniert):
Weltweite Verbreitung der Mangroven (oben) und Anzahl der Mangrove-Arten (unten). –

Die „westlichen“ Mangroven sind wesentlich artenärmer als die „östlichen“ (typischer Bereich markiert) - Meeresströmungen und Grenze Wassertemp. > 15 °C vereinfacht dargestellt!

(untere Abb. nach Tomlinson 1986: Fig. 3.1, stark ergänzt und erweitert, aus:
C. Puff – Flora der Paläotropen: Schwerpunkt SEA. --- Mangroven )
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Mangrovenzonierung in Abhängigkeit von den Salzgehalten der Standorte:
 
 

Die einzelnen Mangrovenarten unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Salztoleranz und dadurch der Verteilung im Gezeiten-Halo-Amphibiom. (siehe Abbildung unten!) Zusätzlich muss unterschieden werden zwischen Mangroven unter humiden und ariden Bedingungen.

Dazu Walter & Breckle (1984: 168): "Beim Pedobiom der Küstenmangroven wird deutlich, dass die Bodenverhältnisse für sie zwar eine Hauptrolle spielen, aber das Klima doch einen gewissen Einfluss ausübt. Die Zonation der Magroven-Gemeinschaften ist nämlich im per-humiden Klima von ZB I eine ganz andere als bei ZB II mit einer oder zwei Dürrezeiten, eine Tatsache, die bisher kaum berücksichtigt wurde.

  • Wenn es bei Niedrigwasser regnet, so wird das Salz aus den Mangrovenböden ausgewaschen und zwar umso mehr, je länger der Boden nicht vom Meerwasser bedeckt ist. Deshalb wird im perhumiden Gebiet von ZB I die Salzkonzenration in den Mangrovenböden vom Aussenrand landeinwärts immer geringer werden, d.h. die Mangrove wird über die Brackwasser-Mangrove allmählich in die Süsswassersümpfe über der Hochwassergrenze übergehen.

  • Anders liegen die Verhältnisse im Bereich des ZB II: Hier wird während der Dürrezeit bei Niedrigwasser der Boden durch Evaporation und die Transpiration der Pflanzen Wasser verlieren. Die Salzkonzentration muss daher in der Bodenlösung landeinwärts immer mehr ansteigen. Ein Ausgleich wird selbst während der Regenzeit nicht stattfinden, weil die Diffusion der Salze aus dem Schweren tonigen Boden erschwert ist und das Regenwasser oberflächlich abfliesst [...].

    • Ganz extreme Verhältnisse herrschen am Innerrand der Mangrove (des ZB II): Hier wird der Boden nur zweimal im Jahr von den Äquinoctialtiden mit Meerwasser bedeckt und von diesem durchtränkt. In der Dürrezeit trocknet der sandige Boden aus und das Bodenwasser ist dann eine konzentrierte Salzlösung."
 
 




Abb. rechts:

Potent. osmotischer Druck der Mangroven-Arten (tiefster und höchster Wert) und der Bodenlösungen in verschiedener Tiefe (in Zentimetern)







(aus Schmidt 1969, S. 418)

 
 
  Zusammensetzung und Anordnung von Mangroven an der Küste bzw. den Ästuarien Goas (Indien) in Abhängigkeit vom Salinitäts-Gradienten:
 
 

Zusammensetzung und Anordnung von Mangrovenarten in Ästuarien variieren mit dem Salinitäts-Gradienten, der sich von der Flussmündung stromauf verändert. Der Salzgehalt nimmt mit der Entfernung von der Flussmündung ab. Er variiert ausserdem täglich in Abhängigkeit von hohem und niedrigem Tidenhub. Breiten- und Höhenschichten sind stark ausgeprägt und bilden ein kompaktes Blätterdach oberhalb der normalen Flut mit einem farblich abgestuften Blätterdach von schwach gelblich-grün bis dunkelgrün und schwarz-grün, von hoher zu niedriger Tidengrenze.

Aus der Entfernung zeigen die zu Farbflecken [oder Zonen] zusammengefassten und unterschiedlichen Farben das Auftreten unterschiedlicher Arten. Die Grösse der Einheiten spielt eine grosse Rolle für die Verbreitung und Etablierung der Arten in unterschiedlichen Uferzonen, welche von den Tiden geformt werden und zu unterschiedlichen Tiefen der Schlickanlagerungen führen.

 
 
No. Arten in Ästuarien: Salzgehalt-Gradient: bevorzugte Standorte:
1 Rhizophora mucronata 6% - 37% Schlick, sandiger Boden
2 Rhizophora apiculata 6% - 37% Schlick, sandiger Boden
3 Bruguiera gymnorrhiza 6% - 33% Schlick & Sand
4 Bruguiera cylindrica 11% - 35% Schlick & eher sandig
5 Ceriops tagal 10% - 37% schlickiger Boden
6 Kandelia candel 6% - 26% schlickiger Boden
7 Avicennia officinalis 6% - 30% Schlick, Sand & schlick. Boden
8 Avicennia marina 6% - 40% Schlick, sand & schlick. Boden
9 Avicennia alba 7% - 35% Schlick
10 Sonneratia alba 10% - 37% Schlick & Sand
11 Sonneratia caseolaris 5% - 22% Schlick
12 Aegiceras corniculatum 11% - 35% Schlick & Boden
13 Acanthus illicifolius 11% - 39% Schlick & Boden
14 Excoecaria agallocha 9% - 35% Schlick & eher Boden
15 Derris heterophylla 5% - 30% Schlick & Boden
16 Acrosticum aurum 0% - 20% Schlick & Boden
 
  Tabelle oben: Zusammensetzung und Anordnung von Mangroven an der Küste bzw. den Ästuarien Goas (Indien) in Abhängigkeit vom Salinitäts-Gradienten
  Source: MANGROVES IN GOA (übersetzt und erweitert durch H. Kehl) [date of access: 23.10.05]
 
  Strategien der Mangroven zur Anpassung an den Salzgehalt des Standortes:
  • Einschränkung der Transpiration.
  • Sukkulenz („Halosukkulenz“) der Blätter: die Pflanzen reichern Salz in den Blättern an, die dann nach einiger Zeit abgeworfen werden.
  • Salzabscheidung: Das aufgenommene Salz wird über spezielle „Salzdrüsen“ der Blätter abgeschieden.
  • Wasserentsalzung in den Wurzeln: es wird eine Salzaufnahme in den Zentralzylinder der Wurzel vermieden bzw. herabgesetzt (Ultrafiltration).

(Quelle: http://www.bogos.uos.de/expo/pflanzen/mangroven/Mangrove-Info.htm)

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Querschnitte durch Mangrovenzonen (Indowestpazifik u. südl. Sao Paulo, S-Amerika)
   
 

"Die einzelnen Mangrovenarten wachsen meistens in deutlichen Zonen, seltener in Mischbeständen. Die Zonation hängt mit den Gezeiten zusammen. Je näher zum Aussenrand der Mangroven eine Art wächst, desto länger und desto tiefer steht sie im Salzwasser.

Die Gezeiten oder Tiden haben an den einzelnen Küsten einen verschiedenen Tidenhub (Höhenunterschied zwischen Niedrig- und Hochwasser); dieser ändert sich periodisch mit dem Mond- und dem Sonnenstand. Er ist am grössten jeweils zur Zeit des Voll- und Neumonds (Springtiden). Am allerhöchsten sind die Springtiden 2mal im Jahr bei der Tagundnachtgleiche (äquinoctiale Springtiden)." (Walter 1973: 89)

   
 

Abb. rechts unten:
Horizontale Zonierung einer Mangrove des Indowestpazifik. Beschreibung der einzelnen Arten siehe unten (Mangrovenarten - eine Zusammenstellung)

1. Nipa - Mangrove (Nypa fruticans) entlang von Flüssen und Wasserläufen
2. Ceriops - Zone (Ceriops tagal)
3. Bruguiera - Zone
4. Rhizophora - Zone
5. Avicennia - Zone
6. Sonneratia - Zone




HM = Hochwasserline normaler Fluten, NM = Niedrigwasserstand bei Ebbe.

Verändert nach M. Glaubrecht (1997) Natur und Museum 127: 285, aus Manuskript Faensen-Thiebes (2003)

   
 

Abb. rechts:
Querschnitt durch die Mangrovezone bei Itanhaém (75km südl. von Sao Paulo) - Nicht alle Arten wurden unten beschrieben (Mangrovenarten - eine Zusammenstellung)


1. Acrostychum
2. Crinum
3. Spartina
4. Hibiscus
5. Languncularia
6. Avicennia
7. Rhizophora



HM = Hochwasserline normaler Fluten, MM = mittleres Meeresniveau, NM = Niedrigwasserstand bei Ebbe

(nach A. Lamberti, aus Walter & Breckle 1984, S. 172, stark verändert)

 
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Mangrovenarten - eine Zusammenstellung (alphabetisch geordnet) verschiedene Quellen
   
 
  • Acanthus ilicifolius L. (Acanthaceae), ein Mangroven-Strauch mit ilex-artigen Blatträndern, Vorkommen von Indien bis Australien, verholzende Pflanze von 2 - 3 m Höhe, an Ufern von Flüssen und im entfernten Gezeitenbereich, besiedelt Flussbänke und kann an Stellen zerstörter Mangrovenwälder sogar dominierend werden (Australien), ist sonst eher selten, - wird z.B. von Walter & Breckle (1984: 171) nicht als "Echte" Mangrove anerkannt;

  • Acrostichum spec. (Pteridaceae - d.h. ein Farn innerhalb der Magroven), - wird z.B. von Walter & Breckle (1984: 171) nicht als "Echte" Mangrove anerkannt;
    • Acrostichum aureum L., Herkunft Paläotropis - heute pantropisch verbreitet, wächst landseitig im Mangrovenbestand, verträgt kaum Überflutungen und hohe Salzgehalte, Höhe bis max. 2 m,
    • Acrostichum speciosum L., Herkunft Paläotropis (tropisches Asien bis Australien), im Tidenbereich auf der Seeseite der Mangrovenbestände (dort immer im Schatten), Höhe bis 1,5 m;

  • Aegiceras corniculata (L.) Blanco. (Myrsinaceae), Flussmangrove, Pionierart der Mangroven,
    Abb. der Blüten und Beschreibung

  • Avicennia spec. (Verbenaceae s.l. / Avicenniaceae) - Salzsekretion, Krypto-Viviparie (verborgen lebend gebährend, Keimlinge entwickeln sich auf der Mutterpflanze); Luft- und Atemwurzeln (Pneumatophoren - d.h. "durch luftdurchlässige Poren in der Rinde der Atemwurzeln kann sauerstoffreiche Luft über ein schwammartiges Luftgewebe (Aerenchym) in die sauerstoffunterversorgten, unterirdischen Bereiche des Wurzelsystems gelangen." Wikipedia Hinweis)


    Abb. rechts:
    Beispiele für Mangrove an den Küsten Madagaskars (Insel St. Marie / Nosy Boraha, Westseite) und Westküste bei Tulear.

    "Avicennia ist eine hard-bottom-Mangrove, das bedeutet sie [kann] direkt auf dem Riffuntergrund [stehen]. Avicennia bildet spargelförmige, negativ geotrop (nach oben) wachsende Pneumatophoren (Atemwurzeln) aus. Diese Atemorgane sind notwendig, da im Sediment der Schlammflächen ab ca. 0,5 cm anaerobe Bedingungen herrschen. Die gröberen sandigen Sedimente werden erst ab 10-15 cm anaerob.

    Seitwärts gehen von den Pneumatophoren Ernährungswurzeln ab, welche zur Aufnahme von Wasser und Ionen dienen. Weitere Funktionen der Wurzeln bestehen in der Befestigung der Pflanze und dem Rückhalt des sich absetzenden Schlammes. Mit dem Ansteigen des Bodenmaterials verändern die Pneumatophoren an den Grenzen zwischen Bodenoberfläche und Luft (bzw. Wasser bei Überflutung) ihre Funktion."
    (Source: Wurzelbildung bei der Mangrove, Uni-Stuttgart)

    • Avicennia germinans (L.) Stearn [Syn: Avicennia nitida Jacq.] - (Schwarze Mangrove) - Atemwurzeln (Pneumatophoren), Neotropis, vgl. Abb. Wurzeltypen und -systeme!
         Abbildung: Schwarze Mangrove
      Icon für externe Hyperlinks Beschreibung [date of access: 20.10.05]
    • Avicennia marina (Forssk.) Vierh. (= Avicennia officinalis L.) (Graue Mangrove) - Atemwurzeln (Höhe bis 10 m, selten 25 m), verbreitet vom Indopazifik bis Sinai / Ägypten sowie Südafrika und Neuseeland,
        Abbildung: Graue Mangrove -- mehr
      Icon für externe Hyperlinks Bild & Beschreibung [date of access: 20.10.05]
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    • Avicennia alba, bleistift-artige Pneumatophoren, Verbreitung von SO-Asien bis Australien,
    • Avicennia officinalis L. (= Avicennia marina) (Indische Mangrove), Immergrüner Baum, Höhe bis 25 m und Stämme bis 1 m Durchmesser, verbreitet von SO-Asien bis Australien (Paläotropis), im Brackwasser des Gezeitenbereichs, hohe Salzverträglichkeit,
      Icon für externe Hyperlinks Beschreibung [date of access: 20.10.05]
    • Avicennia rumphiana,
    • Avicennia tomentosa,

  • Barringtonia racemosa (Lecythidaceae)

  • Bruguiera spec. (Rhizophoraceae), Verbreitung: tropisches Asien und Afrika,
    • Bruguiera gymnorrhiza (L.) Savigny (Orientalische Mangrove), Kniewurzeln, Höhe bis 30 m, Paläotropis, Ästuarien (Uferzonen mit geringeren Salzgehalten),
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    • Bruguiera parviflora (Kleinblättrige orangenfarbige Mangrove), Kniewurzeln, Höhe bis 25 m, an sumpfigen Flusssystemen tropischer Wälder, verträgt geringe Salzgehalte,

  • Cerbera spec. (Apocynaceae)
    • Cerbera manghas L., kleiner Baum, Höhe 4 - 6 m, SO-Asien;
    • Cerbera odollam Gaertn., (Milch- oder Schellenbaum / auch Indischer Selbstmordbaum), Höhe bis 15 m, Frucht wohl giftig (Cerberin-Gift), SO-Asien;

  • Ceriops tagal (Perr.) C.B. Robinson (Gelbe Mangrove), (Rhizophoraceae), vivipar, Brettwurzeln (auch Pneumatophoren und Kniewurzeln), nur an Flusssystemen, verträgt kaum Salzwasser, Verbreitung: tropisches Asien und Afrika, Höhe bis 4 (selten 8) m, kommt landseitig in der Rhizophora mucronata - Zone vor,
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  • Hibiscus tiliaceaus (Malvaceae) - wird z.B. von Walter & Breckle (1984: 171) nicht als "Echte" Mangrove anerkannt;
  • Excoecaria agallocha L. (Euphorbiaceae), SO-Asien bis Australien, Höhe bis 15 m, "Blind-Your-Eye-Mangrove" (Milchsaft in den Augen führt zur Erblindung), landseitig am unmittelbaren Rand des Ufers,
          Icon für externe Hyperlinks Bild & Beschreibung [date of access: 20.10.05]



  • Abb. rechts:
    Beispiele für Mangrove an der Ost-Küste Australiens (Brisbane und Frazer Island). Aufnahmen freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Florian Bemmerlein-Lux (Sept. 2009).


  • Heritieria spec.(Sterculiaceae)
    • Heritieria globosa Kosterm. (dungun besar),
    • Heritieria littoralis Dryand. (Brillen-Mangrove), O-Afrika bis Melanesien, stark wellige, hohe und schmale Brettwurzeln, Höhe 10 (bis 30) m, i.d.R. auf trockenen Standorten und nicht im Überflutungsgebiet, innere Flussbereiche mit sehr geringem Salzgehalt, grosse dkl-grüne Blätter bis 25 cm - - wird z.B. von Walter & Breckle (1984: 171) nicht als "Echte" Mangrove anerkannt;
      Icon für externe Hyperlinks Bild & Beschreibung [date of access: 20.10.05]

  • Kandelia candel (Rhizophoraceae), kleiner Baum bis 7 m, Viviparie, Pionierart der Mangroven, verbreitet in SO-Asien;
          Icon für externe Hyperlinks Bild & Beschreibung [date of access: 20.10.05]

  • Laguncularia spec. (Combretaceae)
    • Laguncularia racemosa (L.) Gaertn. f. (Weisse Mangrove), Höhe bis 10 (13) m, manchmal vivipar, nahe Uferbereich - i.d.R. auf trockenen Standorten und nicht im Überflutungsgebiet; verbreitet in Westafrika, Nord- und Südamerika, Pazifikregion;
        Abbildung: Weisse Mangrove
      Icon für externe Hyperlinks Beschreibung [date of access: 20.10.05]

  • Lumnitzera racemosa Willd. (Combretaceae), verbreitet von O-Afrika bis Westpazifik, wächst uferseitig als Strauch (selten als Baum), Wurzeln selten über dem Boden;
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  • Nypa fruticans Wurmb. (Arecaceae), (Nypa / Mangroven - Palme), SO-Asien bis N-Australien, am Ufer von Ästuarien, "strauchartig" - Blätter können bis 9 m lang werden! - steht im/am Wasser und ist die einzige Mangroven-Palme (fossile Pollen reichen zurück bis 70 Mio. Jahre) - wird z.B. von Walter & Breckle (1984: 171) nicht als "Echte" Mangrove anerkannt.
          Icon für externe Hyperlinks Bild & Beschreibung [date of access: 20.10.05]

  • Pelliciera rhizophorae Triana & Planch. (Tee-Mangrove) (Theaceae s.l. / Pellicieraceen), Neotropis, Verbreitung: Pacific coastline from Costa Rica to Colombia and then appearing in the Galapagos Archipelago; Brettwurzeln; (siehe Abb. ganz oben rechts!)
              Abbildung: Tee-Mangrove
          Icon für externe Hyperlinks Bild & Beschreibung [date of access: 20.10.05]

  • Rhizophora spec. (Rhizophoraceae) - Viviparie (Keimlinge entwickeln sich auf der Mutterpflanze), Gattung ist pantropisch verbreitet, bogenförmig und auslandende Stelzwurzeln,
    • Rhizophora mangle L. (Rote Mangrove), mit roten Stelzwurzeln; wohl pantropisch, häufigste Mangrovenart der amerikanischen Atlantik- und Pazifikküsten; extrem hohe Salztoleranz; wohl häufigste Mangrove weltweit,
        Abbildung: Rote Mangrove
      Icon für externe Hyperlinks Beschreibung [date of access: 20.10.05]
    • Rhizophora apiculata (Lang gestelzte Mangrove), evtl. grösste Stelz- und Luftwurzeln aller Mangrovenarten, Baum-Höhe bis 35 m, wächst in küstennahen Überflutungsgebieten (Ästuarien), SO-Asien bis Australien, wird stark zurück gedrängt im Küstenbereich, die Samen ähneln der der Roten Mangrove,
    • Rhizophora mucronata Lam. (Asiatische / Thailändische Mangrove), Vorkommen von S-Afrika bis SO-Asien, "Samen" - Keimlinge werden an der Mutterpflanze bis 100 cm lang, tief-schlammige Gezeitenzone, Höhe 5 bis 15 m (selten 30 m), Stamm bis 70 cm Durchmesser,
        Abbildung: Asiatische Mangrove
      Icon für externe Hyperlinks Bild & Beschreibung [date of access: 20.10.05]
      Icon für externe Hyperlinks Beschreibung [date of access: 20.10.05]
    • Rhizophora stylosa Griff.,Taiwan, Neu Guinea bis Australien, an eher sandiger Küste,
      Icon für externe HyperlinksAbbildungen [date of access: 06.02.12]
      Abb. und Beschreibung

  • Scyphiphora hydrophyllacea Gaerth. f. (Rubiaceae), SO-Asien bis N-Australien, Strauch 1 bis 3 m hoch, monotypisch;
          Icon für externe Hyperlinks Bild & Beschreibung [date of access: 20.10.05]

  • Sonneratia spec. (Sonneratiaceae)
    • Sonneratia alba J. Smith (Apfel-Mangrove), verbreitet von O-Afrika bis Melanesien, wächst seeseitig auf schlammigen bis eher sandigen Standorten in Ästuarien, Pneumatophoren können bis zu 1 m hoch werden (normal bis 30 cm);
        Abbildung, Apfle-Mangrove  
      Icon für externe Hyperlinks Bild & Beschreibung [date of access: 20.10.05]
    • Sonneratia caseolaris (L.) Engl. (Krabbenapfel-Mangrove), Verbreitung: SO-Asien, Gezeitenzone, mit Atemwurzeln (Pneumatophoren), Höhe bis 10 m,
      Icon für externe Hyperlinks Beschreibung [date of access: 20.10.05]

  • Xylocarpus spec. (Meliaceae)
    • Xylocarpus granatum König (Kanonenkugel-Mangrove), Brettwurzeln (plank roots) und laterale Wurzeln an Oberfläche, Frucht Faustgrösse, Höhe bis 25 m, Ästuarien mit geringem Salzgehalt, O-Afrika bis Polynesien;
      Icon für externe Hyperlinks Bild & Beschreibung [date of access: 20.10.05]
    • Xylocarpus moluccensis (Lamk.) Roem, Paläotropis, nicht im Überflutungsbereich, Zurechnung zu den Mangroven umstritten,
      Icon für externe Hyperlinks Bild & Beschreibung [date of access: 20.10.05]
    • Xylocarpus mekongensis (Zedern-Mangrove), Kniewurzeln, Höhe bis 20 m, wesentlich kleinere Früchte als X. granatum, Ästuarien mit geringerem Salzgehalt,
 
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Mangrovenzerstörung und Bewirtschaftung
   
 

"Mangrovenbäume lassen sich in Ausnahmefällen forstlich nutzen (Malaysia). Mangrovenholz wird zur Holzkohleerzeugung oder direkt als Brennholz und gelegentlich für einfache Holzkonstruktionen genutzt. Die tanninhaltige Rinde einiger Mangrovenbäume wird regional zur Gerbstoffgewinnung eingesetzt." Wikipedia

"Überall dort, wo Mangrovenwälder grossflächig abgeholzt wurden, gingen die Erträge der Küstenfischerei drastisch zurück, denn eine hohe Zahl wirtschaftlich wichtiger Fischarten pflanzt sich in den Mangroven fort [Fischbrutstätten] und ohne diese Rückzugsgebiete wird nicht nur diesen Fischpopulationen die Lebensgrundlage entzogen, sondern auch der Küstenbevölkerung. Mit dem Wald fällt zudem der natürliche Schutzgürtel gegen Stürme, Flutwellen, Überschwemmung und Erosion für die angrenzende Küstenregion." (nach Lighthouse Foundation / Icon für externe HyperlinksStiftung für die Meere und Ozeane [date of access: 23.10.05])

Die Bedeutung von Mangroven-Formationen wurde zuletzt im Zusammenhang mit den Küstenzerstörungen durch den Tsunami in SO-Asien - teilweise auch in der Öffentlichkeit - diskutiert. In weiten Teilen der attraktiven Küstenregionen waren zur touristischen Erschliessung - den flachen Stränden vorgelagerte - "störende" Mangrovengehölze entfernt worden. Die Zerstörungen der von dem Tsunami besonders stark betroffenen flachen Küstenregionen hätten vermutlich jedoch weit geringer ausfallen können, wenn der Aufprall der anstürmenden Wellen wenigstens teilweise abgefangen worden wäre.

Mit diesem Beispiel soll lediglich darauf hingewiesen werden, dass das Vorhandensein breiter Mangroven-Gehölzformationen lebensbedrohliche, gleichwohl natürliche - jedoch für den Küsten bewohnenden Menschen desaströse - Phänomene in ihren Ausmassen mildern kann.

Neben den o.g. Ursachen für die touristische Erschliessung von Küstenregionen können noch weitere Gründe für die Degradation bzw. völlige Zerstörung von Mangrovenbeständen genannt werden. Z.B.:

  • Anlage von Garnelen- und Krabbenfarmen (industrielle Shrimps-Produktion), siehe das nächste Kapitel!
  • Nutzung durch Feuerholzgewinnung, Holzkohle oder Gerbstoffen (i.d.R. von untergeordneter Bedeutung!),
  • Anlage von Reis- und Kokosplantagen,
  • Baulandgewinnung etc.
 
Land
Zeitraum
Fläche
früher (ha)
Fläche
aktuell (ha)
Verlust
(%)
Kuba
1969 - 1989
476.000
448.000
6
Bangladesh
1963 - 1990
685.000
587.000
14
Thailand
1961 - 1993
300.000
219.200
27
Vietnam
1969 - 1990
425.000
286.400
33
USA
1958 - 1983
260.000
175.000
33
Indonesien
1969 - 1986
4.220.000
2.176.000
48 *1
Philippinen
1968 - 1995
448.000
140.000
69
Ecuador - 2002     70
Puerto Rico
1930 - 1985
26.300
3.000
89
Kerala (Indien)
1911 - 1989
70.000
250
96
   
  Tabelle oben: Flächenverluste der Mangrovenwälder in verschiedenen Regionen der Welt
Source: Lighthouse Foundation / Icon für externe HyperlinksStiftung für die Meere und Ozeane - verändert und ergänzt [date of access: 23.10.05]
  *1 Neuere Untersuchungen sprechen bereits von 60 % [22.03.2001 - (idw) Icon für externe HyperlinksZentrum für Marine Tropenökologie (ZMT)]
   
Übernutzung durch Shrimps-Farmen:
   
 

"[...] In Ecuador und auf den Philippinen [sind beispielsweise] durch die Shrimp Aquaculture Industry und deren ungehemmte Ausdehnung mittlerweile schon 70 % der dortigen Mangrovenwälder abgeholzt. Problematisch ist die Nutzung eines Gebietes für die Shrimpzucht, weil die Shrimpteiche nach nur drei- bis maximal zehnjähriger Nutzung aufgrund der Verseuchung der Teichböden mit Chemikalien wieder aufgegeben werden müssen und eine Aufforstung über Jahrzehnte hinweg meist unmöglich ist." (Lighthouse Foundation / Icon für externe HyperlinksStiftung für die Meere und Ozeane [date of access: 23.10.05])

Die Shrimpzucht diente und dient nicht primär der Ernährung der einheimischen Bevölkerung, sondern dem devisenbringenden Export. Wie bereits verschiedentlich erwähnt, sind dies auch Ziele von Weltbank und IMF und werden von diesen Institutionen entsprechend gefördert zwecks Schuldentilgung. Garnelen-Aquakultur wurde als probate Alternative zum Fischfang in küstennahen Gewässern gesehen, welche unter Überfischung litten. Shrimpsfarmen sollten Arbeitsplätze und Einkommensmöglichkeiten schaffen, so jedenfalls die Argumentation der FAO.

Abb. rechts: Titelblatt der folgend genannten Dokumentation. Copyright © 2001 Friedrich-Ebert-Stiftung.

In der   D o k u m e n t a t i o n   (August 2001) der Tagung "Verheerende Delikatessen - Menschenrechtsverletzungen und Umweltzerstörung durch industrielle Garnelen- und Krabbenproduktion - Boykott oder Gütesiegel?" (Tagung am 21. Sept. 2000, veranst. von FoodFirst Info- und Aktionsnetzwerk [FIAN] und der Friedrich-Ebert-Stifung in Bonn) heisst es dazu für

Ecuador:

"Ein Hektar Mangrovenwald ernährt 10 Familien. 120 Hektar Garnelenbecken beschäftigen einen Besitzer und vier Angestellte. Die Arbeiter werden nur an drei bis vier Tagen pro Woche gebraucht und verdienen nur 4 US-Dollar pro Tag, also nur etwa 40 US-Dollar pro Monat. [...]

Bei intensiver Zucht können [Beckenböden] nur 10 - 15, maximal 20 Jahre genutzt werden, weil er dann von den vielen Chemikalien [z.B. Pestizide] und Antibiotika versucht ist. [...]

Die Tiere werden überwiegend für den ausländischen Markt produziert. 89 Prozent landen auf den Tischen der Reichen: 27 % in Europa, vor allem in Spanien und in Deutschland, und 70 % in den USA." (Lider Góngora Farias "Ecuador: Die Garnelindustrie ist kriminell", S.7ff).

Indien:

"Die Ostküste Indiens gilt als Reisgrube des Landes. Heute sind allein 50 %, ca. 60.000 ha Küste Andhra Pradeshs mit Garnelfarmen belegt. Der lokalen Bevölkerung fehlt diese Fläche zum Reisanbau für ihre Ernährungssicherung. Reisbauern sind arbeitslos. [...] Die industrielle Landwirtschaft für die globalen Märkte kann die Ernährungssicherung in den armen Ländern nicht sichern." (Jacob Raj: Indien: "Den wirklichen Preis zahlen die Armen", S. 13ff)

   
 
   
Nachhaltige Bewirtschaftung:
   
 

Eine nachhaltige Nutzung der Mangrovenwälder setzt die genaue Kenntnis ökologischer Zusammenhänge in diesen besonderen Gehölzformationen voraus. Ausserdem sind detaillierte Untersuchungen zur traditionellen Nutzung dieser Ökosysteme eine wichtige Voraussetzung für eine nachhaltige Nutzung. Mangroven boten und bieten auch heute noch Millionen Küstenbewohnern eine elementare Lebensgrundlage.

Z.B. werden aus Bäumen verschiedene Nahrungsmittel, Heilkräuter, Gerbstoffe, Brennholz und Baumaterialien gewonnen.

Zur Wiederherstellung bzw. Rehabilitierung intakter Mangroven sind Aufforstungsmassnahmen notwendig und sinnvoll. Hier sollten möglichst mehrere Mangrovenarten zum Einsatz kommen, um Schädlingsbefall einzuschränken. Hierfür sind jedoch viele Jahre notwendig, um die alte Funktionalität wieder herzustellen. Bereits realisierte Projekte mit Jungbeständen führten jedoch schon nach wenigen Jahren zu einem schnellen Anwachsen der Fisch- und Muschelpopulationen.
Vgl.
GTZ - Projektbeispiel [BMZ]:
Lagunenfischerei, Benin
GTZ - Management Aquatischer Ressourcen, Carola Elster (2001):   
Mangroven - vor allem der Abschnitt "Rehabilitierungs und Management - Massnahmen)
[date of access: 20.10.05]
).

Abb. rechts: Setzlinge von Rhizophora mucronata
(Source:
MANGROVES IN GOA)

Zu den wesentlichen Zielen einer nachhaltigen Mangroven-Nutzung und -bewirtschaftung gehört die Implementierung von vielfältigen Nutzungskonzepten und -formen, welche einerseits ökosystemare Abläufe in den Magroven-Wäldern selbst unterstützen, ihre Funktion als Laichplätze etc. erhalten und andererseits moderne Fisch- und andere Aquakulturen kleinflächig und mosaikartig erlauben. Dies ohne den Einsatz vielfältiger Pestizide und zusätzlicher Dünger.

 
   
   
Hyperlinks & Literatur zum Thema
   
Hyperlinks: [date of access: 20.10.05]
   
 
   
Literatur:
   
 

Diplom- oder Examensarbeiten an der TU-Berlin, Fak. VI, FG Landschaftsökologie / Ökologie der Gehölze zur Grauen Mangrove (Avicennia marina):

  • Käser, B. (2000) Wirkung unterschiedlicher Salzkonzentrationen auf Wachstum und Gaswechsel der Mangrove (Avicennia marina).- [Betreuer Forstreuter]
  • Ziche, D. (2001) Akklimatisation von Wachstum und Gaswechsel (CO2/H2O) der Mangrove Avicennia marina an verschiedene Salzkonzentrationen.- [Betreuer Forstreuter]

Weitere:

  • Cavanaugha, Kyle C. et al. (2013)Icon für externe HyperlinksPoleward expansion of mangroves is a threshold response to decreased frequency of extreme cold events.- PNAS Direct Submission (Edited by George M. Woodwell, Woods Hole, MA, and approved November 22, 2013 (received for review August 20, 2013).
    Substantial
    Icon für externe HyperlinksReview by Futurity (David Orenstein-Brown at December 31, 2013) [date of access 2014.02.02].
    Beitrag in SPON vom 6. Jan. 2014, wo Wetterextreme und Klimaschwankungen in einen falschen Zusammenhang gebracht werden:Icon für externe HyperlinksMangrovenwälder: Die Frost-Sensibelchen [date of access 2014.02.06].
    • Anmerkung zur Publikation:
      In den Ergebnissen der o.g. Untersuchung zeigt sich, dass die Ausbreitungsgrenzen von Mangrovenformationen (oft nur von einer Art gebildet, z.B. den eher widerstandfähigen Rhizophora mangle oder Avicennia germinans) weniger von Durchschnittstemperaturen (die sich hier nicht verändert haben) als von Extremereignissen bestimmt werden (hier Anzahl der Frosttage ca. -4°C).
      Das Phänomen der Ausbreitungsdynamik (Ausbreitung und Rückzug) an den unmittelbaren Grenzen von Vegetationsformationen (oder auch Artenarealen) ist eher normal. Leider fehlt in der Arbeit auch jeglicher Hinweis darauf, ob die aktuelle Ausbreitung (nach 1985) nicht eher eine Wiederbesiedlung von Standorten ist, welche vorher bereits von Mangroven-Arten eingenommen wurden.


  • Mastaller, M. (1997) Mangroves: The Forgotten Forest Between Land and Sea.- Tropical Press, (p. 93: as food; p: 102: other uses).
  • Schmidt, H. (1995) Die Bedeutung der Mangroven für tropische Küstengewässer. Beispiel Brasilien.- Geographische Rundschau 47: 128-132.
  • Popp, M. (1991) Mangroven - Wälder der Gezeitenzonen in Tropen und Subtropen.- Praxis der Naturwiss. 2/40: 16-22.
  • Tomlinson, P.B. (1986) The Botany of Mangroves.- Cambridge University Press, Cambridge, 413 pp. (ISBN 0-521-46675-X)
 
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© Harald Kehl - TU-Berlin - Institut für Ökologie



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