Vegetationsökologie Tropischer & Subtropischer Klimate / LV-TWK (B.8)
 
ZM06
TU-Berlin > Fakultät VI > Institut für Ökologie > Fachgebiet Ökosystemkunde - Pflanzenökologie
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Temp. trocken
Subtrop. winterfeucht
Subtrop.-Trop.
Trop. sommerfeucht
Tropen feucht
Verbreitung
       
    Medit.Gebirge Ost-Sahara- Veg.-Dynamik
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Subtropisch / Tropisch aride Gebiete: Entstehung und Verbreitung der Wüsten

Verbreitung der subtropisch-tropischen ariden Gebiete
Hygrothermische Wachstumsbedingungen
Was sind Wüsten allgemein?
Morphologische Wüstentypen
Die Wüsten der Subtropen und Tropen
Ökologische Wüstentypen
Niederschläge in den Wüsten der Subtropen und Tropen
Aktuelle populärwissenschaftl. Veröffentl. zu den Wüsten
   
Prof. em. Dr. Reinhard Bornkamm zu seinem 75. Geburtstag
   
Abb. rechts oben: Ausdehnung der Wüsten nach Logan (1968), aus Walter & Breckle (1984, S. 210), stark verändert, nicht massstabsgerecht.
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Klimadiagramme des ZB III: Klimadiagramme
 
Liste mit Pflanzenabbildungen: Artenliste
 
Liste der WÜSTEN- und HALBWÜSTEN-PFLANZEN (Ägypten bis N-Sudan) mit Abbildungen und weiterführenden Infos: Artenliste
   
Verbreitung der subtropisch - tropischen Trockengebiete (heisse Wüsten)
   
 
Ökozone
N-Amerika
Eurasien
S- und
Mittelamerika
Afrika
Australien
(mit Neuseeland)
Tropisch -
subtropische Trockengebiete
SIEHE S- und Mittelamerika! Naher Osten, Pakistan und NW-Indien. Mittelamerika: Sonora und Chihuahua Wüste (von N-Mexiko bis in den SW der USA);
S-Amerika: Caatinga in NO-Brasilien, Gran Chaco und Monte in Paraguay und N-Argentinien; Atacama in Chile und Peru.
N-Afrika: Sahara, Sahel;
E-Afrika: von Somalia bis nach N-Tansania;
S-Afrika: Namib, Kalahari und Karoo;
SW-Madagaskar (Toliara).
Australien ausser den mehr oder weniger breiten Küstenregionen im Norden, Osten, Süden und Südwesten.
  (aus Schultz 2000, S. 26/27)
   

Nach Schultz (2000), Ökozonale Gliederung der Erde, gehört diese Zone zu den Tropisch - Subtropischen Trockengebieten

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Diese Zone liegt hauptsächlich zwischen den Subtropischen Winterregengebieten und den Tropischen Sommerregengebieten. Tropische (monsunale) Regen können sporadisch und lokal von Süden her weit in den Wüstengürtel hinein reichen.

   

Nach Walter & Breckle (1983-1994), Ökologie der Erde, Band 3, gehört diese Klimazone zum Zono-Biom (ZB) III als Subtropisch-arides Zonobiom (Wüstenklima), d.h. der gesamte Wüstengürtel der Sahara (über die Wendekreise hinaus bis in die ariden Gebiete mit sporadischen Sommerregen) wird hier zu den Subtropen gezählt.

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Seite öffnenGesamt-Tabelle als Überblick,
sowie die typischen Klimadiagramme, dieser Zone.

  Weitere Angaben zur Wüste in Wikipedia, der Freien Enzyklopädie Hinweis
   
 
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Hygrotherm. Wachstumsbeding. in den Wüsten der Subtropen und Tropen
   
 
Veget.-Periode 1
(Monate mit
p[mm]>2tmon[°C]
und tmon≥5°C)a
Monate a mit
tmon≥10°C tmon≥18°C
Jahres-
niederschlag

in mm
Bemerkungen
0 - 4
(5)
alle tmon≥5°C
12
(9 -)
5 - 12
polwärts: <300
äquatorwärts: <500

Monatsmittel von < 18 °C finden sich in einigen subtropischen Trockenräumen und dort insbesondere an Küsten mit kalten Meeresströmungen.

   
  tmon = Monatsmitteltemperatur, p = mittlerer Monatsniederschlag, Zahlenwerte in Klammern stehen für regionale Sonderfälle, die sich zumeist aus kontinentalen oder maritimen Einflüssen, oder unterschiedlichen Breitenlagen (Nord-Süd-Differenzierungen) herleiten. (Tabelle und Text aus Schultz 2000, S. 45, Tab. 2.3) 
 
  1: "Die Vegetationsperiode ist (...) die Summe derjenigen Monate innerhalb eines Jahres, deren Mitteltemperaturen tmon ≥5 °C betragen und deren Niederschläge p (in Millimeter) nummerisch den doppelten Temperaturwert tmon (in Grad Celsius) übersteigen (also alle ausreichend warmen Monate mit p [mm] >2 tmon [°C]. Die Zeitspanne, in der diese Bedingungen erfüllt sind, lässt sich aus den Klimadiagrammen von Walter & Lieth leicht und schnell ausmessen. Die für die einzelnen Ökozonen ausgegebenen Werte für Vegetationsperioden beruhen grösstenteils auf solchen Ausmessungen." (aus Schultz 2000, S. 42)
   
  Vgl. Sie auch Niederschlagsmengen-Verteilung weltweit !
 
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Was sind Wüsten (ganz allgemein)?
   
 
  • Wüsten unterschiedlichster Ausprägung sind generell klimatisch bedingt und können nicht durch den Menschen geschaffen werden. Dagegen ist der Mensch durch Bewirtschaftung von fragilen Landschaften bzw. Ökosystemen in der Lage, diese zu degradieren bzw. zu "verwüsten", was allgemein auch als anthropogene "Desertifikation" bezeichnet wird, jedoch begrifflich nicht wirklich korrekt ist. Die Vegetation dieser degradierten Landschaften (durch Übernutzung bzw. Nichtbeachtung der ökologischen Tragfähigkeit der Landschaften) kann sich i.d.R. nach Aufgabe der Übernutzung über unterschiedliche Sukzessionsstadien regenerieren, wobei allgemein die notwendige Regenerationszeit mit der Zunahme der Aridität verlängert.
  • Mit anderen Worten: Degradierte Kurzgras- und Dornstrauchsavannen sowie Steppengebiete mit geringen Niederschlägen brauchen nach Aufgabe der wirtschaftlichen Nutzung besonders lange, um einer nachhaltigen Nutzung wieder zugeführt werden zu können.
   
  Alle Wüsten sind Gebiete, in denen entweder durch Wasser- oder Wärmemangel nicht und nur sehr eingeschränkt Pflanzenwachstum möglich ist.
   
  Generell werden zwei Wüstentypen unterschieden:
   
 

Kältewüsten (sogenannte physiologische Wüsten) d.h. polare Wüsten wie Arktis und Antartis (die Antarktis ist die grösste Wüste) und [Hoch-]Gebirgs-Kältewüsten, da hier das Wasser nur gefroren vorliegt und damit nicht pflanzenverfügbar ist und auch die Temperaturen zu niedrig sind, um Pflanzenwachstum zu ermöglichen. Kältewüsten werden selbstredend in der VL nicht behandelt.

   
 

Trockenwüsten (sogenannte wahre Wüsten), d.h. kühl-temperierte Wüsten der trockenen Mittelbreiten und warme bis heisse Wüsten der Subtropen und Tropen.

   
  Bei den Trockenwüsten handelt es sich immer um aride Gebiete, in denen
  • der jährliche mittlere Niederschlag geringer ist als die mittlere jährliche Gesamtverdunstung. In den Subtropen beginnt die Halbwüste etwa dort, wo der Niederschlag < 250mm/a ist.
  • die potentielle Evaporation wenigstens doppelt so hoch ist wie der Niederschlag.
  • Die Trockengrenze spielt als quasi "dynamische" Trennlinie zwischen semihumiden (Niederschlagsüberschuss im Jahresmittel) und semiariden (Niederschlagsdefizit im Jahresmittel) Klimaten bzw. Vegetationszonen, bezogen auf die jährliche Gesamtverdunstung (Evapotranspiration), eine entscheidende Rolle. Pflanzenwachstum kommt in den Trockenwüsten immer vor, auch wenn die Abstände zwischen den Individuen manchmal 'zig Kilometer betragen können.
  Winterkalte Wüsten sind - wie oben bereits angedeutet - extreme Trockengebiete der Mittelbreiten, speziell der kontinentalen innerasiatischen Lagen innerhalb des ZB VII bzw.ZB VIII (rIII) nördlich und südlich des 50. Breitengrades. Die sich südlich anschliessenden Halbwüsten (< 250mm/a) und Steppengebiete (200-300mm/a) reichen an die westöstlichen Gebirgszüge, vom Kaukasus bis zum Himalaja. Zu den innerasiatischen Vollwüsten (< 150-100mm/a und kontrahierter Vegetation) gehören die Takla Makan des Tarimbeckens, Karakum zusammen mit der Kysylkum im Tiefland von Turan und die sehr wenigen (max. 3%), fast vegetationslosen Sand- und Steinwüsten der Gobi. Die "Wüste Gobi" ist tatsächlich eher eine semi-aride Steppenlandschaft mit Übergängen zur Halbwüste. Winterkalte Vollwüsten im eigentlichen Sinne fehlen vollständig auf dem nord- und südamerikanischen Kontinent.
   
 

Heisse Wüsten, d.h. Subtropisch/ Tropische heisse Wüsten (z.B. die Sahara N-Afrikas und weniger extrem die Kalahari S-Afrikas). Auch die heissen Wüsten weisen - trotz ihres scheinbar gleichen Aussehens - sehr unterschiedliche Bedingungen auf. Vgl. unter Niederschlagsverteilung!

 

 

Abb. rechts: Vegetationslose Dünenlandschaft (Erg - aus dem Arabischen für Dünenmeer) und eine Fels- und Steinwüste (Hammada - aus dem Arabischen für leblos, abgestorben) in der SO-Sahara (SW-Ägypten). Die Niederschläge liegen hier bei etwa 1mm/a, d.h. es ist durchaus möglich, dass die absolut niederschlagsfreien Zeiten 30 Jahre und mehr umfassen.

   
 

Küstenwüsten fast ohne Regen, aber häufig mit viel Nebel (z.B. S-Amerika in Chile mit Atacama, Peru mit Fortsetzung der Atacama, am kalten Humboldtstrom gelegen, und S-Afrika mit Namib, am kalten Benguelastrom gelegen), auch kühlere Wüsten als Folge kalter Meeresströmungen.

 

Abb. rechts: Nahezu vegetationslose Küste Namibias mit weiten Dünenfeldern. Die sich westlich anschliessenden Dünen im Sossusvlei im Namib Naukluft Park gehören mit bis zu 300m (und mehr) Kammhöhe zu den weltweit höchsten. Trotz der geringen Niederschläge, beherbergt die Namib eine reichhaltige Flora und Fauna.

   
  Edaphische Wüsten (nach Logan 1968). Stark durchlässige, d.h. poröse Böden, führen zum schnellen Versickern des Niederschlagswassers, welches für Pflanzen dann nicht ausreichend zur Verfügung steht
   
   
 

Des weiteren werden "Morphologische Wüstentypen" (vgl. nächsten Abschnitt!) und "Ökologische Wüstentypen" unterschieden.

   
 
   
Morphologische Wüstentypen
   
 

Vollwüsten und extreme Wüsten werden ausschliesslich in abflusslosen (ariden) Landschaften angetroffen, in denen jegliche Verdunstungsvorgänge zu einer Salzakkumulation an der Bodenoberfläche führen.

Grundwassernahe Standorte (die es durchaus in der Wüste gibt) werden oft durch starke Salzverkrustungen des Oberbodens charakterisiert. Übrigens auch Salze, die auch heute noch z.B. im nördlichen Sudan "geerntet" und auf weit entlegenen Märkten verkauft werden. Im Bereich dieser Standorte finden sich häufig verschiedene Oasentypen.

Die Wüsten können auch in Abhängigkeit von ihren Verwitterungsakkumulationen charakterisiert werden (nach Walter & Breckle 1984, S. 214/215):

  • "Die Steinwüste oder Hammada (Hamada, von arab. hammada = abgestorben, leblos) mit an der Oberfläche liegenden Gesteinsbrocken, während die feinen Verwitterungsprodukte ausgeblasen werden. Sie ist vor allem auf den Tafelbergflächen verbreitet.
  • Die Kieswüste oder Serir (oft wird auch das Mosaik von Kies- und Sandwüste als Reg bezeichnet). Es handelt sich um ausgewehte verwitterte Konglomerate mit eckigen Steinen oder um ausgewehte, meist fossile Flussalluvionen mit abgerundeten Steinen, die den grössten Teil der Bodenoberfläche bedecken.
  • Die Sandwüste oder Erg (Areg), die entweder aus weitständig bewachsenen Sandflächen oder vom Wind aufgehäuften, vegetationslosen Dünen besteht.
  • Die Tonwüste mit Tonpfannen oder Sebkhas (Schotts, Playas, Plajas), mit höheren Salzgehalten im Boden, die mehr oder weniger Krusten bilden können. In der Regel ist eine Etablierung von Vegetation im Zentrum der Plajas (vgl. Beispiel mit Vegetationsverteilung!) nicht möglich.
  • Die Böden der Erosionstäler oder Wadis (Queds) mit vom Wasser abgelagerten alluvialen Lockergesteinen, die nach Korngrösse sortiert oft bis in Takyrflächen auslaufen." (vgl. Beispiel mit Vegetationsverteilung aus dem Halbwüsten-Bereich NW-Ägyptens mit typischer Abflussrinnen-Vegetation).
 
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Die Wüsten der Subtropen und Tropen - Ursachen:
   
 

Die Tropisch - Subtropischen Wüsten zeichnen sich durch ihre Regenarmut aus, welche auf globalklimatische Mechanismen, speziell die tropisch-subtropischen Luftströmungen (vgl. Abb. unten!), zurückzuführen sind. Charakteristisch sind extrem schwankende Jahresniederschläge bei einer gleichbleibend hohen Globalstrahlung sowie potentiellen Evaporation

Zu den zweifellos trockendsten heissen Wüsten der Erde gehört die Sahara (von arab. Es-Sahra = die Wüste) mit ihren hyperariden Bedingungen (verschiedentlich wird auch die o.g. nordchilenische, eher temperiert-kühle, Küstenwüste Atacama genannt). Die jährlichen Niederschläge der Sahara in ihrem östlichen Teil (südliche Libysche Wüste) erreichen in einigen Teilen wohl kaum 1mm/a (vgl. Bornkamm & Kehl 1990 )

Hintergrund:
Die über dem äquatorialen Kalmengürtel bzw. der Innertropischen Konvergenzzone (ITC) als Tiefdruckrinne (T) aufgestiegenen feuchten Luftmassen verlieren durch Ausregnen ihre hohen Wassergehalte und fliessen in grosser Höhe zu den Polen hin ab.

Die Luftmassen werden zunehmend trockener, kälter und dichter und sinken im Bereich der Wendekreise ab, wobei sich die Luft trocken-adiabatisch um jweils 1°C je 100 Höhenmeter erwärmt. Dieser Vorgang führt zur Entwicklung der randtropisch-subtropischen Hochdruckzellen (H) = Antizyklone, welche während der Sommermonate in der Nordhemisphäre die sommerheissen und trockenen mediterranen Klimabedingungen charakterisieren.

  • Abb. rechts oben: Idealisiertes Schema mit Tiefdruckrinne (T) mit Innertropischer Konvergenzzone (ITC) sowie etwa ab Wendekreis randtropisch-subtropische Hochdruckgebiete (H) und dazwischen die tropische Hadley-Zelle. Die Sonne scheint über der ITC eher senkrecht. Zenitalregen sind besonders häufig. Die Luftmassenbewegungen über Afrika erschliessen sich eindrucksvoll auf der von der NASA (The Spherical Shape of the Earth: Climatic Zones) zur Verfügung gestellten Grafik [access 10.05.04] sowie auf dem Satellitenbild der östlichen Sahara.
    Grössere Abb.

Wolkenbildungen kommen im Kernbereich der Hadley-Zelle nun fast nicht mehr vor, so dass es während des Tages zu extremen Sonneneinstrahlungen und während der Nacht über Land zu hohen Strahlungs- bzw. Wärmeverlusten kommt, die sich über den Meeren weniger stark auswirken als kontinental (z.B. Sahara). Nachtfröste sind hier keine Seltenheit.

Die extrem trockene Luft fliesst (in der Hauptsache) nun oberflächennah - und durch die Corioliskraft abgelenkt - zum Äquator zurück (NO- bzw. SO-Passat - engl. NE- and SE Trade Winds) Vgl. Sie noch einmal das Satellitenbild der östlichen Sahara.

Die Luftmassen beschreiben damit einen Kreis, die sogenannte Hadley-Zirkulationszelle. Polwärts grenzt die Hadley-Zelle an die Ferrel-Zirkulationszelle (engl. Mid-Latitude Cell) der Mittleren Breiten, die mit ihren Nordwest-Winden winterliche zyklonale Niederschläge über die generell winterfeuchten Subtropen hinaus in die Randbereiche der subtropischen Wüsten tragen. Dagegen werden vom Äquator nach den Polen hin abnehmend mit der Verlagerung der ITC jeweils sommerliche Niederschläge in die Savannengebiete getragen ( Feuchtsavanne, > Trockensavanne, > Dornstrauchsavanne).

Es kann durchaus vorkommen, dass die nordafrikanischen Länder Ägypten, Libyen und Algerien über die subtropischen winterlichen Niederschläge hinaus, auch sehr geringfügig und sporadisch monsunale sommerliche Niederschläge in ihren südlichen Landesteilen - welche unter dem nördlichen Wendekreise liegen - erhalten.

  • Im Gegensatz zu Schultz (2000) - vgl. Tabelle oben! -, beginnt nach Walter (1968) bzw. Walter & Breckle (1983) die Wüste im Bereich der
    • Subtropen (äquatorwärts) bei Niederschlägen ab < 200mm
      • (nach Bornkamm & Kehl 1989 / 1990 ab < 250 mm Niederschlag, vgl. Tab. unten!)
    • und im Bereich der Tropen (polwärts) bei < 300mm.

      Abhängig von anderen Klimaparametern unterschiedlicher geografischer Lage ist wohl von einem Korridor auszugehen, der zwischen 200 und 300mm Niederschlag im Jahr liegt.

Als Resultat langjähriger Forschungen in der Libyschen Wüste (östliche Sahara, "Western Desert" von Ägypten), von der Mittelmeerküste bis zur Sahelzone [date of access: 04.04.05] (ein ca. 1.600km langes Transekt), wurden im Rahmen des Sonderforschungsbereichs 69, Geowissenschaftliche Probleme arider Gebiete, von Reinhard Bornkamm und Mitarbeitern (vgl. Bornkamm & Kehl (1989), Bornkamm & Kehl (1990), Kehl & Bornkamm (1993), Kehl (1987) u.a. differenzierende Subzonen in Abhängigkeit von Niederschlag und Entwicklung der Ökosysteme (vor allem bzgl. Stoffkreisläufe) ermittelt.

  • Danach reicht die Subtropische Halbwüste (semi desert) von (250) 150 - 100 (80) mm Niederschlag. Erst ab < 100 (80) mm jährlichem Niederschlag beginnt die Vollwüste und ab 50 (20) mm die Extremwüste oder auch hyeraride Wüste mit Niederschlägen unter einem Millimeter (full desert - extreme desert).
 
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Ökologische Wüstentypen
   
 
Groundwater-dependent Precipitation-dependent
  Desert type
  +
  Ecosystem
Life form Spatial Temporal Life form Spatial Temporal Rainfall in
mm/year +
occurrence
I. semi desert

P
(perennial)

contracted e.g. wadis permanent P diffuse + contracted permanent 250 - 100 (80)
Autochthonous1 ecosystem A
(annual)
contracted e.g. at wadi mouth seasonal A diffuse + contracted seasonal seasonal
II. full desert

P

contracted e.g. oases permanent P+pP contracted, e.g. in runnels + playas mostly permanent and rarely 100 (80) -
50 (20)
Autochthonous
and rarely Allochthonous2 ecosystem
A -- -- A contracted, e.g. in runnels + playas seasonal and accidental mostly seasonal but spotty
III. extreme desert
subtype 1

P

contracted only in oases permanent P+pP contracted, e.g. in wadis + playas accidental and rarely permanent 50 (20) - 5
Autochthonous
+
Allochthonous ecosystem
A -- -- A contracted, e.g. in wadis + playas accidental episodical spotty
III. extreme desert
subtype 2

P

contracted only in oases permanent pP contracted, e.g. in wadis + playas accidental 5 - 1
Autochthonous
+ frequently Allochthonous ecosystem
A -- -- A contracted, e.g. in wadis + playas -- mostly seasonal but spotty
III. extreme desert
subtype 3

P

contracted e.g. oases permanent -- -- -- < 1
Autochthonous in oases,
otherwise
Allochthonous ecosystem
A -- -- -- -- -- extremely episodical and spotty
   
  Tab. oben: "Distribution pattern of vegetation" (aus Bornkamm & Kehl 1989, und Bornkamm & Kehl 1990, leicht verändert)
   
 
  • 1: Dabei handelt es sich um Ökosysteme mit "gebietseigener" Primärproduktion, d.h. hier wachsen / wuchsen Pflanzen am Standort. Entweder leben sie oder sie stehen als 'dead standing crop' der Tierwelt zur Verfügung.
  • 2: In diesen Ökosystemen fehlen lebende oder tote Pflanzen als Primärproduzenten am Standort. Organische Substanz wird "gebietsfremd" aus entfernten Landschaften mit dem Wind heran transportiert. Vgl. Bornkamm, R. (1987) Allochthonous Ecosystems.- Landscape Ecology, Vol. 1, No. 2: 119-122. ( 85Kb)
 
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Niederschlagsverteilung in den Wüsten der Subtropen und Tropen
   
 

Wichtiges Charakteristikum der Wüsten ist die extreme Variabilität der Niederschläge in ihrer Höhe und der zeitlichen Verteilung.

  • Bei jährlichen Niederschlagsraten von z.B. 200mm an einem bestimmten Ort kann es vorkommen, dass mehrere Jahre hintereinander die Regenmengen 50 bis 80% unter den Durchschnittswerten liegen. Dagegen können - lokal begrenzte - starke Einzel-Niederschlagsereignisse innerhalb kurzer Zeit die Gesamtniederschlagsmenge eines Durchschnittsjahres erreichen.
  • Häufig wird deshalb auch von "Spotiness of Rainfall" gesprochen (Sharon 1972).

Daraus folgt: Die Aussagekraft von Durchschnittswerten (einer bestimmten Messstation) ist besonders in diesen Landschaften nur sehr gering (und generell immer zu hinterfragen!).

Erst verlässliche Angaben zur Variabilität der Niederschläge in ihrer Höhe und zu möglichen Trockenperioden über einen langen Zeitraum vermitteln eine seriöse Basis für jegliche Nutzung.

  • So beträgt z.B. die mittlere (!) jährliche Abweichung vom Durchschnittswert des Niederschlages in NW-Ägypten (z.B. Mersa Matruh) 25 bis 30% bei 134mm/a, im Bereich Alexandria an der Nilmündung 30 bis 40% bei 194mm/a (in Berlin übrigens bei 3 bis 4% bei 581mm/a) und in Kairo bereits weit über 40% bei 29mm/a. Treffen geringe Niederschlagsmenge und hohe Niederschlagsvariabilität zusammen, so ist immer mit langanhaltenden Dürreperioden zu rechnen (Angaben aus Glantz 1996, S. 100).

Daraus folgt: Die extreme Variabilität der Niederschläge gehört somit zu den entscheidenden Begrenzungen für jegliche Landwirtschaft in den semi-ariden und ariden Gebieten.

  • Dies trifft sowohl für die Randgebiete der Subtropischen wie Tropischen Wüsten zu.
   
 

Niederschlagsverteilung in ÄgyptenIn Abhängigkeit von der geografischen Lage, können Subtropisch / Tropische Wüsten verschiedene, oder sogar mehrere "Regenzeiten" aufweisen.

  • Z.B. haben Sonora und Karoo zwei Regenzeiten,
  • die nördliche Sahara, Mohavewüste und die Vorderasiatischen Wüsten haben nur eine winterliche Regenzeit,
  • die südliche Sahara und die Namib (siehe jedoch unten!) haben dagegen eine sommerliche Regenzeit,
  • die zentrale Sahara ist dagegen nahezu regenlos, d.h. Niederschläge können dort viele Jahrzehnte ausbleiben, wobei es vorkommen kann, dass sporadisch winterliche subtropische oder sommerliche tropische Niederschläge dieses extrem trockene Gebiet erreichen können,
  • die Halbwüsten (und seltenen wirklichen Wüsten) Zentralaustraliens erhalten sporadisch unabhängig von der Jahreszeit geringe Niederschläge,
  • einige Küstenwüsten, als Folge kalter Meeresströmungen (Peru, Chile, Namib), erhalten kaum Regen, dagegen Niederschlag in Form von Nebel. Vgl. Beispiel S-Amerika! [date of access: 18.09.04]

    Abb. rechts: Niederschlagsgradient in Afrika (N-Ägypten) mit abnehmenden Subtropischen Winterregen von Norden nach Süden. (nach Bornkamm & Kehl 1990, aus Kehl & Bornkamm 1993)

    In SW-Ägypten werden kaum noch 1mm Niederschlag pro Jahr erreicht. D.h., es ist wahrscheinlich, dass über sehr lange Zeiträume überhaupt kein Tropfen Regen fällt. Aber auch hier kann es dann punktuell zu Starkregenereignissen kommen.
 
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Aktuelle populärwissenschaftliche Literatur zum Thema:   [last date of access: 10.09.2007]
   
  "Die Wüste - An den Grenzen des Lebens" (September 2007) GEOkompakt Nr. 12.
   
   
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© Harald Kehl - TU-Berlin - Institut für Ökologie



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