TU-BERLIN Erläuterungen zur Vorlesung TWK an der TU-Berlin
Inst. f. Ökologie
LV-TWK-Kehl
   
  PD Dr. H. Kehl
Vegetationsökologie Tropischer & Subtropischer Klimate

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S. D1 - 05
   
Die Namib-Küstenwüste und die Savanne der Etosha Pan (Namibia)
(Coastal Desert and Etosha Pan Savanna of Namibia)
 
 

Küstenwüsten fast ohne Regen, aber häufig mit viel Nebel (z.B. S-Amerika in Chile mit Atacama, Peru mit Fortsetzung der Atacama, am kalten Humboldtstrom gelegen, und S-Afrika mit Namib, am kalten Benguelastrom gelegen), auch kühlere Wüsten als Folge kalter Meeresströmungen.
Ohne das Auftreten der kalten Meeresströmung würden hier eine sommerfeuchte Kurzgras- bis Dorn-Savanne im Übergang zur winterfeuchten Gras- und Strauchsteppe vorherrschen.

 

Abb. rechts: Küste Namibias mit Dünenbildungen. Spärliche Vegetation wird hier nur an den verfestigten Dünenfüssen angetroffen. Foto Google Earth.

   

Auch die Küstengebirge sind nahezu vegetationslos. Nur in Abflussrinnen und grösseren Senken findet sich nach seltenen Regenfällen sporadisch eine spärliche Vegetation. Küstennah werden selten Chamaephyten und noch sehr selten Phanerophyten angetroffen.

 

Abb. rechts: Nahezu vegetationsloses Küstengebirge Namibias. Sehr zu empfehlen ist eine virtuelle Reise mit Google Earth durch die extrem abwechslungsreichen Küsten- oder küstennahen Gebirge Namibias sowie der Namib-Wüste. Foto Andrea Linnenbrink im Okt. 2002 aus einer Cessna.

   

Fluss-Oase in einer Granit-Formation mit reichhaltiger Vegetation im Wadi. Zum Zeitpunkt der Aufnahme (April 2004) führte das Wadi Wasser. Seitliche Abflussrinnen sind vermutlich vegetationslos.

Der Aufnahmeort liegt ca. 35 km von der Küste entfernt. Die Koordinaten sind

21° 01' 06.51'' S
13° 54' 15.43''
E
Bildaufnahmedatum: 19. Apr. 2004, Sichthöhe 2.43 km

Abb. rechts: Screenshot Google Earth.

   

Hohe Dünen im Bereich des Sossusvlei (bei Sesriem), einer von Dünen durchzogenen / umschlossenen Tonsenke (Vlei = Salz-Ton-Pfanne), welche höchst selten von Wasser bedeckt ist. Der Bodenwasserkörper reicht nach ausreichenden Niederschlägen aus, eine spärliche Baumvegetation entstehen zu lassen, die jedoch nach Erschöpfung des Bodenwassers wieder abstirbt (siehe unten).

Im Gegensatz zu den eher dynamischen Dünen der Ost-Sahara, auf denen selten an den unteren Dünenfüssen sehr vereinzelt Gräser (i.d.R. Stipagrostis spp.) angetroffen werden, reicht die Gras-Vegetation hier auf festen Dünen oft auf der windabgewandten Seite bis zum Dünenkamm.

 

Abb. rechts: Sossusvlei - Dünen mit Vegetation auf Hängen. Foto Andrea Linnenbrink im Okt. 2002

   

Salz-Ton-Ebene zwischen hohen Dünen im Bereich des Sossusvlei (bei Sesriem). In den Randbereichen, aber auch sporadisch auf etwas höheren Stellen der Ebene, wird eine reichhaltige Strauchvegetation und sehr selten auch einzelne Bäume (rechts unten) angetroffen. Gräser finden sich nahezu ausschliesslich auf dem Dünenfuss. Begleitet werden die Gräser oft von einer stacheligen Cucurbitaceae (Acanthosicyos horridus = Nana oder Nara).

Die Dünen erreichen hier oft Höhen über 300m und gehören damit zu den höchsten der Welt.

 

Abb. rechts: Ton-Ebene im Sossusvlei mit Dünen- "Gebirgen" im Hintergrund. Foto Andrea Linnenbrink 2002

   

Salz-Ton-Ebene zwischen hohen Dünen im Bereich des Sossusvlei (bei Sesriem). Gleiche Landschaft wie letzte Aufnahme, jedoch den rechten Randbereich erfassend.

Laut Wikipedia heisst "die höchste [Düne mit 380m über der Ebene] Big Daddy, die auch Crazy Dune genannt wird."

 
 

Abb. rechts: Salz-Ton-Ebene im Sossusvlei mit Dünen-"Gebirgen" im Hintergrund. Foto Andrea Linnenbrink im Okt. 2002

   
Salz-Ton-Ebene mit abgestorbenen Bäumen im Bereich des Dead Vlei nicht weit entfernt vom Sossusvlei (westlich Sesriem). Das Vlei ist Teil eines versandeten Flusssystems, welches in etwa 50km den Atlantik erreichte. Wie in allen trockenen Wüsten, wird organisches Material nur sehr langsam abgebaut und stellt somit häufig eine Akkumulation (ökologisch "standing dead crop") wachstumsgünstiger Phasen dar.
 

Die Koordinaten sind etwa:

24°45'44.38"S
15°17'38.40"E

 

Abb. rechts: Salz-Ton-Ebene im Dead Vlei mit abgestorbenen Bäumen. Foto Andrea Linnenbrink 2002

   

Etwa 200km von der Atlantik-Küste entfernt beginnt im Norden Namibias der Etosha Nationalpark. Er schliesst fast die gesamte Fläche der Etosha-Pfanne (Etosha Pan) ein, ist eine Kurzgras-Savanne und grenzt im Osten an das Kalahari-Becken.

 

 

Abb. rechts: Etoscha Nationalpark mit Zebras und Elefanten im Hintergrund. Foto Andrea Linnenbrink im Okt. 2002

   
Etosha Nationalpark. Laut Wikipedia stammt "der Name „Etosha“ (...) aus dem Oshivambo und bedeutet so viel wie „großer weißer Platz“."
 
 
 
 

Abb. rechts: Etoscha Nationalpark mit Giraffe und Antilopen im Hintergrund. Foto Andrea Linnenbrink im Okt. 2002

   

Die Fotos der Namib und dem Etosha Nationalpark wurden freundlicherweise von Andrea Linnenbrink, Berlin, zur Verfügung gestellt. Herzlichen Dank auch an dieser Stelle.

Literatur:

BORNKAMM, R. & H. KEHL (1987b) Landscape ecology of the western desert of Egypt: Vegetation, Climate, Soils and Landuse.- In: Proc. "Whats Special about Desert Ecology, 14. - 22. March 1987", Ben Gurion University, Sede Boqer, Israel.

KEHL, H. & R.BORNKAMM (1993)
Landscape Ecology and Vegetation Units of the Western Desert of Egypt.- In: MEISSNER & WYCISK (eds.) Geopotential and Ecology - Analysis of a Desert Region.- Catena Supplement 26: 155-178.

LOUW, G.N. & M.K. SEELY (1982)
Ecology of Desert Organisms.- Longman, London and New York. (194 pp.)
Mit vielen Beispielen aus der Namib.


MENSCHING, H.G. (1990) Desertifikation - Ein weltweites Problem der ökologischen Verwüstung in den Trockengebieten der Erde.- Wissenschaftliche Buchgesellschaft. (170 S.)

SHARON, D. (1972) The spotiness of rainfall in a desert area.- J. of Hydrology 17: 161-175.

WHITFORD (2002) Ecology of Desert Systems.- Elsevier, Academic Press (ISBN: 0-12-747261-4, 343 pages).

MEHR Literatur und Infos unter "Erforschung der Western Desert of Egypt" von Kehl & Darius

 
 
© Harald Kehl / TU-Berlin - Institut für Ökologie

 
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