TU-BERLIN Ergänzungen zur Vorlesung TWK an der TU-Berlin
Inst. f. Ökologie

Vegetationsökologie Tropischer & Subtropischer Klimate
von PD Dr. H. Kehl
LV-TWK-Kehl
  ZM43
   
Die Klimawandel-Debatte:
Oft nur eine "Rede über das Wetter"? S. A2-21
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Teil 1: I Bemerkungen zur Klimadebatte und neuen globalen "Verantwortung"
    II Das Niveau der Klimadebatte VI Stand der Dinge - nur wenige Aspekte
    III Eine Welt voller Widersprüche VII Katastrophen haben immer Konjunktur
    IV Temperaturzunahme seit der "Kleinen Eiszeit" VIII Unterschätzte Risiken - das eigentliche Problem?
    V Diskussion um u. Anspruch auf den Konsens   Mehr Links zum Thema "Global Warming"
Teil 2: Erkenntnisse zu und Interpretationen der aktuellen Klimaentwicklung
Teil 3: Bedeutung der Sonnenfleckenaktivität - gering oder hoch?
 
   
Teil
1-VII: Katastrophen haben immer Konjunktur, besonders in den Medien ... Hinweis bitte beachten!
   
  Drei Bedingungen für die Wahrnehmung "katastrophaler" globaler Erwärmung:
   
  1. Hauptsatz: Was nicht kommuniziert wird, ist nicht, und je mehr es kommuniziert wird, desto mehr ist es.
  2. Hauptsatz: Alles, was kommuniziert wird, ist etwas wert, und je mehr es kommuniziert wird, desto wertvoller wird es.
  3. Hauptsatz: Wer kommunizieren will, darf wenig informieren.
  Vilém Flusser, 1920-1991, Philosoph und Medientheoretiker   
VII
 
 

In einer Untersuchung von Petra Pansegrau, Anita Engels, Peter Weingart (2000) mit dem Titel "Alle reden vom Klima - Kommunikationen zum Klimawandel zwischen Wissenschaft, Politik und Massenmedien" (Fakultät für Soziologie, Institut für Wissenschafts- und Technikforschung an der Uni Bielefeld), heisst es:

"Ausgangspunkt der deutschen Klimadebatte war eine Erklärung der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (DPG) zum drohenden Klimawandel, in der vor der Klimakatastrophe und der drohenden vollständigen Unbewohnbarkeit der Erde [die Rede war]. Dieser Aufruf forderte unter anderem einen schnellen Ausbau der Kernkraft und eine sofortige weltweite Regulierung der CO2-Emissionen.

In einem zweiten zusätzlich auch von der Deutschen Meteorologischen Gesellschaft unterzeichneten Aufruf 1987, wurde die Katastrophenwarnung zwar abgeschwächt, die im Text enthaltenen Handlungsanweisungen an die Politik jedoch beibehalten. Durch diesen Kassandraruf der Wissenschaft wurde der Klimaschutz als politisches Handlungsfeld etabliert.

Bis dahin war es für die Klimaforschung trotz verschiedener internationaler Konferenzen nicht möglich gewesen, die öffentliche Aufmerksamkeit für ihr Forschungsgebiet zu erreichen. Dies änderte sich nun geradezu schlagartig. Das Klimaproblem wurde zu einem ständigem Thema sowohl auf der politischen als auch der medialen Agenda.

Der von der Wissenschaft zunächst veröffentlichte und später zurückgenommene Begriff von der "Klimakatastrophe“ etablierte sich zu einer festen Metapher zur Beschreibung der Dringlichkeit des Problems. Die wissenschaftlichen Publikationen adressierten zunehmend und expliziter politische Entscheidungs- und Handlungsinstanzen, zum Beispiel:

„Mein Wunsch lautet deshalb: Rasche Verabschiedung einer weltweiten Klimakonvention mit zugehörigen Protokollen zur Minderung der Emissionen einzelner Spurengase (...). Gleichzeitig sollten die Industrienationen, die Hauptverursacher, massiv einsteigen in eine Politik der effizienteren Energienutzung (...). Aber auch die Verlangsamung der Bevölkerungszunahme ist von zentraler Bedeutung für eine erfolgreiche Emissionsminderung.“
(H. Graßl 1989 in: Phys. Bl. 45)

„Um das Klimaänderungssignal nachweisen und um es eindeutig den Änderungen im CO2 [Gehalt] und anderen Treibhausgasen zuzuschreiben, ist es notwendig, diese Probleme zu reduzieren. Dieses erfordert einen massiven Ausbau der Rechnerkapazitäten, eine Verbesserung der Modelle und globale kontinuierliche Messkampagnen.“
Vgl.: Cubasch, U., Santer, B. D., Hegerl, G. C. (1995) Klimamodelle wo stehen wir? - Phys. Bl. 4/269.

Die hier von Cubasch et al. vertretende Auffassung
entspricht weitgehend der bereits 1989 geäusserten An- und Absicht von Stephen Schneider. Hier kann sich leicht der Eindruck einstellen, als gab es damals bereits eine vorgefasste Meinung (und eben nicht verfizierte wissenschaftliche Erkenntnisse) bzgl. der Wirksamkeit von CO2.

Zur Klärung der Hintergründe für die Dramatisierung des Klimawandels ist evtl. ein Interview mit dem Klimaforscher Prof. Hasselmann im SPIEGEL (41/1992: 268) bereits acht Jahre vor der Pansegrau et al. - Publikation aufschlussreich. Hier ein Ausschnitt:

"SPIEGEL: . . . [die Deutsche Physikalische Gesellschaft, DPG] die im Frühjahr 1986 erstmals vor einer "weltweiten Klimakatastrophe" als Folge des Treibhauseffekts warnte.

HASSELMANN: Ja. Das war die erste dramatische Darstellung in den Medien, der SPIEGEL brachte damals ein Titelbild mit dem Kölner Dom im Wasser. Wir Klimaforscher waren seinerzeit dagegen, weil die DPG mit falschen Zahlen gearbeitet hat. Wir haben gesagt: So kann man es nicht machen.

SPIEGEL: Seither lebt die Klimaforschung von der Angst der Leute.

HASSELMANN: Natürlich versucht jede Wissenschaft darzulegen, dass wichtig ist, was sie macht. Aber die Unterstellung, dass die Wissenschaftler, nur damit sie mehr Geld kriegen, auf die Wichtigkeit ihres Problems hinweisen, ist einfach nicht richtig. Man hat jahrelang nicht auf uns gehört. Erst als die Deutsche Physikalische Gesellschaft mit ihren unseriösen Übertreibungen anfing - viele vermuteten, weil die Energie-Lobby die Kernenergie hochjubeln wollte -, da plötzlich kam es in die Medien."

Hier das vollständige SPIEGEL-Interview mit dem Titel "Wieviel ist der Wald wert?" (41/1992: 268)

   
 
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Die in aller Regel von Wissenschaftlern der nördlichen Hemisphäre vorgebrachte Sorge um den anthropogen bedingten Klimawandel manifestiert sich seither teilweise in absurden populärwissenschaftlichen Apokalypsen - Prognosen. Sie entsprechen mittlerweile dem Mainstream, sind kommerzialisierbar und besonders nachrichtenfähig, denn nach wie vor ist für Medien 'Nur eine schlechte Nachricht auch eine gute Nachricht' (vgl. weiter unten!), aber auch versicherungsrelevant und wird von einem breiten Publikum begierig aufgenommen.

Das Bild - nicht nur von dieser Wirklichkeit - wird zunehmend von den Medien bestimmt. Vgl. Sie dazu "Public Misperceptions of Human-Caused Climate Change: The Role of the Media" - PDF-File 0,9 MB, 25 S. [date of access: 29.01.09]   Aber auch Politik, Wirtschaft und leider auch die Wissenschaft agieren zunehmend nach publizistischen Regeln. Einer seriösen Umweltpolitik und besonders Wissenschaft wird damit ein schlechter Dienst erwiesen.

Galt noch in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts als unumstössliche Tatsache, dass der damals beobachtete Temperaturabfall in der nördlichen Hemisphäre in den davor liegenden 25 Jahren von fast 0,5K eine neue - natürlich anthropogen bedingte (!) - Kälteperiode einleiten würde (siehe unten Stephen Schneider!), so ist die aktuelle - anormale (?) - Erwärmung um 0,4 bis 0,8K selbstredend auch anthropogener Natur. Die - wiederum - wissenschaftlich abgesicherten Katastrophen - Szenarien (oder auch - nach Ansicht des Verfassers - der kontraproduktive Alarmismus von Protagonisten des IPCC) sind - leider - besonders en vogue  

Dazu ein Beitrag von Ulli Kulke in WeltOnline-Wissen vom 30. Jan. 2010 mit dem Titel "Haltlose Prognose - Die selbstgemachte Klimakatastrophe der UN" sowie "UN wrongly linked global warming to natural disasters" in The Sunday Times by Jonathan Leake, Science and Environment Editor, January 24, 2010, und ein lesenswerter Beitrag eines Bloggers aus dem Spiegel-Forum vom 12.02.2010, Beitrag #33 (rx1).

  • Auszug zum Thema: "Und zur Behauptung des IPCC 2007 der Klimawandel würde zu häufigeren und heftigeren Naturkatastrophen führen: Zwar widersprachen dem fast alle dem Rat dafür vorliegende Studien. Doch der Autor dieses IPCC-Kapitels, (...) [Robert] Muir-Wood [auf dessen Aussagen übrigens wesentlich der Stern-Report basierte] (...), zog es – trotz Warnungen von Experten – vor, sich auf seine eigene Studie zu stützen. Die war zu dem Zeitpunkt allerdings noch gar nicht fertig, und als sie 2008 vorlag, musste er eingestehen: „Wir finden keine hinreichenden Beweise für einen statistischen Zusammenhang zwischen den globalen Temperaturen und der Höhe der Katastrophen-Schäden.“ ("We find insufficient evidence to claim a statistical relationship between global temperature increase and catastrophe losses.")
   
 
   
 

In einem Interview mit dem SPIEGEL-Magazin (11/2007 - 12. März, S. 156) gabHans von Storch auf

die Frage:
"Aber viele glauben, der Weltuntergang stehe unmittelbar bevor. Nimmt die Klimadebatte allmählich hysterische Züge an?"
-

die Antwort:
"In der Tat. Die Angst vor der Klimakatastrophe ist uralt - ähnlich wie die Angst vor Fremden. Schon in früheren Zeiten glaubten die Menschen, dass sich das Klima fast immer nur zum Schlechteren verändere, nur ganz selten aber zum Besseren - das war die Strafe Gottes für sündiges Verhalten. Und heute sind es eben diese hedonistischen Verschwender, die die Luft verpesten, um sich in der Südsee schöne Fische anzuschauen. Besser wäre es, wir würden alle nur noch Fahrrad fahren. Ach, immer dieser erhobene Zeigefinger!"

   
 
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Nebenbei: Auch DER SPIEGEL (vgl. Anmerkungen von Hans Magnus Enzensberger, 1957, zur "Sprache des SPIEGEL") trägt wohl wesentlich mit dazu bei, diese Angststimmung zu erzeugen, z.B. mit Titeln wie diesen

1986, August, 'Die Klima-Katastrophe! - Das Weltklima gerät aus den Fugen' mit dem Titelbild eines in den Fluten stehenden Kölner Doms (hier schien es ganz sicher, dass unwiderruflich in den nächsten 50 Jahren der Meeresspiegel um 10 m steigen würde),
1995, März: 'Vor uns die Sintflut - Weltklimagipfel der Katastrophen'
1995, Heft 39: 'Angst vor der Endzeit - Umwelthysterie und Aktionismus - die Deutschen im Ökofieber'
1995, November: 'Das grosse Artensterben - Abschied von der Tierwelt' und 'Wir werden einsam sein'
1997, Heft 51: 'Der Weltuntergang fällt aus'
2006, Heft 45:‘Achtung, Weltuntergang! - Wie gefährlich ist die globale Erwärmung wirklich?’.
2007, März: 'Abschied vom Weltuntergang' -
Dossier mit diversen Artikeln
2007, April:
In der Todeszone des Klimawandels.

Eine Titel-Zusammenstellung finden Sie im Anhang der Arbeit von

Petra Pansegrau (2000) "Klimaszenarien, die einem apokalyptischen Bilderbogen gleichen“ oder „Leck im Raumschiff Erde“. Eine Untersuchung der kommunikativen und kognitiven Funktionen von Metaphorik im Wissenschaftsjournalismus anhand der Spiegelberichterstattung zum "Anthropogenen Klimawandel", Dissertation, Universität Bielefeld, Fak. f. Linguistik und Literaturwissenschaft.

Vgl. Sie auch:

Prof. Dr. Peter Weingart (Vortrag am 8. April 2008, Collegium generale an der Universität Bern, Schweiz)"Alle reden vom Klima - Kommunikationen zum Klimawandel zwischen Wissenschaft, Politik und Massenmedien" [34 S.]
und die Monographie:

Weingart, P., Engels, A. & Pansegrau, P. (2007) Von der Hypothese zur Katastrophe. Der anthropogene Klimawandel im Diskurs zwischen Wissenschaft, Politik und Massenmedien.- Opladen/Farmington Hills, Verlag Barbara Budrich, 2. Auflage.

   
 
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Zur immer aktuellen Untergangs-Euphorie hier der amüsante Beitrag von Cora Stephan "Verliebt in den Untergang?", gesendet in Deutschlandradio Kultur am 13.05.2007 um 12:40 Uhr, nachzulesen im Internet. [date of access: 25.05.2007]

Aus der Einleitung: "Noch vor wenigen Jahrzehnten fürchteten wir uns vor der drohenden Übervölkerung. Heute erspähen wir hinter der Trendumkehr das Aussterben der Menschheit. Vor einigen Jahren noch schien eine neue Eiszeit denkbar. Heute droht die Versteppung Deutschlands. Was immer auch passiert: wir machen das schlimmste daraus. Unter Garantie."

   
   
 

Nach wie vor ist die Mahnung von Prof. Hartmut Grassl (1989-2005 Direktor des MPI für Meteorologie) zutreffend: "Man darf nicht übertreiben. Warum wird immer gleich mit dem Untergang gedroht? Wenn wir so weiter reden, werden wir die Leute mit Sensationsmeldungen so müde machen, dass sie überhaupt nichts mehr glauben." (Frankfurter Rundschau, Herbst 1995, lt. Mitteilungen der DMG)

In dem 10 Jahre später publizierten Buch "Wetterkatastrophen und Klimawandel. Sind wir noch zu retten?" von Hartmut Grassl et al., im Pg Verlag, lässt der Titel diese eingeforderte Zurückhaltung jedoch nicht mehr erkennen. Nun argumentiert er auf dem gleichen Niveau wie der unsägliche Prof. Stephen Schneider.

   
 

Es drängt sich der Eindruck auf, dass erst die Katastrophe stark überspitzt postuliert (jede Umweltveränderung kann aus irgendeiner Perspektive so interpretiert werden), dann scheinbar seriös das Menetekel zurück genommen wird mit der Begründung, man wisse das alles nicht so genau (was der Faktenlage entspricht), um dann zu fordern, dass mehr Geld Kassandra and Ajax at statue of Athenanotwendig ist, um die Wahrheit zu finden. (vgl. dazu die Anmerkung von Cubasch et al.) Denn nur das sei schliesslich verantwortliches Handeln. Voraussetzung dafür sind aber bessere Rechner mit noch besseren Simulationsprogrammen, in denen dann "die Simulation von Simulationsprozessen simuliert" werden kann (SdW, Okt. 2003, S.84, Cartoon). Und wenn sich Katastrophen-Hypothesen auch dann nicht verifizieren lassen, sei der prophylaktische Kassandraruf eben auch kein Nachteil.

Abb. rechts:
"Kassandra [often naked] and Ajax at statue of Athena. Detail from Athenian red-figure hydria c. 480/475 BC. Naples. Museo Archeologico Nazionale H2422 © Museo Archeologico Naples"
© Beazley Archive 1997-2008

Dazu Prof. Hubert Markl (1991, S. 53): "Es ist nicht immer der der beste Freund, der uns am glaubwürdigsten Schrecken auszumalen und vorherzusagen weiss. Kassandra ist zwar populär, aber ihr Ruf ist auf ein scheinheiliges Kalkül begründet: Trifft das Unglück, das sie vorhergesagt hat, ein, so hat sie recht; ereignet es sich nicht, so hat sie es eben mit ihrer Warnung erst verhindert." (H. Markl war Präsident der DFG von 1986-1991 und von 1996-2002 Präsident der Max Planck Gesellschaft)

   
 
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Vergleichen Sie in diesem Zusammenhang das - m.E. erschreckende und keinesfalls hinzunehmende - Statement von Prof. Stephen Schneider, (Link No. 1 mit Kommentar im Economist) Editor von 'Climatic Change' und der Enzyklopädie 'Climate and Weather', ausserdem einer der führenden Autoren vieler IPCC Artikel sowie (zusammen mit Dr. Richard Moss) des 'IPCC guidance paper on uncertainties' 501KB, 19 S.

Stephen Schneider sagte in einem Interview mit Jonathan Schell in dem "Discover Magazine" schon im Okt. 1989:

"On the one hand, as scientists we are ethically bound to the scientific method, in effect promising to tell the truth, the whole truth, and nothing but - which means that we must include all the doubts, the caveats, the ifs, ands, and buts. On the other hand, we are not just scientists but human beings as well. And like most people we'd like to see the world a better place [...] To do that we need to get some broad-based support, to capture the public's imagination. That, of course, entails getting loads of media coverage. So we have to offer up scary scenarios, make simplified, dramatic statements, and make little mention of any doubts we might have [...] Each of us has to decide what the right balance is between being effective and being honest.”


Das vollständige Statement finden Sie unter dem Link No. 2. und ein interessanter Kommentar dazu unter No. 3

Link extern[URL http://www.economist.com/ - [date of access: 22.02.05]
Link extern[URL http://rpuchalsky.home.att.net/sci_env/sch_quote.html -
date of access: 22.02.05]

Link extern[http://www.worldclimatereport.com/index.php/2004/06/17/59/ - date of access: 01.12.07]

Noch zwei Jahre vor diesem Statement hatte Stephen Schneider die Glaubwürdigkeit von Klimamodellen mit der esotherischen Suche des Schicksals in einer schlecht polierten Kristallkugel verglichen.

Zur Einschätzung der wissenschaftlichen Reputation von Schneider ist evtl.eine Buchbesprechung 5 S. (Laboratory Earth: The Planetary Gamble We Can't Affort To Lose, New York, Basic Books, 1997, 174 pp.) durch Richard S. Lindzen aufschlussreich.

Es soll in diesem Kontext nicht unerwähnt bleiben, dass der gleiche Stephen Schneider (als Co-Autor zusammen mit S. Ichtiaque Rasool) Anfang der 70er Jahre mit grosser Überzeugung die Meinung vertrat, die nächste Kaltzeit sei wegen anthropogen verursachter Aerosole durchaus möglich:

Rasool, S.I. & S.H. Schneider (1971) Atmospheric Carbon Dioxid and Aerosols; Effects of Large Increases on Global Climate.- Science, Vol. 173 (July 9), p. 138-141.

"... our calculations suggest a decrease in global temperature by as much as 3.5°C. Such a large decrease in the average temperature of Earth, sustained over a period of few years, is believed to be sufficient to trigger an ice age. However, by that time, nuclear powermay have largely replaced fossil fuels as a means of energy production."

Das National Science Board der USA stellte 1972 fest: "Judging from the record of the past interglacial ages, the present time of high temperatures should be drawing to an end ... leading into the next glacial age." etc, gefunden bei Wikipedia "Global cooling". Es wird immer wieder Wert gelegt darauf, dass das Zitat nicht vollständig sei. In diesem Kontext ist das jedoch völlig irrelevant.

Aber natürlich ist unbestritten, dass sich mittlerweile der Kenntnisstand wesentlich verbessert hat und Klima-Modelle und Statistiken zuverlässiger sind ... Dazu eine - sicher nicht ganz ernst gemeinte (?) - Bemerkung von Benjamin Disraeli (populär gemacht von Mark Twain) bzgl. Statistiken: "There are three kinds of lies: Lies, Damned Lies, Statistics", eine allgemeine Erkenntnis übrigens, die oft im Zusammenhang mit nie belegten Äusserungen eines gewissen Sir W.C. gern erwähnt wird.

   
 
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Eine besonders kuriose Blüte der Vereinfachung bei der Ermittlung der "tatsächlich gemessenen Erderwärmung" im 20. Jahrh. von 0.6 ±0.2°C (bzw. 0.7°C) findet sich auf den Seiten des Umweltbundesamtes (UBA) unter der Überschrift "Skeptiker fragen, Wissenschaftler antworten".

"Frage 6. Ist nicht der menschliche Beitrag zum Treibhauseffekt gegenüber dem natürlichen sehr klein und daher unbedeutend?" unter Bezugnahme auf das umstrittene Buch „Klimafakten” (von Berner und Streif), wobei vermutet werden könnte (oder sollte?), dass Dr. Ulrich Berner und Dr. Hansjörg Streif von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe keine (für diese Fragestellung relevanten?) Wissenschaftler sind.

Dort heisst es:
[1. Absatz ist Zitat aus Berner & Streif 2000, Seite wird nicht genannt = S.87]
"'Im Vergleich mit dem Gesamt-
Treibhauseffekt unserer Erde machen die anthropogenen Anteile beim Kohlendioxid 1,2% und bei den Nicht-Kohlendioxid-Gasen 0,9% aus. Beide Werte liegen noch deutlich im Bereich der Unsicherheiten, die bei der heutigen Bestimmung des Gesamt-Treibhauseffekts zu veranschlagen sind.”
( Den fraglichen Textabschnitt finden Sie hier!)

[Antwort:] Diese Aussage ist Wort für Wort gelesen zwar richtig, kann aber irreführend sein. Viele Laien verstehen unter dem Gesamttreibhauseffekt die gegenwärtige Erderwärmung. Sie sind deshalb überrascht, dass im Gegensatz zur allgemeinen „Panikmache” der Treibhauseffekt also nur zum kleinsten Teil (insgesamt 2%) vom Menschen verursacht sein soll.

Die Zahl 2% trifft jedoch nur zu, wenn man den menschlichen Treibhauseffekt (der die derzeitige Erderwärmung überwiegend verursacht) mit dem natürlichen Treibhauseffekt vergleicht, der seit Urzeiten die Erde warm hält und etwa 33°C ausmacht.

Schon eine grobe (weil lineare) Überschlagsrechnung ergibt, dass 2% von 33°C etwa 0,7°C ergibt - was ziemlich genau der im 20. Jahrhundert tatsächlich gemessenen Erderwärmung entspricht und daher die Warnungen der Klimaforscher stützt, nicht etwa relativiert. Dass eine kleine relative Änderung erhebliche Auswirkungen mit sich bringen kann ...."'

Ob zu diesem hanebüchenen Unsinn wohl Mut gehört? Vgl. Sie dazu z.B. die
Anmerkungen eines Beitrags im KlimaPortal, auch Solanki et al. (2003) sowie generell die Seiten Treibhauseffekt, "Bedeutung der Sonnenaktivität für die globale Klimaentwicklung" und noch einmal den Abschnitt "Klimawandel im 20. und 21. Jahrhundert: Welche Rolle spielen Kohlendioxid, Wasser und Treibhausgase wirklich?"

   
 
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  Alarmismus und Risiko-Religion
   
 

Wenn als Folge des Alarmismus (in welche Richtung auch immer) ausgewiesene Gegner jeglicher nachhaltiger Umweltpolitik einigen Klimaforschern, aber auch Politikern (vgl. z.B.Al Gore), unterstellen, sie seien geradezu missionarisch besessen von Weltrettungs-Fantasien, dann ist dies - leider - durchaus zu verstehen.

In der Tat zeigt sich mittlerweile ein fast religiöser Eifer (von Klimaforschern, Politikern, einigen NGOs und vor allem den schrillen Medien), sich in apokalyptischen Weltuntergangs-Szenarien zu überbieten, besonders vor der 12. Klimakonferenz in Nairobi (07.11.06) und nach Veröffentlichungsbeginn des 4th AR des IPCC "Climate Change 2007" sowie besonders nach Veröffentlichung des letzten und abschliessenden AR4 "Synthesis Report". Jene aktuelle Meldung, wonach der Klimawandel Wissenschaft und Religion vereinigt (Climate change unites science and religion), - in NewScientist Environment vom 18.01.2007 - durfte geradezu erwartet werden. [date of access: 18.01.07] Da passt es dann auch, wenn die IPCC-Reports in einigen Medien als "Klima-Bibel" (eine Ersatzbibel sozusagen) bezeichnet wird.

Diese Bewegung - der Soziologe Ulrich Beck spricht in einem Interview von einer missionierenden "Risiko-Religion" als einem Glaubensersatz, zu der immer mehr Menschen konvertieren - kann teilweise durchaus in der Nähe des fanatisch religiösen Ökologismus (sozusagen einer säkularen Religion "mit ideologisierter Schuld-Sühne-Busse-Semantik") gesehen werden - wogegen sich z.B. der Heidelberg Appeal wandte -, deren totalitäre und damit antidemokratische Tendenzen m.E. nicht unterschätzt werden sollten.

Aber auch einer grossen westlichen Kirche passt die Diskussion offensichtlich ins Konzept. Die Spezialisten für den Glauben ans Unbewiesene lassen nun neuerlich durch Ihren Oberhirten verkünden (Juli 2008, Sydney): Der Mensch ist Schuld am wärmeren Klima! Übrigens die gleiche Institution, welche die Verbreitung tatsächlicher Erkenntnisse mit dem Scheiterhaufen bestrafte und Charles Darwin nach wie vor verteufelt. Nebenbei: erst 400 Jahre später, nämlich "im Jahr 2000 erklärten der päpstliche Kulturrat und eine theologische Kommission die Hinrichtung Giordano Brunos für Unrecht." An dieser Stelle zur Erinnerung noch einmal das obskure Logo des PIK verbunden mit der freundlichen Bitte, sich über die Diskussionsstrategien von Obskuranten zu informieren.

Mittlerweile ist sogar metaphysischer Unsinn wieder en vogue. Vgl. James Lovelock (2007) "Gaias Rache. Warum die Erde sich wehrt."- Verlag List, Berlin (256 S.). Besprechung von Johannes Kaiser im Deutschlandradio Kultur vom 06.02.07. Lovelock ist übrigens ein heftiger Befürworter der Kernkraft.

Vielleicht amüsiert Sie ja trotzdem zum Thema die Glosse des Journalisten Michael Miersch, einem "Nicht-Klimatologen" und ganz sicher nicht (!) sachlichen Kritiker der Bewegung [date of access: 07.11.06] sowie die Bemerkungen von Thomas Hoof (Gründer von "Manufactum"), der sich gegen die "Hysterisierung der Öffentlichkeit" - vor allem im März und April 2007 - durch die deutsche Presse wandte. Vgl. "Noch mal aufgemacht. Die Klimakiste (Alles wird knut.)" - 4 S. [date of access: 13.07.07].

Erkenntnisse zu und Interpretationen der aktuellen Klimaentwicklung wurden in einem Abriss zusammengestellt!

   
  Ein kritischer Rationalismus der Wissenschaft - inkl. zurückhaltende Vorsicht und Verantwortung bei der Darstellung von Forschungsergebnissen - wäre hier sicher angebrachter als das (sit venia verbo) - sich prostituierende - Schielen auf sprudelnde Geldquellen (z.B. als Forschungsmittel, aber auch für Öffentlichkeitsarbeit und fundraising) und Einfluss (bzw. Macht), da dies wesensmässig etwas anderes ist, als der Wille zur überprüfbaren Wahrheit. (Eduard Spranger, 1988: 29, übertragen auf die aktuelle Situation) Denn - alleine dem Zeitgeist gehorchende - "Überzeugungen sind gefährlichere Feinde der Wahrheit als Lügen." (noch einmal F.N. aus 'Menschlich, allzu menschlich')
   
 

Vgl. Sie dazu auch die Anmerkungen von Prof. Hubert Markl (1998) in "Wissenschaft gegen Zukunftsangst" [date of access: 30.05.04] sowie die bereits vor 11 Jahren gemachten wichtigen Bemerkungen des populären Wissenschaftspublizisten Hoimar v. Ditfurth (1994) Die Sterne leuchten, auch wenn wir sie nicht sehen - Über Wissenschaft, Politik und Religion,
besonders S. 94: Die Wissenschaft als Hure - Weltbilder sind Handlungsanleitungen.

   
 

Sehr "kenntnisreich und aktuell" sowie pointiert polemisch hat Josef Reichholf (2002) in "Die falschen Propheten - Die Lust an Katastrophen" die masslos übertriebene Ökoprophetie angeprangert.

   
 

Zweifellos haben auch spontane (z.B.Vulkanausbrüche) oder sich über mehrere Jahre hinziehende - und vom Menschen völlig unabhängige - Umweltveränderungen als Ausdruck eines dynamischen Planeten, aber mit katastrophalen Auswirkungen für Menschen, einen festen Platz im Gedächtnis fast aller Kulturen. Sie waren in der Vergangenheit und sind besonders in einer hoch technisierten Zivilisation, als sogenannte "Naturkatastrophen", Bestandteil und Bedrohung zugleich. Z.B.: (die Angaben zu den Opferzahlen sind bestenfalls Richtwerte und sicher häufig zu hoch!)

  • der gewaltige Vulkanausbruch von Santorini vor sehr langer Zeit (1628/1627 BD / v. Chr.) mit einem alles vernichtenden Tsunami (evtl. Hintergrund der Sintflutsage?),
  • bei Ausbruch des Vesuv die Auslöschung von Pompeji und Herculaneum im Jahre 79 AD / n. Chr.,
  • 26.12.838 - Grosse Teile der niederländischen Küste werden bei einer Sturmflut überflutet,
  • das Beben zwischen Syrien und Ägypten am 12. Juli im Jahre 1201, bei welchem mit 1.000.000 Toten vermutlich die meisten Opfer zu beklagen waren,
  • erste Marcellusflut am 16.01.1219. Die Sturmflut überschwemmt weite Küstenbereiche der Niederlande und fordert etwa 36.000 Menschenleben,
  • die zwei "groten Manndränken” (1362 und 1634) an der Nordseeküste (neben vielen anderen) mit wohl mehr als 100.000 Toten,
  • das Shaanxi-Beben (China) am 23. Januar 1556 mit etwa 830.000 Toten bei relativ geringer Bevölkerungsdichte (!),
  • die Zerstörung Lissabons am Vormittag des 1. November 1755 (Erdbeben und Tsunami mit 60 bis 70.000 Toten),
  • Ausbruch des Vulkans Tambora in Indonesien im April 1815 mit globalen Auswirkungen. 1816 ist der kälteste Sommer seit 500 Jahren in Europa.
  • Ausbruch des Krakatau am 26. August 1883 (der wohl grösste Vulkanausbruch der Neuzeit) mit globalen Folgen für Witterungsabläufe,
  • in Xining und Kansu (China) sterben 1920 und 1927 jeweils etwa 200.000 Menschen durch schwere Erdbeben,
  • das Tangshan-Beben (China) vom 27. Juli 1976 mit offiziell 290.000 - jedoch wohl bis zu 655.000 Toten,
  • das kürzliche Seebeben in Südasien mit verheerenden Folgen eines Tsunami (wohl über 300.000 Tote).

    etc. etc.

  • Z.B. aber auch Dürrekatastrophen:
    "... beispielsweise in Indien (1769/70) mit geschätzten 3 bis 10 Millionen Toten, 1876 ff 5 bis 6 Millionen Tote, 1899 ff 1,5 bis 3,5 Millionen Tote, in China (1876 ff) 9 bis 13 Millionen Tote, 1958 ff 3 bis 10 Millionen Tote und in Russland (1921/22) 1,5 bis 5 Millionen Tote," ... "die grosse Dürre in den USA von 1932-40 ... 350.000 Menschen verlassen ihre Heimat ..." etc. etc. (Alisch 2007 - Lit. angabe nächster Absatz!)

    Vgl. Sie die
    Chronik und Statistik zu Erdbeben, die Chronik und Statistik der Sturmfluten an Ost- und Nordsee, allgemein eine Chronik und Statistik zu Naturkatastrophen und zur Klimageschichte, Bedeutung von Vulkanausbrüchen in der Vergangenheit und Prognosen zum Supervulkan, zusammengestellt von der LearnLine (NRW, Landesinstitut für Schule und Weiterbildung), sowie von Tatjana Alisch (2007) Naturkatastrophen.- Compact Verlag (128 S.)
    [date of access: 12.03.05]

    Und natürlich wurde schon immer von den heftigsten Kapriolen des Wetters, aber eben auch Klimas berichtet. Vgl. Sie dazu den Abschnitt 'Klimaentwicklung im aktuellen Holozän', besonders dieLiteraturangaben zur Klimageschichte.

Vor diesem Hintergrund entstanden auch düstere Prophezeiungen (von Johannes bis Nostradamus und bis in die Moderne) und apokalyptische Erwartungen, welche - leicht nachprüfbar - von interessierter Seite instrumentalisiert wurden und werden. Albrecht Dürer (1498) Die vier apokalyptischen Reiter

Abb. rechts: Die vier apokalyptischen Reiter,
Albrecht Dürer, 1497-98, Holzschnitt, 399 x 286 mm
Kupferstichkabinett, Staatliche Kunsthalle, Karlsruhe

Wenn der Öffentlichkeit von den Medien suggeriert wird, dass die Natur der "Natur" zum "Feind" werden kann, oder zum Opfer des Klimas wird (z.B. in dem absurden Zeitungsartikel einer Berliner Tageszeitung "Natur beeinflusst das Klima stärker als gedacht"), oder der "Achtung, Weltuntergang! Wie gefährlich ist die globale Erwärmung wirklich?", aber auch "Artensterben - Der Todeskampf der Tierwelt" von "Deutschlands bedeutendstem und Europas auflagenstärkstem Nachrichten-Magazin" und wohl auch meinungsbildendem Nachrichtenmagazin in Deutschland beschworen wird, einem Magazin, das immerhin "schreibt was ist" (Eigenwerbung), wird der Schwachsinn auf die Spitze getrieben. Zunehmend negative Konnotationen sonst wertfreier Begriffe für die Beschreibung normaler bzw. "natürlicher" Vorgänge in unserer Umwelt gehören mittlerweile zum Repertoire der sogenannten Fachjournalisten und nahezu jeden Artikels über Umweltveränderungen.

Diese Tendenz findet sich nicht nur im Boulevard-Journalismus (was DER SPIEGEL ganz sicher nicht sein möchte), sondern findet sich zunehmend in sonst seriösen Wissenschafts-Magazinen, wo es in einem [aus ökologischer Perspektive geradezu unverantwortlichen] Beitrag von Daniel Grossmann heisst (Spektrum der Wissenschaft, April 2004, S. 61), "Fest steht vor allem eines, in den Worten von Alastair Fitter [Biologe von der University of York, UK, Anm. Verf.]. 'Die Natur merkt, was mit dem Klima geschieht'. Und er ergänzt: 'Es kommt noch schlimmer'".

Vgl. Sie dazu Clausen et al. (2003) "Entsetzliche soziale Prozesse. Theorie und Empirie der Katastrophen. Konflikte, Krisen und Katastrophen - in sozialer und kultureller Sicht".

   
 

Der Philosoph Sir Karl Raimund Popper monierte in diesem Kontext sehr zu Recht, dass das derzeit 'herrschende allgemeine Gejammer über die böse Welt' der überall lauernden Katastrophen mittlerweile zur 'herrschenden Religion unserer Zeit' geworden sei, was jedoch 'zu allen Tatsachen im Widerspruch' steht.

   
 

Unter dem Titel "Wider den Katastrophenkonsens, Die Welt wird täglich besser, aber die Leute wollen es nicht hören", wird von Jochen Steiner im SdW, 08/2009, S.101, das neue Buch von Maxeiner & Miersch (2008 ) Frohe Botschaften, wjs, Berlin (208 S.), vorgestellt. Wenn auch die Wahrnehmung manchmal sehr selektiv zu sein scheint, so gibt die überaus amüsante Lektüre doch "... Stoff für deutlich längeres Nachdenken." (zit. Jochen Steiner).

   
 

Abgesehen von der trivialen Erkenntnis, dass die Natur per se keine Katastrophen kennt und derart Zuweisungen ausschliesslich dem anthroprozentrischen Bewertungssystem entstammen, ist zu fragen, was aber ist dann für wen und wann eine "Katastrophe"? Sind nicht anderswo z.B. die Effekte einer globalen Erwärmung "eher willkommene Vorgänge, weil sie hier in toto weit mehr Nutzen als Schaden anrichten?" ... "Wir können mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit vorhersehen, dass es bei diesem Wandel des Klimas auch Gewinner geben wird." (aus: Otmar Seuffert in PGM 144, 2000a-b / 4)

Vgl. Sie dazu auchKehl 2003 - den Abschnitt "Stabilität des Standortes und ökologisches Gleichgewicht, die fatalen Illusionen". (vgl. dazu auch Cook et al. 2015)

Abgesehen von der unterschiedlichen Bewertung von Umweltveränderungen, ist die zutreffende (und zunehmend aktuelle - siehe folgend!) Bemerkung von Heinz Haber (1992) zu berücksichtigen: "Nicht jene Katastrophenmeldungen, die wir laufend für die nächsten 20 oder 30 Jahre den Zeitungen entnehmen müssen, haben das Hauptgewicht, NEIN, es ist die stets wachsende Zahl der Menschen auf dieser Erde."

Auf diese Problematik weist auch Lester R. Brown hin in einem Beitrag im SdW (Spektrum der Wissenschaft) vom Oktober 2009, S. 80: "Globaler Kollaps durch Hungersnöte? Nichts bedroht den Fortbestand unserer Zivilisation so sehr wie der Zusammenbruch ganzer Staaten durch plötzlichen Nahrungsmangel. Ursache solcher Hungerkrisen sind letztlich verschlechterte Umweltbedingungen." Den Zusammenhang von Bevölkerungsexplosion und fataler Umweltveränderung thematisierten im Sept. 2009 zwei Artikel in DIE ZEIT: "Fatales Wachstum - Die Bevölkerungsexplosion ist auch ein Klimaproblem" und "Weniger Menschen, weniger Treibhausgase" mit Verweis auf einen Artikel in Phil. Trans. R. Soc. B 27 October 2009 vol. 364: "Human population growth and the demographic transition", by John Bongaarts.

Vor diesem Hintergrund stellen tatsächlich bereits kleine - eben auch natürliche - Veränderungen in der Umwelt (cf. Cook et al. 2015) grosse Bedrohungen für Menschen in dicht besiedelten Gebieten dar. Umso mehr ist die Warnung von David Pimentel ernst zu nehmen: "If we refuse to reduce our numbers ourselves, nature will find much less pleasant ways to control human population: malnourishment, starvation, disease, stress and violence." (David Pimentel 1994, Prof. für Ökologie und Ökosystembiologie an der Cornell University.

 
 
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  Anmerkung:
   
 

Die bereits 1957 von H.M. Enzensberger gemachten Bemerkungen über Stil und Ziel des Magazins DER SPIEGEL in dem Beitrag "Die Sprache des SPIEGEL" haben nach wie vor und vermutlich aktuell sogar noch mehr Gültigkeit. Z.B. hier:

"Unter allen Mitteilungsformen kommt diejenige am seltensten vor, nach der das Magazin benannt ist: Die schlichte Nachricht." (S.143)

"Die Ideologie des SPIEGEL ist nichts weiter als eine skeptische Allwissenheit, die an allem zweifelt ausser an sich selbst." (S.146)

"Die Thesen [Enzensbergers] lassen sich zusammenfassen:

  • Die Sprache des SPIEGEL verdunkelt, wovon sie spricht.
  • "Das deutsche Nachrichten-Magazin ist kein Nachrichten-Magazin.
  • Der SPIEGEL übt nicht Kritik, sondern deren Surrogat.
  • Der Leser des SPIEGEL wird nicht orientiert, sondern desorientiert.

Diesen vier Thesen lässt sich eine fünfte an die Seite stellen: Der SPIEGEL ist unentbehrlich, solange es kein kritisches Organ gibt, das ihn ersetzen kann. ..." (S.149)
Auszug vom 15.01.1997 -
5 S. [date of access: 17.09.07]

 
   
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Weiterführende Links zum Thema "Global Warming" etc. innerhalb dieser Website ( nur kurze Hinweise!):
   
  Das zyklische Auftreten von Kalt- und Warmzeiten im Laufe der Erdgeschichte.
Das zyklische Auftreten Warm- und Kaltzeiten (150 Mio. Zykluszeit / Eis-Zeitalter)
Das zyklische Auftreten Warm- und Kaltzeiten (125.000. Zykluszeit / Eiszeit-Zyklus)
Klimaschwankungen im Jungpleistozän und Holozän und Vegetationsgeschichte
Kurzer Überblick zur Klimageschichte
Literaturangaben zur Klimageschichte, kleine Auswahl
Globalklimatische Grundlagen und Entstehung von Vegetationszonen
Die glaziale und postglaziale Vegetationsgeschichte Afrikas
Postglaziale aride und humide Phasen in der Sahara Afrikas
Meeresspiegel während des LGM (120m unter NN) u. Simulation um +5m ü.NN
Glaziale bis postglaziale Nordseegeschichte
Entwicklung der Insel Sylt
Holozäne Optima und Pessima
2000 Jahre Temperaturentwicklung der nördlichen Hemisphäre, Bemerkungen zum "Hockeystick"
Sargasso Sea Surface Temperature (3000 BP - Present)
Der sogenannte Treibhauseffekt
Hurrikane haben nicht immer Saison
Elektromagnetisches Spektrum, Strahlungsenergie und Absorption
Die Bedeutung von Kohlendioxid
Der Kohlenstoffkreislauf - Ein kleiner Einblick
Das zyklische Auftreten von Sonnenzyklen
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© Harald Kehl - TU-Berlin - Institut für Ökologie



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