Erläuterungen zur Vorlesung TWK an der TU-Berlin
Inst. f. Ökologie
(1998-2016)


Vegetationsökologie Tropischer & Subtropischer Klimate
LV-TWK-Kehl
von PD Dr. H. Kehl  
  ZM48
 
Die Debatte um den Klimawandel:
Oft nur eine "Rede über das Wetter"? A2-18
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Teil 1: I Bemerkungen zur Klimadebatte und neuen globalen "Verantwortung"
    II Das Niveau der Klimadebatte VI Stand der Dinge - nur wenige Aspekte
    III Eine Welt voller Widersprüche VII Katastrophen haben immer Konjunktur
    IV Temp.-zunahme seit "Kleiner Eiszeit" VIII Unterschätzte Risiken - das eigentliche Problem?
    V Diskussion um u. Anspruch auf den Konsens   Mehr Links zum Thema "Global Warming"
Teil 2: Erkenntnisse zu und Interpretationen der aktuellen Klimaentwicklung
Teil 3: Bedeutung der Sonnenfleckenaktivität - gering oder hoch?
   
Teil
1 - IV: Temperaturzunahme seit der "Kleinen Eiszeit" - Aber Warum? Hinweis bitte beachten!
   
  Seien Sie skeptisch, informieren Sie sich selbst intensiv und verantwortlich, denn:
  "Unser Kopf ist rund, damit unser Denken die Richtung wechseln kann." Francis Picabia
IV
 
 

Vor dem Hintergrund einer verbittert geführten Diskussion um die Ursachen einer globalen Zunahme der Temperaturen - regional durchaus unterschiedlich -, vor allem zur Frage, ob der gestiegene CO2 - Gehalt in der Atmosphäre oder die ungewöhnlich hohe Sonnenaktivität seit etwa dem letzten Drittel des 20. Jahrhunderts die dominierenden Faktoren der aktuellen Klimadynamik sind, fallen (auch) dem Nicht-Klimatologen - in diesem Fall einem Wissenschaftler, der sich mit der Ökosystem-Analyse beschäftigt - zunehmend widersprüchliche Meldungen und heftige gegenseitige Diffamierungen von Fachwissenschaftlern auf, wobei das natürlich nicht neu ist - man denke nur an die Auseinandersetzungen um Darwin, Haeckel, Wegener und vielen anderen davor und danach.

Die einen - vor allem (europäische und besonders deutsche sowie englische) Vertreter des IPCC - sind sich sicher, die gegenwärtige Temperaturzunahme sei zu ca. 66 - 90 % (vgl. IPCC 2001, Vol. 1, S. 61: “In the light of new evidence and taking into account the remaining uncertainties, most of the observed warming over the last 50 years is likely (66 to 90%) to have been due to the increase in greenhouse gas concentrations“) auf den anthropogen gestiegenen CO2 - Gehalt in der Atmosphäre zurück zu führen. Ebenso wird das im 4th Assessment Report "Climate Change 2007" gesehen. Die Sonnenaktivität sei in diesem Kontext eine vernachlässigbare Grösse, dies vor allem in den letzten 20-30 Jahren.

Die anderen (vgl. Opponents, aufgeführt in Wikipedia Hinweis) halten die
Sonnenaktivität (i.d.R. indirekt) für den entscheidenden Motor auch der gegenwärtigen Temperaturzunahme und den gestiegenen CO2 - Gehalt für vernachlässigbar und die bisher postulierte Ausgangsgrösse für falsch. (vgl. Link zum Video oben!) Übrigens: Die im 3rd AR 2001 noch sehr häufig auftauchende Hockeystick-Kurve (als Hauptnachweis und -argument für die Einmaligkeit der aktuellen Temperaturzunahme) fehlt im 4th AR ohne jegliche Erklärung, was jedoch erwartet werden durfte nach ihrer Bedeutung noch 2001.

Den Beobachter dieser Diskussion verwundert jedoch sehr, wenn andererseits von weiteren ehrenwerten Forschungseinrichtungen (siehe Teil 3) Erkenntnisse publiziert werden, wonach besonders in den letzten Jahren die Sonnenaktivität doppelt so hoch ist wie der langfristige Mittelwert und so stark war wie seit 1.000 oder sogar 8.000 Jahren nicht mehr.

Das heisst also:
Einerseits ein stark gestiegener
CO2 - Gehalt in der Atmosphäre und andererseits nach sehr vielen Autoren die höchste Sonneneinstrahlung seit 8.000 Jahren. Oder ist doch eher (noch) einzelnen Stimmen, z.B. den Ergebnissen aus Davos vom PMDO mehr Vertrauen zu schenken? Vgl. Fröhlich (2006) und die dort zitierten Statements, die viel Unsicherheit erkennen lassen. Von den CO2 - Überzeugten wird jedenfalls Fröhlich mit Fleiss zitiert.

Dabei ist von hoch komplexen Zusammenhängen bzw. Rückkoppelungseffekten auszugehen, die in weiten Teilen bzgl. kosmischer Strahlung und Entwicklung und Einfluss auf die Wolkenbildung noch nicht ausreichend verstanden sind. So hiess es in einer Mitteilung des Forschungszentrums Jülich vom 31. Mai 2001 zu Forschungsergebnissen im Rahmen einer Studie des Weltklimaforschungsprogramms (WCRP) mit 68 renommierten Wissenschaftlern aus sieben Ländern: "Nicht Kohlendioxid [als trockenes Treibhausgas, Anm. Autor] ist - entgegen der weit verbreiteten Meinung - das Treibhausgas Nummer eins in unserer Atmosphäre, sondern Wasserdampf. Um mehr als 75 Prozent ist die Konzentration dieser Substanz in den oberen Luftschichten [Stratosphäre] in den letzten 45 Jahren angestiegen", was deutliche Klimaauswirkungen hat. "Die vollständigen Gründe für die Zunahme des stratosphärischen Wasserdampfs im letzten halben Jahrhundert sind bisher nicht bekannt."

Dabei muss berücksichtigt werden, dass normalerweise ca. 65 % des Treibhauseffektes (Überblick in Wikipedia Hinweis) durch Wasserdampf und ca. 30 % (die Angaben sind sehr umstritten, siehe folgend!) durch CO2 verursacht werden. Das IPCC gibt 25 %, Schack (1972) 13 %, Marsh (2002) 10 % und Jaworowski (2003) nur 3 % an (Angaben tw. nach Lüdecke 2005, S. 24) PDF-File 1,05 MB, 41 S. [date of access: 07.09.06] . R. S. Lindzen (MIT-Professor für Meteorologie) geht davon aus, daß dem CO2 nur etwa 5 % des natürlichen Treibhauseffekts zuzuordnen sind (nach Hug 1998:Die Klimakatastrophe - ein spektroskopisches Artefakt?) Die Differenz zu 100 % entspricht dann jeweils etwa der Bedeutung des Wasserdampfes.

  • Lüdecke, Lindzen und Hug werden von CO2-Befürwortern als nicht ernst zu nehmende Kritiker verstanden. Näheres zum CO2 - Gehalt in der Atmosphäre auf einer eigenen Seite.

  • Zur Problematik, die Bedeutung des Wasserdampfes genau zu bestimmen, finden Sie auf physicsweb unter dem Titel "The climatic effects of water vapour" eine - mehr oder weniger - gut verständliche Zusammenfassung mit Literaturangaben.

    • Generell: "Many aspects of the seemingly simple water molecule conspire to make it difficult to model its effect on our climate."

Wenn für IPCC-Klimatologen fest steht, dass in der Vergangenheit, neben den langfristig sich verändernden kosmischen Bedingungen, auch die relativ kurzfristig variierenden Sonnenaktivitäten für globale Temperaturabnahmen und -zunahmen verantwortlich sind, was allgemein unbestritten ist, ist bemerkenswert, dass die bisher höchste nachgewiesene Sonnenaktivität nun eine zu vernachlässigende Grösse darstellen soll, ja sogar bestritten wird.

Besonders aufmerksam wird der Beobachter jedoch, wenn von führenden IPCC-Klimatologen (oder sollte man eher sagen Ideologen?) falsche Aussagen gemacht werden, oder z.B. wesentliche - angeblich wissenschaftlich korrekte - Analyseergebnisse zur Stützung der CO2 - These sich als unhaltbar herausstellen und Kritiker der CO2 - These als Lobbyisten der Öl- oder Kohleindustrie diffamiert werden.

Und einer der lautesten und rhetorisch geschicktesten Propagandisten der CO2 - These vielleicht sogar eng mit einem der weltweit grössten (Rück-) Versicherungsunternehmen kooperiert (evtl. ein Versicherungsvertreter sogar, was durchaus i.O. ist), in dessen Risikokalkulation der prognostizierte "katastrophale" Klimawandel mit allen Folgen sich mit hohen Prämien nun bestens legitimieren lässt.

"Als Faustregel unterlegen die Versicherer ihrer Kalkulation in die Zukunft eine Vorhersage, die das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) über die Folgen der Erderwärmung getroffen hat." (SPIEGEL-ONLINE vom 3. Febr. 2007). Siehe auch DER SPIEGEL vom 03. Sept. 2007, S.83: "Rückversicherer als Krisengewinner?"

Eine kurze und pointierte Zusammenfassung der "verschiedenen Argumente und Standpunkte in der Klimadebatte" gibt aktuell Hans Labohm (2007) im NOVO-Magazin.

   
 
   
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Weiterführende Links zum Thema "Global Warming" etc. innerhalb dieser Website ( nur kurze Hinweise!):
   
  Das zyklische Auftreten von Kalt- und Warmzeiten im Laufe der Erdgeschichte.
Das zyklische Auftreten Warm- und Kaltzeiten (150 Mio. Zykluszeit / Eis-Zeitalter)
Das zyklische Auftreten Warm- und Kaltzeiten (125.000. Zykluszeit / Eiszeit-Zyklus)
Klimaschwankungen im Jungpleistozän und Holozän und Vegetationsgeschichte
Kurzer Überblick zur Klimageschichte
Literaturangaben zur Klimageschichte, kleine Auswahl
Globalklimatische Grundlagen und Entstehung von Vegetationszonen
Die glaziale und postglaziale Vegetationsgeschichte Afrikas
Postglaziale aride und humide Phasen in der Sahara Afrikas
Meeresspiegel während des LGM (120m unter NN) u. Simulation um +5m ü.NN
Glaziale bis postglaziale Nordseegeschichte
Entwicklung der Insel Sylt
Holozäne Optima und Pessima
2000 Jahre Temperaturentwicklung der nördlichen Hemisphäre, Bemerkungen zum "Hockeystick"
Sargasso Sea Surface Temperature (3000 BP - Present)
Der sogenannte Treibhauseffekt
Hurrikane haben nicht immer Saison
Elektromagnetisches Spektrum, Strahlungsenergie und Absorption
Die Bedeutung von Kohlendioxid
Der Kohlenstoffkreislauf - Ein kleiner Einblick
Das zyklische Auftreten von Sonnenzyklen
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