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Florenreiche
als Folge der Plattentektonik |
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Pflanzengeografisch werden folgende Florenreiche
unterschieden (vgl. Abb. unten!):
Holarktis (die gesamte aussertropische
Nordhemisphäre - es ist das grösste, doch am wenigsten eigenständige Florenreich, in welchem sich kaum
endemische Pflanzenfamilien entwickelt haben. Der höchste Artenreichtum wird in den jeweils eisfreien Gebieten
während der pleistozänen Vereisung angetroffen);
Paläotropis (tropischer
Teil der Alten Welt: Afrika, Indien, SO-Asien und Polynesien, hier ein hoher Anteil eigenständiger bzw. endemischer
Pflanzenfamilien);
Neotropis (Tropen der Neuen Welt
nördlich und südlich des Äquators in Süd- und Mittelamerika mit einem hohen Anteil endemischer Pflanzenfamilien,
besonders charakteristisch sind Cactaceae und Bromeliaceae, die nur hier vorkommen);
Australis (nur Australien als
stark isoliertes und völlig eigenständiges Florengebiet, die Gattung Eucalyptus mit ca. 600 Arten kam
nur hier vor, Acacia ist mit ca. 400 Arten vertreten);
Antarktis (südlicher Teil
Südamerikas, Antarktis, Süd-Neuseeland, ist extrem artenarm, vor allem Flechten und Moose);
Capensis (nur äusserste
SW-Spitze von Afrika mit extrem hohem Artenreichtum und vielen Endemiten).
Zwischen
Gebieten mit relativ einheitlicher Flora entstanden Florengrenzen, die umso stärker ausgeprägt sind,
je wirksamer und erdgeschichtlich älter diese Ausbreitungsgrenzen sind.
Abb. rechts:
"Florenreiche der Erde" (aus
Walter & Breckle, 1983: 11-14, farblich leicht modifiziert!)
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Artenvielfalt
und ihre Dynamik im Laufe der Erdgeschichte |
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Zum
Verständnis der Artenentwicklung
und ihrer Dynamik: |
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Die
Dynamik der Artenentwicklung ist generell abhängig von sich - ständig - verändernden (abiotischen
und biotischen) Umweltbedingungen im kleinen und im grossen Massstab.
"We shall best understand the probable course of natural
selection by taking the case of a country undergoing some physical change, for instance, of climate. The proportional
numbers of its inhabitants would almost immediately undergo a change, and some species might become extinct. We may
conclude, from what we have seen of the intimate and complex manner in which the inhabitants of each country are bound
together, that any change in the numerical proportions of some of the inhabitants, independently of the change of climate
itself, would most seriously affect many of the others.(...) We have reason to believe, as stated in the first
chapter, that a change in the conditions of life, by specially acting on the reproductive system, causes or increases
variability; and in the foregoing case the conditions of life are supposed to have undergone a change, and this would
manifestly be favourable to natural selection, by giving a better chance of profitable variations occurring; and
unless profitable variations do occur, natural selection can do nothing." (aus: Charles
Darwin 1859, On the Origin of Species ..., Chapter IV, Natural Selection, pp.130-131)
Das oft beschworene (oder herbei gesehnte, jedoch nicht existente) ökologische Gleichgewicht wäre der "Tod"
jeglicher Evolution.
Gravierende Umweltveränderungen beschleunigen Evolution und Artenentstehung. Wie in dem Abschnitt 'Artenvielfalt
und ihre Dynamik ...' anhand von Beispielen aufgeführt, findet Evolution auch gegenwärtig - langsamer
oder schneller - statt, "still und unsichtbar wirkt sie, wann und wo immer sich eine Gelegenheit bietet ...".
(aus: Charles Darwin 1959, Die Entstehung der Arten, Reclam, S.126) Nur
ist die - zu keinem Zeitpunkt bewertbare !! - Richtung der Evolution kaum vorhersehbar, was sich eigentlich von
selbst verstehen sollte..
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Schmökern Sie doch noch einmal in dem
grundlegenden Werk: Charles
Darwin (1859)
On the Origin of Species by
Means of Natural Selection, or the Preservation of Favoured Races in the Struggle for Life, auch wenn sich so diese
und jene Annahme nicht bestätigt hat. Hier die vollständige Publikation, im Internet zur Verfügung gestellt
von Peter v. Sengbusch. [date of access:
08.05.04]
Abb. rechts:
Charles Darwin als junger Mann und unten in einer zeitgenössischen Karikatur aus dem Hornet Magazine
(1871). Erst durch die Unterstützung von T.H. Huxley (Darwin's "Bulldog") konnte sich die Evolutionstheorie
in der Wissenschaft durchsetzen und den Anfeindungen des Klerus (z.B. durch "Soapy Sam" - Erzbischof Samuel
Wilberforce im Juni 1860) widerstehen.
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Die
exzellent animierte Grafik wurde der HP von Hans-Peter Willig "Die
Evolution des Menschen" entnommen, wo (wohl) auch das Copyright liegt) [date
of access: 05.12.05] |
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Heute lebende Spezies werden als - an die jeweiligen Umweltbedingungen - am besten "angepasste" Arten
verstanden. Diese Vorstellung birgt die Gefahr einiger Missverständnisse, welche sich aus dem Begriff 'angepasst'
ergeben können. Denn genau genommen sind die heutigen Arten "Überlebende" in der sich ständig
wandelnden Umwelt, von der sie (und damit auch wir) nicht wissen (!!) können, wie sie sich zukünftig verändern
wird.
Andere Denkweisen (vgl. im übernächsten
Absatz die Definition zur Teleologie!) entsprechen
dem lange überholten Lamarckismus
Hinweis,
obgleich dieser durchaus von philosophischen Vertretern grosser Religionen neuerdings in Gegnerschaft zum Darwinismus
gerne wieder diskutiert wird. Unabhängig von den, dem frühen 19. Jahrhundert entsprechenden Erklärungsversuchen,
gehört Jean-Baptiste
de Lamarck Hinweis
(übrigens eigentlich ein Botaniker) sicher zu den wichtigsten Begründern der Evolutionstheorie.
Zur durchaus lesenswerten und aktuellen Auseinandersetzung zwischen
einem überzeugten Vertreter der Idee des "wissenschaftlich begründeten" "Intelligent
Design" (Dr. W.-E. Lönnig, MPG, MPIZ - Köln, Mutations- und Transposongenetiker) und einem Vertreter
der "Synthetischen
Evolutionstheorie" (Prof. Ulrich Kutschera, Lehrstuhl für Pflanzenphysiologie und Evolutionsbiologie,
Institut für Biologie, Universität Kassel), finden Sie hier
die Position von
Herrn Dr. Lönnig,
eine Position, die von dem Autor dieser Seiten nicht geteilt wird (vgl. dazu Urs
Willmann in DIE ZEIT vom 30.04.2003 zum Kreationisten Dr. Lönnig). Der Hinweis auf die Auseinandersetzung scheint
notwendig, da die Idee des "Intelligent Design" immer mehr Anhänger findet, übrigens nicht nur in
den USA. Vgl. Sie auch die Parodie vom "Fliegenden
Spaghettimonster".
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Um (genetische) Anpassungsprozesse im teleologischen
Sinne (Anpassung sensu strictu
an aktuelle Umweltbedingungen ist nur ontogenetisch
bzw. nach der Syngamie
möglich, siehe weiter unten!) kann es sich also nicht handeln, sondern um das bereits vorteilhafte Vorhandensein
einer genetischen Variabilität innerhalb einer Population, welche unter sich verändernden Umweltbedingungen
nur jenen Arten ein Überleben ermöglicht, welche - vielleicht auch nicht ganz zufällig - "besser",
aber nicht unbedingt optimal, für die neuen Umweltbedingungen ausgerüstet sind - vgl. adaptive
Evolution
.
Sie sind damit quasi PRÄ-DISPONIERT
für unterschiedlichste Umweltveränderungen und erlauben der Population (als Fortpflanzungsgemeinschaft
und nur ihr!) die Weiterexistenz. Walter 1968, spricht in diesem Kontext von "prä-adaptiert",
ein Begriff, der in dieser VL abgelehnt wird. Eine geringe genetische Variabilität innerhalb einer Population bietet
also auch konsequenterweise geringere Überlebensvoraussetzungen
bei drastischen Umweltveränderungen.
Neben der genetischen Variabilität innerhalb einer Population,
ist noch die Möglichkeit der phänotypischen Plastizität der Individuen innerhalb einer Art zu
nennen. Hier wird ontogenetisch der Phänotyp weniger vom Genotyp bestimmt, sondern auch von den jeweiligen Umweltbedingungen,
was zu sehr unterschiedlichen Phänotypen bei gleicher genetischer Ausstattung führt.
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Wie verschiedentlich angedeutet, kann Evolution unter Ausnahmebedingungen
auch vergleichsweise rasch erfolgen, wenn z.B. Diasporen oder wenige Individuen einer Population in standortähnliche,
jedoch weit entfernte Umwelten gelangen (z.B. durch Hemerochorie ,
Zoochorie ,
Semachorie
etc. - vgl. weitere Angaben unten) und bereits eine hohe und markante genetische
Variabilität besitzen. Erstaunlich also, was manchmal
so an "Möglichkeiten in den Pflanzen steckt".
Vergleichen Sie dazu bitte auch die wichtigen Bemerkungen des Biogeographen
und Systematikers Ernst Mayr, Hauptvertreter der modernen neodarwinistischen, "synthetischen" Evolutionstheorie
- Evolutionary
Synthesis -, der Darwinismus
und Mendelismus
integrierte. Der 1904 in Kempten geborene Harvard-Professor wurde übrigens am 5. Juli 2004 100 Jahre alt.
Vgl. Sie auch zum Komplex Evolution, Theologie und Teleologie:
-
Ernst Mayr (2003) Das
ist Evolution.- C. Bertelsmann Verlag, München (378 S., € 23,90, aus dem amerikanischen Englisch von
Sebastian Vogel), sehr zu empfehlen als Übersichtswerk.
-
Daniel Dennett (2006) Breaking the Spell: Religion as a Natural
Phenomenon.- Viking Books.
-
Daniel Dennett (1995) Darwin's Dangerous Idea: Evolution and
the Meanings of Life.- Simon & Schuster, New York.
-
Richard Dawkins (2007) Der Gotteswahn.- Ullstein Verlag. (560
S, € 22.90, aus dem amerikanischen Englisch von Sebastian Vogel)
-
Richard Dawkins (2006)
Das egoistische Gen.- Spektrum Akademischer Verlag; Auflage: N.-A. (Oktober 2006)
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Makroevolution
und Dutzende von Massensterben |
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"Motor der Evolution" sowie Ursache der Biodiversität inkl. Artenvielfalt sind ständige Umweltveränderungen.
Kontinuierliche, aber auch relativ schnelle Veränderungen der
Umwelt gehören zum Charakter der Erdgeschichte und haben die Entwicklung der Flora
und Fauna wesentlich geprägt.
Ein "Gleichgewicht in der Natur" gibt es nicht, es ist bestenfalls eine sehr kurze "Pause
zwischen zwei Desastern" (oder sogenannten "Katastrophen") wie Prof.
Josef H. Reichholf treffend bemerkte.
Sogenannte Ökosysteme sind mitnichten Organismen
und "die romantischen Bilder von Gleichgewicht, Harmonie
und Kreislauf führen in die Irre" (vgl. Kehl
2003).
Einerseits verlief die Makroevolution
der Flora und Fauna auf den auseinander strebenden Kontinenten keineswegs kontinuierlich,
und andererseits wurde sie im Laufe der Erdgeschichte mehrmals durch einschneidende Umweltveränderungen mit einhergehenden
Massenaussterben unterbrochen (vgl.
Michael J. Benton (2003) When life nearly died.-
Thames & Hudson, London). 12
solcher Ereignisse können sicher nachgewiesen werden, wobei die Ursachen und die genauen Datierungen nicht
immer klar sind und aktuell intensiv diskutiert werden (vgl. "Streit um das Ende der Dinosaurier"
von Erwin Lausch in Spektrum der Wissenschaft,
August 2004, S. 62).
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Beispielhaft
hier drei Massensterben:
Cretaceous-Tertiary extinction, about 65 million years ago,
probably caused or aggravated by impact of several-mile-wide asteroid that created the Chicxulub crater now hidden on
the Yucatan Peninsula and beneath the Gulf of Mexico. Some argue for other causes, including gradual climate change
or flood-like volcanic eruptions of basalt lava from India's Deccan Traps. The extinction killed 16 percent of marine
families, 47 percent of marine genera (the classification above species) and 18 percent of land vertebrate families,
including the dinosaurs over a time period of 100,000 years.
End Triassic extinction, roughly 199 million to 214 million years
ago, most likely caused by massive floods of lava erupting from the central Atlantic magmatic province -- an event
that triggered the opening of the Atlantic Ocean. The volcanism may have led to deadly global warming. Rocks from the
eruptions now are found in the eastern United States, eastern Brazil, North Africa and Spain. The death toll: 22 percent
of marine families, 52 percent of marine genera. Vertebrate deaths are unclear.
Permian-Triassic extinction, about 251 million years ago.
Many scientists suspect a comet or asteroid impact, although direct evidence has not been found. Others believe the
cause was flood volcanism from the Siberian Traps and related loss of oxygen in the seas. Still others believe the impact
triggered the volcanism and also may have done so during the Cretaceous-Tertiary extinction. The Permian-Triassic catastrophe
was Earth's worst mass extinction, killing 95 percent of all species, 53 percent of marine families, 84 percent of marine
genera and an estimated 70 percent of land species such as plants, insects and vertebrate animals.
(Zusammenstellung aus verschiedenen Quellen, hauptsächlich Lee Siegel, vgl. unten!)
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Die
jeweiligen "Massensterben" konnten sich jedoch über mehrere zehntausend, oder auch hundertausend
Jahre hinziehen, was trotzdem geologisch kurze Zeiträume sind.
Hier einige Publikationen dazu im Internet:
"The Five Worst Extinctions in Earth's History" von Lee Siegel
[date
of access: 28.10.11]
BBC - Education: The Mass
Extinctions, gute Populär-Quelle
[date
of access: 28.10.11]
Dutzende von Massensterben
in der Erdgeschichte von NZZ - Online - Forschung - Technik [date
of access: 28.10.11]
Extinction events
- Wikipedia (engl.) Hinweis
[date
of access: 29.04.04]
Speciation
and Mass Extinction - von Indiana & Purdue University (IUPUI), Dept. of Biology [date
of access: 10.07.04]
Weitere Literatur zum Thema:
-
Keller et al. (2004) Chicxulub
impact predates the K-T boundary mass extinction.- Proc. Nat. Acad. Sc. U.S.A., Vol. 101, No. 11: 3753-3758 (March
16) [K-T = Cretaceous-Tertiary boundary 65 million years ago]
-
Rohde, R.A. & R.A. Muller (2005)
Cycles in fossil diversity.- Nature 434: 209-210. (10 March)
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Artendivertsität
und Dynamik |
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Weit über 99% aller Arten (Art ist
gleichbedeutend mit eigenständiger Population als Fortpflanzungs-Gemeinschaft), welche im Laufe der
Evolution entstanden, existieren heute nicht mehr.
Die Artenvielfalt war auf der Erde wohl noch nie grösser als aktuell (evtl. mit "Ausnahme des letzten
Viertels des Tertiärs, vor etwa 15 bis 3 Millionen Jahren, als die Eiszeit begann" -
nach Reichholf, WWF, in Gleich et al. 2000:
132).
Die Lebenszeit einer Art kann weit weniger als eine, oder auch weit mehr als zehn Millionen Jahre betragen.
Bzgl. Artenentwicklung ist es auch gegenwärtig so, dass Evolutionsprozesse ständig ablaufen. Ihre Geschwindigkeit
ist abhängig von neuen Standortgegebenheiten einer sich permanent wandelnden Umwelt, d.h. den zur Verfügung
stehenden Ressourcen und der Dynamik des jeweiligen Genpools (vgl. Kehl
2003). Bekannt sind Beispiele aus dem Viktoria-See, wo sich innerhalb weniger Jahrtausende viele Buntbarsch-Arten
entwickelten. Aber auch in unseren Breiten zeigen vor allem Neophyten ein
hohes Tempo bei der Entwicklung neuer Arten. Als Beispiel soll hier die kanadische Goldrute
Solidago
canadensis L. genannt werden.
* * *
Über die Anzahl der weltweit aktuell lebenden
Arten gehen die Meinungen unter Fachleuten weit auseinander.
Bekannt sind bisher etwa 1,75 Millionen Arten.
-
Das WCMC (World Conservation Monitoring Centre) nennt in der
Studie "Life Counts (2000)
Hinweis
etwa 17 Millionen Arten, dagegen nimmt der Biodiversitätsforscher Edward
O. Wilson etwa 100 Millionen Arten an (vgl. dazu auch Angaben bei WIKIPEDIA
[date of access: 07.09.04] Hinweis).
Ganz sicher sind es noch weit mehr, da besonders die Lebenswelten (Habitate) der Mikroorganismen bisher nur fragmentarisch
bekannt sind.
-
Aktuelle Schätzungen übertreffen die bisherigen um ein
Vielfaches: "Die Gesamtzahl der Arten, Bakterien und Einzeller eingeschlossen, liegt wahrscheinlich eher
bei einer Milliarde", sagt John Baross von der University of Washington, Chef des wissenschaftlichen Beirats
von ICoMM
(International
Census of Marine Microbes). (nach SPON,
vom 19.04.2010) [date of access: 19.04.10]
-
Mikroorganismen, auch Mikroben genannt, z.B. Bakterien, wurden
in Gesteinen einige Kilometer unter der Erdoberfläche nachgewiesen (bis zu einer Tiefe von 6.000m), vgl.
Leben
im Tiefengestein, von J.K. Frederikson & T.C. Onstott, in SdW 12 (1996).
"[date
of access: 31.12.06]
-
Mittlerweile kann als gesichert gelten, dass Lebensräume für
thermophile, anaerobe Mikroorganismen (Archaebakterien) in wesentlich grössere Tiefen reichen - vor allem in Sedimenten
- als bisher gedacht. So wurden in einer vergleichsweise geringen Tiefe von 400m in einem Kohlenflöz in Deutschland
noch ca. 1.000 Bakterien in einem Gramm (!) Kohle nachgewiesen.
-
Hinzu kommen extremophile
Bakterien in "Lebensräumen wie kochend heissen Quellen (bis zu 113°C), schwefelsauren Schlammlöchern
(bis zu pH 0) oder hochkonzentrierten Salzlaken (bis zu 25% NaCl)" sowie im Bereich von Hydrothermalquellen
in der Tiefsee, vgl..
Life
in the deep rocks, and the deep fossil record, by Ariel A. Roth, in Origins 19(2):93-104 (1992) [date
of access: 19.04.10]
"Der heisse Ursprung des Lebens", von M. Russell, in SdW 01 (2007). [date
of access: 31.12.06]
Den spekulativen Charakter aller bisherigen Schätzungen machen die Untersuchungen eines internationalen
Teams von Wissenschaftlern an Arthropoden
in Neu Guinea deutlich:
"An eight-year National Science Foundation-funded study of
New Guinean rainforest plants and the insects that feed on them has yielded a new and dramatically lower estimate of
the number of species on the planet. The estimate, which lowers the number of species from approximately 31 million
to between four and six million, is based on the finding that insects specialize their feeding not on individual
species of plants, but on genera and even families of plants. In "bringing some reality" to estimates of world
biodiversity, the study allows scientists to get a better handle on how fast species are being lost, said University
of Minnesota plant biologist George Weiblen, the principal plant expert on the research team."
(Zitat aus Nature 416, 841-844 [25 Apr 2002] Letters to Nature) [date
of access: 17.02.05, offline] - Aktuell unter: Novotny, V. et al. (2007) Low beta diversity of herbivorous
insects in tropical forests.-
Nature 448, 692-695
(9 August 2007) [date
of access: 28.10.11]
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Artensterben:
Spekulation oder nachgewiesen? |
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Zu ausgestorbenen und demnächst aussterbenden Tier- und Pflanzenarten
kursieren die unterschiedlichsten Zahlen und "wildesten Spekulationen". Erschreckend ist dabei ein Wettbewerb
um die argumentativ am besten und hoch dramatisierend vorgetragenen, zukünftigen Aussterberaten. Und folgt man
den Medien, dann wartet das nächste Arten- bzw. Massensterben globalen Ausmasses auf die Menschheit durch "Global
Warming". Und zwar ausschliesslich anthropogen bedingt.
Vgl. Sie dazu die treffenden Bemerkungen im NOVO-Magazin
77, 2005 von Michael
Miersch (dessen aktuelle Mitherausgabe der Website "Achse des Guten" (Broder, Maxeiner, Miersch) mit islamophober
Hetze jedoch extrem befremdlich ist).
Der Publizist Dr. Wolfgang Pauser schrieb in einem bemerkenswerten
und ironisch-sarkastischen Beitrag mit dem Titel "Alles
ist immer gefährdet" zum ständigen Gerede um das Artensterben in DIE ZEIT vom 22.09.1995, S.89
(ein sehr unterhaltsamer Artikel, der nach wie vor hoch aktuell ist):
"Die Vielfalt der Natur, aber auch der Kultur sind entstanden
aus der Veränderungs- und Überwindungsdynamik, nicht aus Konservierung. Schont und hegt man sie, so nimmt
man ihr paradoxerweise die Entfaltung ihrer Möglichkeit. Gerettete Natur ist keine mehr, denn sie ist um ihr eigenes
Prinzip gebracht."
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Generell ist dazu festzuhalten:
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Alle Zahlenangaben bzgl. zukünftiger Aussterberaten (ob
relativ oder tatsächlich, auch in seriösen Journalen und Fachbüchern) sind (und müssen) Spekulationen
sein, da sie sich auf Hypothesen zur Artenvielfalt auf der Erde berufen. (siehe oben!)
-
Im 20. Jahrhundert sind weit weniger Tier- und Pflanzenarten
verloschen als z.B. im 19. und 18. Jahrhundert (vgl. Müller, Paul (1996) Allgemeines Artensterben
- ein Konstrukt? - Arch. Nat.-Lands. 36: 223-252)
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Insgesamt, d.h. weltweit,
sind zwischen dem 16. Jahrhundert und Ende des 20. Jahrhunderts nachweislich zwischen
600
und 650 Tierarten (nach IUCN genau
626, vgl. Groombridge, B. (ed.) 1994: IUCN Red List of Threatened Animals. IUCN, Gland, Switzerland)
- andere Zählungen kommen auf 484 Tierarten, z.B. der folgend genannte Report! - und ca.
650 Pflanzenarten (nach UNEP / U.S. NASA / World Bank, 1997 "Protecting
Our Planet, Securing Our Future") ausgestorben.
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Obwohl die Regenwälder SO-Asiens, Afrikas und S-Amerikas
stark reduziert wurden, konnte bisher keine Art benannt werden, die völlig verloschen ist. Viele Arten, die
lange nicht mehr nachgewiesen werden konnten, tauchen plötzlich wieder auf. Völlig unabhängig davon ist
wohl davon auszugehen, dass etliche Populationen in ihrem Bestand stark reduziert wurden.
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Gradient der Biodiversität von den Polen zum Äquator:
Global nimmt die Biodiversität
(in der Abb. bzgl. Artenreichtum von Vögeln !) von den Polen zu den Tropen
zu. "Es ist [...] möglich, dass langfristige und zyklische Klimaveränderungen einen Gradienten von
den Tropen zu den Polen generieren. Modelle der Nischenanordnung erklären ebenfalls tropische Biodiversität.
Die verstärkte Habitataufteilung könnte jedoch das Ergebnis und nicht der Grund des Artenreichtums sein."
(vgl. Turner, J.R.G.
2004: 436). Abb. rechts:
(aus Turner 2004: 436, leicht modifiziert)
Zur Bedeutung der biologischen Vielfalt bzw. Biodiversität
hier zwei Statements:
-
von Edward O.Wilson
-
von Hubert
Markl
Vgl. auch: Josef H. Reichholf (1995)
Überfluß oder Mangel: Was verursacht die Artenvielfalt der Tropenfauna? Rundgespräche
der Kommission für Ökologie, Bd.
10 "Tropenforschung" S. 105-114. |
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Eine
grundsätzliche Bemerkung:
"Häufig wird auch heute noch bei Ökosystemen
mit grosser Artenvielfalt eine hohe innere Stabilität assoziiert. Widerlegt wurde die Diversitäts-Stabilitäts-Hypothese
aber bereits in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts. Es konnten sehr unterschiedliche Belastungsfähigkeiten
von Systemen aufgezeigt werden, die hier im einzelnen nicht dargestellt werden können."
>>> mehr [date of access:
17.02.04] |
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Artendiversität
- das Kommen und Gehen von Arten unter dem Einfluss des Menschen: |
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  Die
anthropogen bedingte Vegetationsdynamik - d.h. Veränderung der Artenzusammensetzung - ist wesentlich verantwortlich
für die hohe Artendiversität - d.h. Artenmannigfaltigkeit pro Flächen- bzw. Raumeinheit - in Kulturlandschaften.
Einige Bemerkungen zum beklagten Kontrollverlust. |
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 Generell
werden alle gebietsfremden Pflanzen, die in einem Gebiet nicht "heimisch" waren bzw. sind und sich durch direkten
oder indirekten menschlichen Einfluss (vgl. Hemerochorie)
etablieren konnten, Adventivpflanzen (Ansiedler) bzw.
Neophyten genannt (Neobiota
ist der generelle Begriff für gebietsfremde Pflanzen und Tiere).
In vor- und frühgeschichtlicher Zeit, speziell mit dem
Beginn des Ackerbaus und der Sesshaftwerdung vor etwa 10.000 Jahren im östlichen Mittelmeerraum, wurden nicht nur
agrarisch nutzbare Pflanzen, sondern auch deren Begleiter (Segetal- und Ruderalpflanzen) weit von ihren Ursprungsarealen
in nördlich gelegene Landschaften eingeführt. Diese Pflanzen werden Archaeophyten
(Alt-Pflanzen) genannt. Abb. rechts:
Der schöne, aber giftige Riesen-Bärenklau - Heracleum
mantegazzianum (weitere externe Abb.) - ein "invasiver"
Neophyt (vgl. unten!) aus dem Kaukasus, der im 19. Jahrhundert in Mittel- und Westeuropa
als Zierpflanze eingeführt wurde
[© 2002 H. Kehl].
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Des weiteren gelangten - beabsichtigt oder unbeabsichtigt - mit der
europäischen Entdeckung (seit Jahrtausenden von Nicht-Europäern besiedelter) und Kolonisierung ferner Kontinente
(Kolumbus erreicht Amerika 1492, Beginn der Neuzeit) auch Diasporen der jeweiligen Floren z.B. nach Europa (und vice
versa), welche hier als Neophyten (Neu-Pflanzen) bezeichnet
werden und die floristische Zuammensetzung der jeweils einheimischen Vegetation oft nachhaltig veränderten und
in aller Regel zu einer kontinuierlichen Erhöhung der floristischen Artendiversität
beitrugen.
Archaeophyten und Neophyten
werden von jenen einheimischen Arten (Indigene) abgegrenzt, welche postglazial
"aus eigener Kraft" einwanderten, d.h. nicht anthropogen bedingt. Bedenkt man jedoch die Tatsache eines auch
in Mitteleuropa während der Eiszeit ständig anwesenden und wandernden Menschen, der die verschiedensten essbaren
und nicht essbaren Früchte sowie Pflanzen (und damit Diasporen) mit sich führte, dann ist seine vielfältige
Mitwirkung bei der postglazialen Neubesiedlung der Landschaften sehr wahrscheinlich. Vgl. dazu Bonn
& Poschlod (1998) und Lang (1994).
Im Naturschutz wird ausserdem noch bei den Neophyten
von sogenannten "Invasiven Arten" gesprochen. Von 1.000 eingeführten
oder eingeschleppten Arten wird nur eine "invasiv". Dabei handelt es sich um Taxa, welche "unerwünschte"
Wirkungen auf vorhandene Lebensgemeinschaften oder Biotope, oder auch ökonomische Nachteile haben (siehe Anmerkungen
weiter unten zur Einschätzung von Neobiota!).
Zu bedenken bei der Einschätzung von Neobiota ist auch deren
unterschiedliche und sich wandelnde ökonomische Bedeutung. So trat die vor etwa 100 Jahren eingeschleppte
Chinesische Wollhandkrabbe (Eriocheir sinensis) als Plage der Fischer in den norddeutschen Mündungsgebieten
grosser Flüsse auf, da sie deren Fang reduzierte und auch deren Netze zerstörte. Heute wird diese Krabbe in
grossem Massstab gefangen und bereichert als Delikatesse nicht mehr nur die chinesische, sondern auch die deutsche Gastronomie.
Nähere und sehr detaillierte Angaben in Wikipedia
Hinweis
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  1998
schrieben Sukopp & Zerbe, dass in Deutschland
insgesamt ca. 45.000 Tier- und 27.000 Pflanzenarten vorkommen. Nach
einer Studie des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) von 2004
leben in der Bundesrepublik Deutschland zurzeit bereits etwa 48.000 Tierarten. In der Bilanz - so das
BfN - sind das etwa 4.000 mehr als noch vor zwanzig Jahren. Deutschland, ein Einwanderungsland, aus einer völlig
neuen Perspektive?
  Ein
Artensterben konnte bisher nicht nachgewiesen werden, wohl aber eine Dynamik der Populationen.
  Totgesagte
leben länger: Dass Tier- und Pflanzenarten durch vom Menschen modifizierte Umweltbedingungen in vielen Landschaften
nicht mehr anzutreffen sind bzw. verdrängt wurden, ist hinreichend bekannt. Wenn auch häufig stark dezimiert,
werden diese Arten in anderen Landschaften nach wie vor nachgewiesen. Die Ursachen wurden vielfältig beschrieben
und müssen an dieser Stelle nicht erläutert werden.
Vgl. Sie dazu auch
"ausgerottete
Grosswildtierarten"
[9 S.], "Bemerkungen
zum Verhältnis Tier - Mensch" und
"Die
Grosstierfauna Europas und ihr Einfluss auf Vegetation und Landschaft", von Axel Beutler. Zur modischen Sorge
um das Bedrohte hier noch einmal der ironische Beitrag von Pauser "Alles
ist immer gefährdet" aus dem obigen Abschnitt "Artensterben - Spekulation, oder
nachgewiesen?"
Oft werden Arten zufällig oder auch nach langem Suchen wieder
"neu entdeckt", die bereits als "verloschen",
"verschollen" oder auch als "ausgestorben" be- oder abgeschrieben wurden. Hier nur sehr wenige Beispiele:
-
Riesen-Rappenantilope (Hippotragus niger variani) - Afrika:
etwa 1981 zuletzt gesehen, 2006 wieder nachgewiesen,
-
Java-Nashorn (Rhinoceros sondaicus) - z.B. Vietnam: in den
1990er Jahren wieder nachgewiesen,
-
Moschusochse (Ovibos moschatus) - Banks Island (Canada) galt
1950 als ausgestorben, heute leben dort 160.000 Tiere,
-
Kröte Huia-Stummelfuss (Atelopus ebenoides marinkellei)
- Kolumbien: 2006 wieder nachgewiesen,
-
Annam-Schildkröte (Mauremys annamensis) - Vietnam: 2006
wieder nachgewiesen,
-
Hummelragwurz (Ophrys holoserica) - Deutschland / Rhön):
in den letzten Jahren wieder nachgewiesen,
-
Tulpe Tulipa aximensis in der Schweiz / Wallis: in den letzten
Jahren wieder nachgewiesen,
-
Moos Dichelyma spec. (2 Arten) - Deutschland: 1996 wieder
nachgewiesen, etc. etc.
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  Modifizierte
Umweltbedingungen können auch zu raschen Evolutionsprozessen bzw. zu einem hohen Selektionsdruck führen.
So konnte sich anfänglich die grosse und giftige, aus Hawaii 1935 nach Australien eingeführte
(nicht eingeschleppte), Zuckerrohrkröte
(Bufo marinus bzw. Aga-Kröte) wegen fehlender Feinde ungeheuer rasch ausbreiten. Mittlerweile sollen
sie ein Gebiet von mehr als einer Million km² dominieren. Abb. links:
Bufo marinus L. - Bildquelle/Copyright
CSIRO
(stark verändert)
[date of access: 01.02.05]
Innerhalb von etwa 70 Jahren sollen sich jedoch, nach einer Untersuchung
von Ben L. Phillips and Richard Shine (Sydney University, School of Biological Sciences), bei zwei einheimischen Schlangenarten
Fähigkeiten entwickelt haben, welche dem Krötengift widerstehen. Darüber hinaus stehen die Kröten
nun auch auf ihrem Speiseplan. Ausführliche Besprechung in spektrumdirekt
[date of access: 14.07.06]
Sie schreiben daher: "The arrival of
invasive species can devastate natural ecosystems, but the long-term effects of invasion are less clear. If native organisms
can adapt to the presence of the invader, the severity of impact will decline with time." Vgl. dazu:
"Adapting
to an invasive species: Toxic cane toads induce morphological change in Australian snakes" (2004) in PNAS (Proceedings
of the National Academy of Science).
[date of access: 01.02.05]
Die Kröten selbst sollen in der Zwischenzeit längere Hinterbeine
entwickelt haben und sich 5x schneller ausbreiten als nach ihrer Einführung. Die Studie "Invasion
and the evolution of speed in toads" von Benjamin L. Phillips et al. (2004) erschien in "Nature"
(Band 439, S.803; doi:10.1038/439803a), auch in: Proceedings of the National Academy of Science 10.1073/pnas.0406440101
- Besprechung in spektrumdirekt
[date of access: 14.07.06]
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   Auch
wenn häufig von einer gelungenen Integration des in den 30er Jahren (1934 als Pelzlieferant) eingeführten
und mit mittlerweile weit über 100.000 Exemplaren weit verbreiteten nordamerikanischen Waschbären (Procyon
lotor - ein Neozoe) in Mitteleuropa gesprochen wird
(NABU,
GWN),
so ist die Begeisterung doch nicht überall gleich gross, z.B. Jagd-Online
und Umweltbundesamt
Österreich:
Zitat: "Unter
den Wirbeltieren sind Waschbär, Marderhund, Mink (...) als potenziell invasive Bedrohung der autochthonen Biodiversität
zu erwähnen."
[date of access: 05.02.05]
Abb. rechts:
Der nordamerikanische Waschbär - Procyon
lotor L., hier am nördlichen Stadtrand von Berlin als ungebetener Gast. Foto: H.Kehl
Andere Stimmen beurteilen Neobiota
abwartender, so z.B. das Land
Berlin: "Im Land Berlin gibt es bisher keine nachgewiesenen
Fälle, bei denen eine heimische Art durch exotische Arten ausgerottet wurde - zu komplex sind dabei oft die möglichen
Wirkungsmechanismen."
[date of access: 09.02.05]
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Einschätzung
von Neobiota: |
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Bei
der Einschätzung von Neobiota spielt oft eine Rolle, ob sie zu den "Lieblingen der Menschen" (Gleich
et al. 2000: 19) Hinweis
/ avancieren. Arten geringer Attraktivität (evtl. die giftige Kröte oben?) haben nur geringe Chancen, der
putzige Waschbär hat es dagegen wesentlich besser. Und dies völlig unabhängig davon, welche Bedeutung
sie - kurz- bis mittelfristig - für die autochthone Biodiversität besitzen bzw. besitzen können.
Wenn
auch kontinuierliche und mittel- bis langfristige Wechsel der Artenzusammensetzung zur Dynamik jeglicher Flora und Fauna
gehören (wie sich aus den Bemerkungen
zur Klimadynamik leicht erschliessen lässt), können - aus der Perspektive des wirtschaftenden und status
quo sichernden Menschen - neu hinzukommende Arten (z.B. die o.g. Zuckerrohrkröte,r der Riesen-Bärenklau und
der Waschbär) einen wesentlichen - auch negativen - Einfluss auf bestehende Ökosysteme haben, die unmittelbarer
Teil menschlicher Umwelt sind. Wobei die Bewertung der Zuwanderer selbstredend wiederum nur - kurzatmig - anthropozentrisch
utilitaristisch sein kann. Und zwar im Sinne eines verantwortungsethischen Utilitarismus, also einem teleologischen
Konzept folgend. Zur Ökologie-Ethik evtl. Prinzip
Verantwortung von Hans
Jonas (2003) lesen! Bedenken Sie jedoch, dass Hans Jonas ( 1993) als Religionsphilosoph und Metaphysiker als
Begründer jenes Umweltbewusstseins gilt, bei welchem Tiere - wenigstens moralisch - auf der gleichen Stufe wie
Menschen stehen.
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Die
Bedeutung sogenannter Invasiver
Neophyten und Neozoen in Mitteleuropa hat an unserem Institut Prof. Ingo Kowarik
untersucht und 2003 in einer umfangreichen Studie im Verlag Ulmer (320 S.) publiziert. Seit 2002 erscheint zum
Thema eine Schriftenreihe mit dem Titel "Neobiota"
der Arbeitsgemeinschaft biologische Invasionen (seit 1999), Herausgeber sind Prof.
Ingo Kowarik und Dr. Uwe Starfinger, Berlin.
Auf
internationaler Ebene beschäftigt sich die "Invasive
Species Specialist Group" (ISSG) der "World Conservation Union" (IUCN) intensiv mit den unterschiedlichen
Aspekten eingewanderter oder eingeschleppter Arten.
[date of access: 07.10.2005]
Anmerkung:
Bei der Verwendung von martialischen Begriffen für die Beschreibung von sogenannten "invasiven"
Neophyten, die im "Konkurrenzkampf" gegen "einheimische Arten" "siegreich" sind und den
"mit allen Mitteln" zu ergreifenden Massnahmen zur "Bekämpfung", oder sogar "Vernichtung"
der oft als "Exoten", "Unkraut", "Fremdlinge", "Eindringlinge" oder "fremdländische
Arten" bezeichneten Taxa zum Schutz der "einheimischen Arten", werden Erinnerungen an einen Sprachgebrauch
wach, der sonst mit gutem Recht anderswo als politisch nicht korrekt bezeichnet werden kann. Hier ist m.E. ein kritisches
Nachdenken notwendig, auch wenn es sich nur (!?) um Pflanzen oder Tiere handelt, da sich hinter dieser Begrifflichkeit
normative und "kulturelle Sinnkontexte" (Konnotationen) verbergen, wie sie Stefan
Körner (2001) zutreffend beschrieben hat.
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Zur
Frage "Welche Natur wir eigentlich schützen wollen", nahm der an den beiden Münchener Universitäten
Biologie und Naturschutz lehrende Prof. Josef H. Reichholf
häufiger Stellung, zuletzt in seinem im März 2005 im C.H.Beck - Verlag (224
S.) erschienenden Buch "Die Zukunft der Arten
- Neue ökologische Überraschungen", speziell zu den Zielen und Irrtümern des modernen Naturschutzes.
Bereits 1996 fragte Reichholf in dem Artikel "Wie problematisch
sind Neozoen wirklich?" (in: Gebietsfremde Tierarten. Gebhardt, Kinzelbach, Schmidt-Fischer (Hrsg.), 1996,
S. 37-48). Im Oktober 2000 fand im Rahmen der Rundgespräche
der Kommission für Ökologie, veranstaltet
von der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, eine Tagung mit dem Thema "Gebietsfremde
Arten, die Ökologie und der Naturschutz" statt. Die Rundgespräche sind als Band 22 (2001) erschienen
und bei dem Verlag
Dr. Friedrich Pfeil erhältlich.
Die Auseinandersetzung und unterschiedliche Positionierung von konservativem
Naturschutz und liberal-konservativen Auffassungen kommentierte Stefan
Körner (2001). Hier geht's zum
Artikel
18 Seiten [date
of access: 22.02.05]
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Abseits der fachlichen Auseinandersetzung hat erst kürzlich
Hans Schuh in DIE ZEIT (vom 20.01.2005, Nr.4) den - teilweise verbissen geführten
- Streit der unterschiedlichen Interessen und Einschätzungen auf eine süffisant-sarkastische, doch sehr vergnügliche
Art beschrieben. Hier geht's zum
Artikel [date
of access: 20.09.06]
: Wie schwierig es sein kann, einerseits den Artenschutz ernst zu nehmen und andererseits gleichzeitig die
Gefährdung des Menschen durch grosse Raubtiere zu verhindern, zeigt die Posse um den sogenannten "Problem-Bären"
(Bruno bzw. JJ1) im Sommer 2006. Dem erstmals nach 171 Jahren in dem relativ stark besiedelten österreichischen
und deutschen Alpenraum eingewanderten Braunbären (einer in dieser Region ehemals einheimischen, aber durch den
Menschen verdrängten Art) wurde eine "Verhaltensauffälligkeit" attestiert, was seinen Abschuss Ende
Juni legitimierte (er hatte mehr Schafe gerissen als zugestanden und Hühnerställe geplündert, aber nicht
unbedingt die Nähe des Menschen gesucht, denn lange Zeit war es trotz grosser Anstrengungen nicht möglich,
ihn zu finden).
Des weiteren dazu aus dem ZDF-Heute.De-Magazin vom 24.05.2006: "Der
Deutsche Naturschutzring nannte die Abschusserlaubnis bayerischer Behörden "typisch deutsch". Präsident
Hubert Weinzierl sagte: "Wir machen uns weltweit lächerlich." Schnappauf [Umweltminister Bayerns, Anm.
Autor] müsse seine Anordnung zurückziehen."
Sehr deutlich wird hier die Zuordnungshoheit, was als natürlich,
unnatürlich, akzeptabel und eben nicht akzeptabel zu gelten hat. Das ureigene Verhalten der Tiere spielt dabei
keine Rolle (wenn es sich nicht gerade um vergleichsweise ungefährliche Kröten handelt), sondern ausschliesslich
die Kontrolle darüber. D.h. sogenannte "Natürlichkeit" darf in unserer Kultur nur unter Kontrolle
statt finden, z.B. in gut mit Zäunen gesicherten Reservaten, sozusagen den tierischen
Paradiesen, wo
der Mensch als gefährlichstes Raubtier (Charles Darwin, Friedrich Nietzsche) nun sich selbst ausschliesst, was
nicht ohne Komik ist und sicher mit viel Ironie gesehen werden darf.
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 Zuletzt
noch eine generelle - wohl eher philosophische - Bemerkung zur Arterhaltung: "Auch [...] Evolutionsprozesse
haben mitnichten etwas mit teleologisch verstandener 'Anpassung' an Standorte zu tun [...], sondern folgen ausschliesslich
dem Prinzip genetischer Variabilitätspräsenz, sind also unabdingbare Voraussetzung zum 'Weiterexistieren'
von Informationsträgern (den jeweiligen Arten) in sich wandelnden Umwelten. Ausserdem kann überhaupt kein
Zweifel daran bestehen, dass das Prinzip Leben überhaupt nicht zur Erhaltung von Arten führt [...], sondern
ausschliesslich eine Verwirklichung der Erhaltung genetischer Information in sich wandelnden Transport- und Reproduktionseinheiten
darstellt." (aus Kehl
2003)
Vgl. dazu auch Richard Dawkins (1994) Das egoistische
Gen.- Spektrum Akademischer Verlag. Hier geht's zur Besprechung
des Buches in WIKIPEDIA [date
of access: 07.03.05] Hinweis
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"Primitive"
oder "hohe" Enwicklung - Was ist schützenswert? |
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  Bei
der Beurteilung der den Menschen umgebenden und von ihm, aus legitim egoistischen Motiven, zu schützenden "Mitorganismen"
- Pflanzen oder Tieren -, wird der Streit um Relevanzen in aller Regel emotional und in dem Gefühl der Definitionshoheit
- von Kultur zu Kultur unterschiedlich (jedoch zunehmend aus westlicher Perspektive) - ausgetragen. Was ist schützenswert
und was darf vernachlässigt werden? Was bezeichnen wir z.B. als "Invasoren" oder willkommene Neuankömmlinge,
welche Population gilt es zu steuern? Im Konzert der vielen uns umgebenden (Mit-)Arten spielt die Selbstdefinition des
Homo sapiens sapiens als "über den Tieren"
stehend (sogar ausserhalb der Natur, weil so überaus entwickelt), eine besonders
gravierende Rolle, weil von so grossem Einfluss auf andere Organismen. Dazu ein aktuelles - und durchaus
provokatives - Zitat bzgl. Faunenentwicklung und der typisch anthropozentrischen Einschätzung von "primitiver"
und "hoher" Entwicklung von Robert Sapolsky (Prof. für Biologie
und Neurologie an der Stanford University, Kalifornien) im Spektrum der Wissenschaft
(Mai 2003, S.101), in seinem Beitrag "Geziefer im Gehirn":
"So sind doch die meisten Menschen der
festen Überzeugung, die Evolution strebe zielgerichtet nach Höherem: Wirbellose Tiere seien primitiver als
Wirbeltiere, Säugetiere die am meisten entwickelten Wirbeltiere, Primaten die ausgeklügelsten Säugetiere
und so weiter. Selbst einige
meiner besten Studenten fallen immer wieder darauf herein - so sehr ich auch in meinen Vorlesungen auf sie einrede.
Wer aber diesem Denkmuster aufsitzt, irrt nicht nur, er ist darüber hinaus nur ein winziges Stück von der
Philosophie entfernt, die auch der Menschheit eine zielgerichtete Evolution unterstellt - mit dem Nordeuropäer
und seiner Vorliebe für Schnitzel und Stechschritt als vorläufiger Krone der Schöpfung!"
[Nämlich ein gar nicht so wünschenswerter 'Homo superior'
per Selbstdefinition, quasi als Ausfluss anthropozentrischer Selbstgerechtigkeit - ein höchst zweifelhafter "Übermensch"
als ultimativer Krone der "Schöpfung" sozusagen ...] |
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  Besonders
aus der Perspektive der analytischen Ökologie sind Organismen (vom Ein- zum Vielzeller) in ihrem Funktionszusammenhang
zu erkennen. Die Bewertungen "primitiv" oder "hoch entwickelt" sind irrelevante Konstrukte, da das
eine ohne das andere in aller Regel - in einem schier unüberschaubaren Geflecht von Beziehungen - nicht existieren
kann. Durch eine neue "Ethik" der Selbstüberschätzung scheint dieses Wissen teilweise verschüttet. |
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Die
postglaziale Vegetations- und Klimageschichte (auch Ausbreitungsdynamik) |
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Für
diese Veranstaltung ist speziell die postglaziale Klimageschichte der gegenwärtigen interglazialen Warmzeit
von Bedeutung. Die Vegetationsdynamik korreliert mit der Klimageschichte und erklärt wesentlich die heutige
- potentielle - Vegetationsverbreitung. (vgl.
Gerhard Lang, 1994, 'Quartäre
Vegetationsgeschichte Europas' sowie Bonn & Poschlod, 1998, 'Ausbreitungsbiologie
der Pflanzen Mitteleuropas').
Abb.
rechts: Holozäne und glaziale Temperaturänderungen sowie Vegetationsentwicklungen SE-Europas und des östlichen
Mittelmeerraums.
Klimatisch
und vegetationskundlich gliedert sich das Postglazial in (für Mitteleuropa nach Firbas 1954):
Präboreal
(10.300 - 9.500BP / Vorwärmezeit mit viel Birke und Kiefer (Mesolithikum) Boreal
(9.500 - 7.500BP / Frühe Wärmezeit mit starkem Anstieg der Haselpollen (Mesolithikum) Atlantikum
(7.500 - 5.000BP / Mittlere Wärmezeit - Eichenmischwaldzeit - mit maxim. Temp. (Neolithikum) Subboreal
(5.000 - 2.700BP / Späte Wärmezeit - Abkühlung und langsame Einwanderung von Buche und Tanne (Bronzezeit)
Subatlantikum (2.700
- Gegenwart / Nachwärmezeit - starke Ausbreitung der Buche durch kühles und feuchtes Klima (Eisenzeit)
Während
der Vereisung grosser Teile Nordeuropas hatten viele Arten auf isolierten Refugialstandorten
(Glazialrefugien, z.B. Apenninen-, Balkan-Halbinsel, Transkaukasien) Süd- und Südost-Europas überdauert,
die sich nun mit zunehmender Erwärmung kontinuierlich wieder nach Norden ausbreiteten. Mit dem Beginn
der jetzigen Warmzeit, d.h. mit dem Zurückweichen
weiter Eisflächen (Vergletscherungen) grosser Teile Nord-Europas, kam es - beginnend auf den nichtvereisten Steppen-
und Steppentundren - zur Wiederausbreitung von Wäldern.
Wenn
auch das Vordringen nach Norden weitgehend klimaabhängig war, so wurde die Ausbreitungsdynamik einiger Arten
(z.B. Buche, Haselnuss) auch anthropogen gefördert, d.h. durch den Früchte sammelnden, hortenden und
verbreitenden Menschen beeinflusst (vgl. Bonn & Poschlod, 1998).
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In
dem während der letzten Vereisung eher trockenen und kühlen Klima weiter Teile des
Mittelmeergebietes mit Artemisia - Steppen in den tieferen Lagen breiteten sich nun stellenweise lichte
sommergrüne und immergrüne Eichenwälder aus. Typisch mediterrane Arten, welche z.B. an den gebirgigen
Südrändern des Mittelmeeres überdauert hatten, wanderten erst mit der Entstehung des ausgeprägten
Mittelmeerklimas (Winterregen, heisse und trockene Sommer) ein.
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Zur
postglazialen Vegetations- und Florenentwicklung im Holozän, speziell zu den Gehölzwanderungen, den
Ursachen des weiteren Verlaufs der Arealgeschichten und den daraus resultierenden Waldfolgen sowie den Unterschieden
zwischen Einwanderung und Massenausbreitung und anthropogenen Faktoren, sei ausdrücklich noch einmal auf Gerhard
Lang (1994), 'Quartäre Vegetationsgeschichte
Europas", hingewiesen.
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| Infos zur Klimaentwicklung,
lang-, mittel- und kurzfristig finden Sie unter |
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| Infos zur Bedeutung
von Meeresspiegelschwankungen finden Sie unter |
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Weitere
Infos unter Hyperlinks & Literatur! |
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Die
unterschätzte Bedeutung der holozänen Klimaschwankungen für Flora und Vegetation |
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Wie
oben bereits angedeutet, hatten auch holozäne Klimaschwankungen - siehe im Detail
- Einfluss auf die Zusammensetzung und Verbreitung von Flora und Vegetation. Häufig wird die Tragweite dieser
klimatischen Fluktuationen' unterschätzt ' (W.D.Blümel, Uni Stuttgart, siehe Lit.-Angabe
oben!):
Starke Ausbreitungen (auch Massenausbreitungen) und ein weites
Vordringen nach Norden sowie in höhere Gebirgsregionen Mittel- Nord- und Westeuropas (über die
heutigen Arealgrenzen hinaus!) erfuhren einige Arten (z.B. Buche, Hasel, Hainbuche) während des Atlantikums um
etwa 7.000 und 4.500 BP (before present), einer Periode mit maximaler Temperatur - weit über der heutigen -
und feuchten Bedingungen.
Ausgedehnte Torflagerstätten in den Tundrengebieten Alaskas
und Sibiriens (etwa 2.500 km²) beweisen, dass die arktische Tundra postglazial lange Zeit eine Senke für
Kohlenstoff war und die Baum- und Strauchvegetation wesentlich weiter nach Norden reichte (vgl.
Sturm et al. 2004: Eisschmelze am Nordpol). Nach
folgender Abkühlung verschwand diese (eingewanderte) Vegetation jedoch wieder.
Mit dem aktuellen Anstieg der Temperaturen (seit dem Ende der Kleinen
Eiszeit) und dem partiellen Auftauen der Perma-Frostböden, erlebt die Tundra wieder ein starkes Einwandern von
Gehölzarten. Sturm et al. (ibid) heben hervor, dass die globale Erwärmung in
diesen Gebieten dazu geführt hat, dass die Arktis in dieser - [Übergangsphase?] - zur Nettoquelle für
Kohlendioxid und Methan wurde bzw. wird.
Ebenso wie die vermutlich niedrigsten holozänen Temperaturen
vor (nur) ca. 2.900 Jahren und anderen Pessima - nach den holozänen Optima vor 4.500 und ca.
7.000 Jahren - , führten neben den beiden genannten Hauptoptima (im Atlantikum) sicher auch das sogenannte 'Römische'
und 'Mittelalterliche Optimum' zu Veränderungen der floristischen
Zusammensetzung der postglazialen Vegetation. Hier jedoch schon ganz wesentlich unter anthropogenem
Einfluss.
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Verschiedene
Ausbreitungsmechanismen (Verteilung
von Diasporen) |
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Zu
den Mechanismen, welche für die Ausbreitung von Pflanzen
verantwortlich sind, gehören die Autochorie (durch Eigenmechanismen, z.B. bei
dem Springkraut / Impatiens
spec., oder bei der Spritzgurke / Ecballium
elaterium) und die Allochorie (Ausbreitung durch externe Faktoren), z.B.
durch
Wind (Anemochorie), durch Wasser
(Hydrochorie), durch Tiere (Zoochorie), (siehe unten!)
Abb. rechts:
Der körpchenförmige Blütenstand von Tragopogon pratensis L., ( Wiesen-Bocksbart)
deren Achänen (einsamige Schliessfrüchte) einen schirmförmigen Pappus besitzen und vom Wind (quasi als
flugfähige Diasporen) verbreitet werden (Anemochorie). Foto H.Kehl.
Ein weiteres Beispiel für Anemochorie wird auf
der Seite "Trockene Mittelbreiten - Steppen, Halbwüsten und Wüsten Eurasiens" in dem Abschnitt "Steppenläufer
/ Steppenroller" beschrieben.
Die Verbreitung durch Tiere (Zoochorie)
kann unterteilt werden in:
-
z.B. Myrmecochorie (durch Ameisen),
-
z.B. Hemerochorie (durch den Menschen), global von grosser
Bedeutung (Handel, Tourismus etc.),
-
z.B.
durch Vögel und andere Tiere
Abb. rechts:
Die schneckenförmige Hülsenfrucht von Medicago
polymorpha L. (Rauer Schneckenklee), Syn.: Medicago apiculata Willd., verhakt in einer Strähne Schafswolle
(Zoochorie bzw. epi-zoochorisch). Foto: H.Kehl
Dass
Zugvögel seit Jahrtausenden zur Ausbreitung von Pflanzenarten beitragen, wird deutlich, wenn die ungeheure
Zahl der weltweit alljährlich zwischen den Kontinenten zweimal wandernden (grossen und kleinen) Vögel bedacht
wird.
Schätzungen zufolge sollen weltweit etwa 50 Milliarden
Zugvögel auf den drei Hauptzugwegen von Europa nach S-Afrika, von N-Asien über S-Asien nach Australien
und von N-Amerika nach S-Amerika unterwegs sein. Alleine zwischen Europa und Afrika sollen es jährlich etwa
5 Milliarden Vögel sein, die potentiell Diasporen (Vermehrungseinheiten von Pflanzen) über viele tausend
Kilometer (im Darm, d.h. endo-zoochorisch, oder Gefieder, d.h. epi-zoochorisch)
transportieren können. So verwundert es nicht, dass auf dem
Gebirgsplateau des Gilf Kebir in SW-Ägypten
(östliche Zentral-Sahara) Diasporen mediterraner Arten nachgewiesen werden konnten.
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Weitere Quellen:
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NEU:
Zusammenfassung und Straffung einiger Seiteninhalte am 11./12. Aug. 2006: |
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| "Überblick
zur globalen Klimaentwicklung" jetzt auf eigener Seite: |
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| "Das Holozän
- ein klimadynamisches Interglazial" finden Sie nun unter |
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| "Bedeutung
der Sonnenfleckenaktivität" finden Sie nun unter |
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| "Kleine
Auflistung holozäner Klimaschwankungen" finden Sie nun unter: |
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| "Klimaschwankungen
während der letzten 2.000 Jahre" finden Sie nun unter: |
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| Einige Bemerkungen
zur Klimadebatte und den überall 'lauernden' Katastrophen: |
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